Das geplante Arbeitsverbot für Spieler aus Nicht-EU-Staaten würde gravierende Folgen haben

Wie eine Abschiebung

Matthias Wolf
4 Min

BERLIN, 12. Januar. Seit achteinhalb Jahren spielt Harun Isa in Deutschland Fußball. Als der albanische Stürmer des 1. FC Union Berlin von dem geplanten Arbeitsverbot für Sportler aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) unterhalb der obersten Spielklassen erfuhr, glaubte er zuerst an eine Falschmeldung. Inzwischen weiß Isa, dass sich die Innenminister der Länder und die Sportminister bei ihren Konferenzen einig waren, auch der Deutsche Sportbund Zustimmung signalisierte - und die Regelung, trotz großer Bedenken aus dem Bundestag, bereits im Februar von den Bundesländern beschlossen werden könnte. Diskriminierung der Kicker"Das ist diskriminierend", sagt Isa, "wenn mein Vertrag ausläuft, und ich finde gleichzeitig keinen Bundesligaverein, muss ich nach Hause gehen." Dann fügt er hinzu: "Das ist wie Abschiebung." Thomas Uslaub, Sprecher des sächsischen Innenministeriums, mag da gar nicht widersprechen. "Ja, das würde praktisch bedeuten, dass diese Sportler abzuschieben sind." Sachsen ist vorgeprescht und wendet die Ausländerbeschränkung bereits an. Uslaub: "Sportvereine sollen wieder das werden, was sie mal waren: Einrichtungen zur Körperertüchtigungen, in denen der einheimische Nachwuchs gefördert wird." Die Politik will das Rad der Zeit zurückdrehen. Neue Verträge mit Nicht-EU-Ausländern werden untersagt, bestehende Kontrakte dürfen verlängert werden - aber Klubwechsel sind nicht möglich. Ziel ist die Förderung der deutschen Talente, denen angeblich die Ausländer Plätze in den Teams wegnehmen. Noch gibt es in Sachsen Ausnahmegenehmigungen - für Klubs, die überregional mitspielen. Wie die sächsischen Fußballklubs, die 57 der insgesamt 363 Nicht-EU-Ausländer in Liga zwei und drei als kickendes Personal beschäftigen.Thomas Till, Präsident des Regionalligisten FC Sachsen Leipzig, fehlt dennoch jegliches Verständnis: "Das ist ausländerfeindlich. Die Menschen werden in zwei Klassen eingeteilt. Politiker sollten mehr Geld für die Jugendförderung geben, statt sich schwachsinnige Gesetze auszudenken." Till sagt auch, für seinen Verein sei Spitzensport wohl künftig nicht mehr finanzierbar, "weil deutsche Spieler sich ihre Aufwertung noch mehr bezahlen lassen werden. Die lassen uns dann ausbluten." Till sieht bereits "ganze Mannschaften jenseits der obersten Spielklassen zusammenbrechen".Der Deutsche Fußball-Bund hat ähnliche Sorgen, fordert eine Lex Fußball für die Ligen zwei und drei. Die Politik sträubt sich dagegen. Auch die Berliner Vereine 1. FC Union (zehn Nicht-EU-Ausländer) und BFC Dynamo (zwölf) sind stark betroffen. Dieser Tage haben sie sich noch einmal verstärkt: Mit vier neuen Profis - aus den Nicht-EU-Ländern Bulgarien, Brasilien und Rumänien. Union-Präsident Heiner Bertram betont, man habe in der Vergangenheit viele ablösefreie Schnäppchen in Osteuropa gemacht. "Damit wäre es vorbei", so Bertram, der dennoch Sympathie für die Reform empfindet: "Es wäre gut für die deutsche Sportjugend. Aber die Regelung müsste bis in die erste Liga gehen, um auch die Nationalelf zu stärken." Doch daran sei nicht gedacht, so Uslaub: "Die Klubs müssen international konkurrenzfähig bleiben." Die Kleinen trifft es also wieder einmal am härtesten. Deshalb fordert Bertram vom Verband Soforthilfe: "Der DFB muss rasch ein Gesamtkonzept erstellen. Es kann nicht sein, dass ein Drittligist weiter mit 600 000 Mark Fernsehgeld abgespeist wird und eine Liga höher sieben Millionen ausgeschüttet werden." Uslaub sagt nur: "Wir wissen, dass mancher Verein wirtschaftlich auf der Strecke bleiben könnte - aber dann besinnen die sich vielleicht wieder mehr auf ihre Jugendarbeit." Möglicherweise eine Milchmädchenrechnung.Leipzigs Klubchef Till sagt, "manche Manager werden Mittel und Wege finden, um die Regelung zu unterlaufen". Die Zahl der Einbürgerungsanträge dürfte steigen. Und da ist die juristische Komponente, die René Lau, Vizepräsident des BFC und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im deutschen Anwaltsverein, anführt. Die "unausgegorene Regelung" komme einem Arbeitsverbot für die Betroffenen gleich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies vor dem Europäischen Gerichtshof standhalten wird", sagt Lau: "Die deutsche Greencard soll ja auch für alle Computerspezialisten gelten - und nicht nur für die bei Spitzenkonzernen." Lau ist sicher: "Irgendein ausländischer Fußballer wird sicher dagegen klagen."Diesen Vorkämpfer gibt es im Handball schon: Maros Kolpak, Slowake beim Zweitligisten TSV Östringen, klagt vor dem Europäischen Gerichtshof gegen den Handballbund. Der lässt seinen Teams neben beliebig vielen EU-Bürgern nur zwei weitere Ausländer zu. Volker Röhricht, Richter am Bundesgerichtshof und Präsident der deutschen Vereinigung für Sportrecht, glaubt: "Die nationale Abschottung der Länder und Verbände ist nicht zu halten. Nach dem Bosman-Urteil müssen wir annehmen, dass auch diese Klage Erfolg haben wird."Sportler siegten vor GerichtIn Italien und Spanien gibt es ähnliche Fälle, da haben Sportler bereits obsiegt. Hier zu Lande wirkt derzeit alles übereilt. Nun hat der Deutsche Sportbund dafür plädiert, erst 2002 Ernst zu machen, um nicht das totale Chaos in den Ligen zu verursachen. Das gibt einem wie Harun Isa vom 1. FC Union Hoffnung: "Bisher war Deutschland für mich ein weltoffenes Land. Ich hoffe, die Politiker hier kommen rasch wieder zur Vernunft.""Das ist ausländerfeindlich. Die Menschen werden in zwei Klassen eingeteilt. " Thomas Till, FC Sachsen Leipzig IMAGO/CAMERA 4 Als Harun Isa vom geplanten Spielverbot für Nicht-EU-Ausländer hörte, glaubte er zunächst an eine Falschmeldung.

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