Handelsstreit

Anti-Dumping-Verfahren: China prüft Einfuhren von Chemikalie aus der EU

Peking verweist auf einen Preisverfall von fast 60 Prozent seit 2022 und wirft Brüssel vor, etliche Verfahren gegen chinesische Produkte eröffnet zu haben.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Industrieanlagen in Ludwigshafen. Chinas neues Anti-Dumping-Verfahren betrifft Einfuhren eines Chemie-Zwischenprodukts aus der EU.

Industrieanlagen in Ludwigshafen. Chinas neues Anti-Dumping-Verfahren betrifft Einfuhren eines Chemie-Zwischenprodukts aus der EU.

© Uwe Anspach/dpa

Chinas Handelsministerium hat am Samstag ein Anti-Dumping-Verfahren gegen Einfuhren des Chemie-Vorprodukts p-Nitrotoluol aus der Europäischen Union eingeleitet. Grundlage ist ein Antrag der Unternehmen Jiangsu Huaihe Chemical und Hubei Dongfang Chemical, die nach Angaben des Ministeriums stellvertretend für die chinesische Branche auftreten.

Nach Darstellung des Ministeriums belegen erste Hinweise, dass die Einfuhrmengen aus der EU zwischen 2022 und 2025 auf hohem Niveau blieben, während die Preise im selben Zeitraum kumuliert um knapp 60 Prozent gefallen seien. Diese Importe zu Dumpingpreisen hätten der heimischen Produktion Schaden zugefügt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Samstag ebenfalls über das Verfahren.

Breite industrielle Verwendung

P-Nitrotoluol, auch 4-Nitrotoluol genannt, ist ein chemisches Zwischenprodukt. Es dient laut Handelsministerium vor allem der Herstellung von Vorstufen für Farbstoffe, Pigmente, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittel.

China gehört nach Angaben von Reuters zu den weltweit größten Produzenten und Exporteuren des Stoffs. Das Verfahren soll regulär innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden.

Verweis auf EU-Verfahren gegen China

Ein Sprecher des Ministeriums verband die Einleitung des Verfahrens mit dem laufenden Handelskonflikt zwischen Peking und Brüssel. China gehe bei handelspolitischen Schutzmaßnahmen zurückhaltend vor, erklärte er. Die EU hingegen habe seit Anfang 2025 28 handelspolitische Verfahren gegen China eröffnet, davon rund die Hälfte gegen Chemieprodukte. Zuletzt seien drei Verfahren gegen chinesisches Polyvinylchlorid und weitere Chemikalien eingeleitet worden.

Brüssel müsse die eigenen handelspolitischen Probleme anerkennen und diese im Dialog klären, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua den Sprecher.

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Gespräche auf hoher Ebene geplant

Das Verfahren fällt in eine Phase laufender Handelsgespräche zwischen Peking und Brüssel. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič wird in der kommenden Woche in China erwartet, um mit Handelsminister Wang Wentao zu sprechen.

Peking hatte die EU zuletzt wiederholt vor neuen Handelsbeschränkungen gewarnt. Ein Sprecher des Handelsministeriums kündigte Ende September laut Xinhua eine „entschlossene“ Reaktion an, sollte Brüssel ein neues Instrument nach dem Vorbild von Section 301 des US-Handelsrechts einführen, das eine schnellere Verhängung von Zöllen ermöglichen würde.

An einem entsprechenden Vorstoß arbeiten nach einem Bericht der Financial Times unter anderem Deutschland und Frankreich.

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