Western-Legende

Clint Eastwood (96) über die USA: Nur drei Dinge seien dort wirklich original

Clint Eastwood (96) über die USA: Western, Jazz und Blues seien die einzigen originalen US-Kunstformen. Woher das Zitat stammt und was daran ist.

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Clint Eastwood in seinem Neo-Western „Cry Macho“ (2021), bei dem er auch Regie führte.

Clint Eastwood in seinem Neo-Western „Cry Macho“ (2021), bei dem er auch Regie führte.

© Imago/Claire Folger

Clint Eastwood traut seinem eigenen Land nicht viel zu. Wirklich eigene Kunst habe Amerika kaum hervorgebracht, sagt die 96 Jahre alte Western-Legende. Übrig bleiben bei ihm genau drei Dinge: der Western, der Jazz und der Blues.

Der Satz reitet gerade durch halb Europa. Spanische Medien berufen sich auf das Filmmagazin Fotogramas, von dort zog er weiter zum Portal 3DJuegos und an diesem Montag zu Filmstarts. Woher das Magazin das Zitat hat, verrät es allerdings nicht. Ein Fremder ohne Namen also, der von Stadt zu Stadt zieht. Eastwood kennt die Rolle.

Clint Eastwood über Amerika: Das Zitat im Wortlaut

„Ich fühle mich dem Western sehr nah“, wird Eastwood in der englischsprachigen Fassung zitiert, die etwa das Portal Gameblog wiedergibt. „Es gibt nicht allzu viele amerikanische Kunstformen, die originell sind. Die meisten sind von europäischen abgeleitet.“

Sein Fazit: „Abgesehen vom Western und dem Jazz oder Blues ist das alles, was wirklich originell ist.“

Die zugespitzte Zeile, mit der viele Medien titeln, taucht dort nicht auf. Dass die USA „nicht wie Europa“ seien, findet sich nur in der spanischen Version, die seither übersetzt und weitergereicht wird.

Das Zitat ist älter als gedacht

Neu ist an der Aufregung wenig. Das französische Portal Purebreak brachte die Aussage schon im März. Das deutsche Portal kennzeichnet seinen Text selbst als Wiederveröffentlichung.

Eastwood vertritt diese These seit Jahrzehnten. Das US-Kunstmagazin Artforum schrieb bereits zur Zeit seines Jazzfilms „Bird“ von 1988, er halte Western und Jazz für die einzigen ganz eigenen Kunstformen Amerikas. Wann und wem er die lange Fassung gesagt hat, nennt keines der Medien.

Ausgerechnet Europa machte ihn zum Western-Star

Die schönste Pointe liefert Eastwoods eigene Karriere. Bis 1964 kannte man ihn in den USA vor allem als Cowboy aus der Fernsehserie „Rawhide“. Dann holte ihn ein Italiener.

Sergio Leone drehte „Für eine Handvoll Dollar“ größtenteils in Spanien, mitfinanziert mit westdeutschem Geld. Die weibliche Hauptrolle spielte die Münchnerin Marianne Koch. Das amerikanischste aller Filmgenres verdankt sein berühmtestes Gesicht also einer europäischen Koproduktion.

Eastwood kehrte als Star nach Hollywood zurück. 1993 gewann sein Spätwestern „Erbarmungslos“ vier Oscars, darunter die für den besten Film und die beste Regie.

Winnetou und DEFA: Western aus Ost- und Westdeutschland

Die Deutschen haben den Western in den Sechzigern sogar gleich zweimal nachgebaut. Im Westen ritt Pierre Brice als Winnetou durch die Karl-May-Filme, gedreht im damaligen Jugoslawien.

Die DDR hielt mit eigenen Indianerfilmen der DEFA dagegen, beginnend 1966 mit „Die Söhne der großen Bärin“. Gojko Mitić wurde zum Western-Helden des Ostens. Die Bösen waren dort meist die weißen Siedler.

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Gojko Mitić war in DEFA-Filmen wie „Die Söhne der großen Bärin“ zu sehen.

Gojko Mitić war in DEFA-Filmen wie „Die Söhne der großen Bärin“ zu sehen.

© DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer

Jazz, Blues und Hip-Hop: Hat Eastwood recht?

Dass Jazz und Blues auf seiner kurzen Liste stehen, überrascht niemanden. Eastwood spielt selbst Klavier, sein Sohn Kyle ist Jazz-Bassist. Mit „Bird“ setzte er dem Saxofonisten Charlie Parker ein Denkmal, später drehte er den Dokumentarfilm „Piano Blues“.

Trotzdem ist die Liste erstaunlich kurz. Hip-Hop entstand 1973 auf Partys in der Bronx, und Superman erschien 1938 als erster großer Comic-Superheld. Beides hat die Welt mindestens so geprägt wie der Saloon.

Eastwoods eigene Beispiele sind zudem reine Mischformen. Im Jazz treffen afrikanische Rhythmen auf europäische Harmonien, der Western erzählt von Siedlern aus Europa. Gerade diese Mischung ist das Amerikanischste an Amerika.

Clint Eastwood mit 96: Kommt noch ein Film?

Eastwood wurde am 31. Mai 1930 in San Francisco geboren. Sein bislang letzter Film als Regisseur, das Gerichtsdrama „Juror #2“, kam 2024 heraus. Ob noch einer folgt, ist offen.

Für Gesprächsstoff braucht er ohnehin keinen neuen Film. Ein alter Satz über den Western genügt, und zwei Kontinente diskutieren mit.

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