Im Internet ist ein gewaltiger Datensatz aufgetaucht, der interne Kommunikation der AfD enthalten soll. Nach Angaben der Angreifer handelt es sich um rund 421.000 E-Mails – und die Partei bestätigt grundsätzlich, dass bei ihr Daten abgeflossen sind. Wie brisant das Material tatsächlich ist, bleibt vorerst offen.
Der veröffentlichte Datensatz hat es rein mengenmäßig in sich. Das 280 Gigabyte große Archiv enthält rund 420.000 E-Mails aus zehn Mailboxen. Betroffen sind demnach unter anderem das Bundesschiedsgericht, mehrere prominente Parteimitglieder sowie die Bundesgeschäftsstelle. Hinzu kommen gut 41.000 PDF-Dokumente, rund 3.480 Word-Dateien und mehrere Abzüge aus SQL-Datenbanken.
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Dem durch die Hackergruppe veröffentlichten Material liegen offenbar Anleitungen für Medienvertreter bei. Diese Handreichungen sollen Journalisten Hinweise auf lohnende Recherchewege geben, etwa mit Blick auf mögliche finanzielle Ungereimtheiten. Ob das Leck Stoff liefert, der ein Verbotsverfahren wahrscheinlicher macht, lässt sich bislang nicht einschätzen.
Technisch deutet einiges auf einen größer angelegten Angriff hin. Als Quelle der unrechtmäßig kopierten Daten gelten mehrere Webserver und mindestens ein Mailserver; die Informationen umfassen neben Adressen auch zahlreiche Angaben zu Amtsträgern und deren Kontakten. Die Täter verbreiteten das Paket nicht nur per Bittorrent, sondern bereiteten es zusätzlich auf einer eigenen Internetseite durchsuchbar auf.
Beim Blick auf die Urheber tendieren Fachleute in eine bestimmte Richtung. Der IT-Sicherheitsexperte Mirko Ross vom Dienstleister Asvin hat sich mit dem Fall befasst und ordnet ihn gegenüber dem Online-Portal „Heise“ so ein: „Das sieht für mich nicht nach einem Innentäter, sondern nach Hacktivismus aus.“ Dazu passt die Selbstdarstellung der Angreifer: Laut einem in einem Telegram-Kanal zitierten Statement sei ihr Ziel „nicht Zerstörung“ gewesen – man hätte Server und Backups vernichten können, habe es aber auf die Offenlegung der „Degeneriertheit und Heuchelei“ in der Partei abgesehen. Der Einstieg sei nach eigener Aussage über eine „veraltete Website“ gelungen.
Prominente Namen unter den Betroffenen
Die Liste der betroffenen Konten reicht bis in die Parteispitze. Unter den zehn Postfächern soll sich eines auf den Namen des früheren Parteichefs Alexander Gauland befinden, außerdem ein Konto, das die AfD früher als Kontaktadresse ihrer Bundesgeschäftsstelle angab. Auch Mails, die von Parteichefin Alice Weidel stammen sollen, sind laut einem Bericht der Bild veröffentlicht worden – ihr eigenes Postfach wurde dabei wohl nicht gehackt.
Offenbar wurde bei dem Hackerangriff auch E-Mails von Parteisprecherin Alice Weidel gefunden.
© Bernd Elmenthaler/Imago
Pikant wird es beim Zeitrahmen. Die veröffentlichten Daten reichen bis Anfang September und drehen sich offenbar auch noch um den Wahlkampf zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Betroffen sein soll zudem das Postfach des dortigen AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm. Das wirft die Frage auf, wie „alt“ das Material wirklich ist.
Die Bundesgeschäftsstelle bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung den Vorfall und teilte mit, sie bemühe sich, den Schaden einzugrenzen. Demnach kam es im September 2026 zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister der Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert wurden – von denen die meisten laut AfD seit Jahren nicht mehr genutzt waren.
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Der Angriff sei rasch erkannt und beendet, anschließend seien alle Nutzer informiert worden. Aktuelle Postfächer des Bundesverbandes seien nicht betroffen gewesen. Die nun erfolgte Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils dieser Daten werde geprüft; eine erste Einschätzung könne erst nach Abschluss dieser Prüfung gegeben werden, so die Partei.
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