Streitbar

DDR-Witze über Karls Erlebnis-Dorf: Jetzt schlägt der Osten zurück

DDR-Witze über Karls Erlebnis-Dorf: Was Comedian Moritz Hohl sagt, wie die Fans im Osten reagieren und warum der Park kein DDR-Erbe ist.

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Karlas Erdbeergarten in Karls Erlebnis-Dorf: Um die Erdbeere dreht sich hier alles – frische Früchte zum Pflücken vermisste der Comedian trotzdem

Karlas Erdbeergarten in Karls Erlebnis-Dorf: Um die Erdbeere dreht sich hier alles – frische Früchte zum Pflücken vermisste der Comedian trotzdem

© IMAGO/Jürgen Ritter

Karls Erlebnis-Dorf in Elstal liegt ein paar Kilometer hinter Spandau, kostet keinen Eintritt und ist für viele Berliner Familien der Standardausflug. Der Stand-up-Comedian Moritz Hohl nennt es die „DDR-Version von Freizeitpark“. Seitdem erlebt er, wie wehrhaft eine Erdbeere sein kann.

Über den Auftritt und die Reaktionen berichtete der Berliner Kurier.

„Ich wollte Erdbeeren pflücken!“: Was der Comedian sagt

Hohl hat einen Ausschnitt seines Bühnenprogramms auf Instagram gestellt, überschrieben mit dem Satz, dass Karls Erdbeerhof die Hölle sei.

Drei Jahre Jahreskarte, erzählt er. Wochenenden an der Kartoffelsackrutsche, „mit halb Brandenburg“. Ein Souvenirladen, lang wie der Jakobsweg. Und ein Urteil, das er wie eine Diagnose vorträgt: „Heidepark ohne Spaß.“

Die beste Pointe des Bits ist eine Bestandsaufnahme. Erdbeersekt gebe es, Erdbeerwein, Erdbeerbutter. Was es nicht gebe: Erdbeeren.

Die härteste kommt zum Schluss. Das Ding in Berlin sei vor zwei Jahren abgebrannt, sagt Hohl, ein Geständnis sei das nicht, ein Alibi habe er aber auch nicht. Der Saal lacht laut.

„Wir lieben Karls. Aber dich nicht!“: Fans wehren sich

Im Netz lacht kaum jemand. Unter dem Video sammeln sich Kommentare zwischen Fassungslosigkeit und Fremdscham.

„Wir lieben Karls. Aber dich nicht!“, schreibt ein Nutzer. Eine Frau fragt, ob Hohl überhaupt jemals dort war und sein Publikum nicht bloß aus Mitleid lache. Ein anderer schreibt, er werde richtig sauer, wenn er das höre.

Auffällig ist, woran sich die Wut entzündet. Nicht am Kartoffelsack, sondern am Etikett DDR.

Zustimmung bekommt Hohl trotzdem, und zwar ausgerechnet beim Kuchen. Mehrere Nutzer berichten von derselben Enttäuschung: Erdbeerseife im Regal, Erdbeerwhisky im Regal, Erdbeerkuchen ausverkauft. „Ich fahre dahin, weil ich ein Stück Kuchen möchte“, schreibt einer.

Karls und die DDR: Der Denkfehler im Witz

Wer Karls als DDR-Erbe verspottet, spottet über die falsche Landeshälfte.

Die Firmengeschichte beginnt 1921 bei Rostock mit Opa Karl Dahl, Obst und Gemüse, Pferdefuhrwerk. 1945 flieht die Familie mit fünf Kindern nach Ostholstein und baut dort neu auf, direkt neben der Marmeladenfabrik in Bad Schwartau.

Enkel Robert Dahl wächst also im Westen auf. Nach der Wende schickt ihn sein Vater per 17-seitigem Brief zurück in die alte Heimat. 1992 gründet er in Rövershagen mit 22 Jahren seinen eigenen Erdbeerhof: zehn Hektar, 13 Verkaufshäuschen.

Der angebliche DDR-Freizeitpark ist ein westdeutsches Rückkehrer-Projekt. Zum Ostkult haben ihn die Ostdeutschen selbst gemacht.

Brand in Elstal: Was 2023 wirklich passierte

Auch die Brand-Pointe sitzt historisch schief. Das Feuer in Elstal bei Wustermark brach am 6. Juni 2023 aus, also vor drei Jahren.

Es begann nach Polizeiangaben in einer Werkstatt und griff auf eine Rutsche, einen Verkaufsstand und einen Stall über. Neun Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen, ein Feuerwehrmann kämpfte mit schweren Kreislaufproblemen. Die Schafe kamen lebend aus dem brennenden Stall.

Die Polizei ermittelte von Amts wegen und prüfte auch Brandstiftung. Ein Ergebnis wurde öffentlich nie mitgeteilt. Im Dezember 2024 brannte dann die Traktorbahn im Stammhaus Rövershagen, Schaden rund 350.000 Euro, Ursache laut Polizei vermutlich ein technischer Defekt.

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Karls in Oberhausen: 45 Millionen Euro für das achte Dorf

Dem Geschäft schadet der Spott nicht. Karls betreibt inzwischen acht Erlebnis-Dörfer und liegt beim Jahresumsatz bei rund 220 Millionen Euro.

Am 22. Juli 2026 eröffnete das achte Dorf in Oberhausen, erstmals in Nordrhein-Westfalen und erstmals mitten in einer Großstadt, direkt am Westfield Centro. Erster Bauabschnitt: rund 46.000 Quadratmeter, Investition rund 45 Millionen Euro.

Die neue Attraktion dort heißt Curryversum und hat mit Erdbeeren nichts zu tun. Eintritt kostet auch dieser Park nicht. Bezahlt wird, da hat Hohl recht, im Laden.

Bleibt die Frage, warum jemand drei Jahre lang eine Jahreskarte für die Hölle kauft. Das ist die ehrlichste Pointe des Abends, und sie geht auf Kosten des Comedians.

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