Kommunalpolitik

Vorstoß aus Leipzig: AfD will Partei-Chef Chrupalla als OB-Kandidaten

Der Leipziger Kreisverband umwirbt den Co-Sprecher der Partei – doch der Umworbene und gebürtige Lausitzer hält sich bedeckt. Auch gegenüber dieser Zeitung.

3 Min
Schafft er die „blaue Wende“ in der Sachsen-Metropole? Bislang hält sich Tino Chrupalla zu seinen OB-Ambitionen bedeckt.

Schafft er die „blaue Wende“ in der Sachsen-Metropole? Bislang hält sich Tino Chrupalla zu seinen OB-Ambitionen bedeckt.

© Bernd Elmenthaler/Imago/Esdes.Pictures

Die Leipziger AfD möchte ihren Bundessprecher und Bundestagsfraktionschef Tino Chrupalla (51) als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 21. Februar 2027 gewinnen.

Übereinstimmend berichten mehrere Medien, dass der Kreisvorstand den Oberlausitzer umwirbt. „Wir, der Vorstand und ich, sind an Tino Chrupalla dran“, zitiert die Leipziger Volkszeitung den Kreisvorsitzenden und Europaparlamentarier Siegbert Droese. Ein erstes Gespräch soll bereits stattgefunden haben – eine Absage aus Berlin liege bislang nicht vor.

Antrieb des Vorstoßes ist wohl auch der Rückenwind aus Sachsen-Anhalt, wo die AfD zuletzt stärkste Kraft wurde. Diese Dynamik, so Droese, wirke bis nach Leipzig – und darüber hinaus mit Blick auf die sächsische Landtagswahl 2029, bei der Chrupalla bereits als möglicher Spitzenkandidat gehandelt wird. Die OB-Wahl in Leipzig könnte damit für ihn zur Vorbereitung auf die Landesebene werden.

Chrupalla ist schon Gesicht der Kampagne

Sichtbar engagiert ist Chrupalla in Leipzig schon jetzt: Er ist das Gesicht einer Spendenkampagne der Partei unter dem Slogan „Wir werden Oberbürgermeister!“. In einem Flyer betont er, eine gute Verwaltung brauche „eine glaubwürdige Person an ihrer Spitze“. Ob er selbst diese Person sein will, lässt er offen.

Und genau hier beginnt das Rätselraten. Auf Anfrage dieser Zeitung äußerte sich Tino Chrupalla zu einer möglichen OB-Kandidatur nicht. Auch der AfD-Kreisverband Leipzig ließ eine Anfrage unbeantwortet. Auch auf Anfragen anderer Medien hielt er sich bedeckt: Eine Anfrage der LVZ ließ er ebenso ins Leere laufen wie eine von Radio Dresden. „Vielleicht ist er ja selbst von dem Vorschlag überrascht“, mutmaßte der Sender.

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Kritiker dürften Chrupallas fehlende lokale Verwurzelung ins Feld führen. Der 1975 in Weißwasser geborene Politiker wohnt in Gablenz im Landkreis Görlitz und zog 2017 über den Wahlkreis Görlitz in den Bundestag ein. Droese wirbt dennoch offensiv: „Tino ist zwar kein Leipziger, aber ein volksnaher Politiker und ein echter Sympathieträger.“

Plan B steht schon bereit

Für den Fall einer Absage hat die Partei vorgesorgt. Der Leipziger Landtagsabgeordnete Alexander Wiesner will bei der Aufstellungsversammlung am 26. September ohnehin antreten – auch gegen Chrupalla. Er verweist auf seine Ortskenntnis: Er lebe seit rund 20 Jahren in Leipzig, kenne „Stadt und Leute“. Spätestens Mitte der Woche vor dem Parteitreffen soll feststehen, ob Chrupalla zur Verfügung steht.

Die AfD ist die letzte große Partei ohne nominierten Kandidaten. Das Bewerberfeld ist bereits gut gefüllt – von SPD-Wirtschaftsminister Dirk Panter über CDU-Fraktionschef Michael Weickert bis zu Bewerbern von Linke, Grünen, FDP, Volt, BSW und weiteren. Ob es prominenten Zuwachs aus Berlin gibt, bleibt vorerst Chrupallas Geheimnis.

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