Am 4. November rollen in Warnemünde die Bagger an. Dann verschwindet der Pier 7, jener Bau im Hafen, in dem Karls Sandskulpturen ausstellt und Gäste bewirtet.
Ersatzlos ist der Abriss nicht. An derselben Stelle soll ein deutlich größeres Haus entstehen, mit zwei Dachterrassen und Blick auf die einlaufenden Kreuzfahrtschiffe.
Trotzdem dürfte der Herbst für viele Stammgäste unangenehm werden. Denn zwischen Abriss und Neueröffnung liegt ein kompletter Ostsee-Sommer ohne Pier 7.
Karls Pier 7 in Warnemünde: Letzter Öffnungstag ist der 1. November
Der Zeitplan ist eng getaktet. Mit dem Ende der diesjährigen Sand-Ausstellung endet auch der Betrieb.
Der 1. November ist der letzte Tag, an dem Besucher das Gebäude betreten können. Danach wird ausgeräumt, drei Tage später beginnt der Abriss.
Wer die Sandwelt also noch einmal sehen, im Restaurant sitzen oder die Kinder auf den Spielplatz schicken will, hat nur noch wenige Wochen Zeit.
Karls-Chef Robert Dahl: Mietvertrag läuft bis 2041
Robert Dahl macht aus dem Zustand des Baus kein Geheimnis. Das Gebäude sei „brutalst in die Jahre gekommen“, sagte der Karls-Inhaber, als er die Pläne im März in der Sitzung des Ortsbeirats Warnemünde vorstellte. Der Nordkurier hatte darüber berichtet.
Saniert wurde trotzdem lange nicht. Der Grund war profan: Der Mietvertrag wäre Ende 2025 ausgelaufen, und in den drei Jahren davor investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben nur noch zurückhaltend.
Inzwischen ist die Verlängerung da. Der Vertrag läuft bis 2041, mit Optionen bis 2051. Repariert wird nun nichts mehr, gebaut wird neu.
Die Sandfiguren an Pier 7 allein waren eine Reise wert.
© Imago
Neubau in Warnemünde: 5,5 Millionen Euro und 296 Plätze
Zwischen 5,5 und 6 Millionen Euro will Karls in den Standort stecken – und das für den kleinsten Betrieb des Unternehmens.
Allein die Gastronomie wächst massiv: 116 Sitzplätze sind im Innenbereich geplant, 108 im Außenbereich, 72 auf den Terrassen. Zusammen 296 Plätze direkt am Kreuzfahrthafen.
Von den beiden Dachterrassen soll eine nach Norden zeigen, dorthin, wo die Schiffe einlaufen. Die zweite geht nach Süden über das Ostseebad.
Auch optisch soll sich der Neubau von der üblichen Hafengastronomie absetzen. Die Fassade ist in Treibholz-Tönen geplant, dazu verrosteter Cortenstahl und Strandroggen, der oben und unten am Gebäude wachsen soll.
Der Außenbereich wird neu gepflastert, ein neuer Spielplatz ist vorgesehen. Und auch die Sandwelt soll am Standort weiter Platz bekommen.
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300 Buhnen aus Markgrafenheide und Eiche von der Neptun-Werft
Beim Material wird es für Küstenkinder interessant. Verbaut werden sollen 300 Buhnen, die derzeit vor Markgrafenheide aus der Ostsee gezogen werden.
Buhnen sind jene künstlichen Dämme, die rechtwinklig vom Ufer ins Meer ragen und die Strömung bremsen. Wer an der Ostsee groß geworden ist, kennt sie eher als Kletterobjekt mit Schürfwundengarantie.
Dazu kommt Rostocker Werftgeschichte. Karls hat die eichene Pallung der Neptun-Werft gekauft – jene Holzunterlagen, auf denen Schiffe während des Baus ruhen. Ein Sägewerk schneidet daraus feine Bretter für den Innenausbau.
Ein Freizeitunternehmen, das seinen Neubau aus Küstenschutz und Werftholz zusammensetzt: Das ist mehr Ortsbezug, als die Branche üblicherweise aufbringt.
Karls in Warnemünde: Eröffnung soll Ostern 2027 sein
Der Termin ist ambitioniert. Abriss im November 2026, Neueröffnung zu Ostern 2027 – rund siebzehn Monate für Abbruch und kompletten Neubau an einem Hafenstandort.
Wer schon einmal erlebt hat, was ein Ostseewinter mit einer Baustelle anstellt, wird diesen Zeitplan mit Wohlwollen und leiser Skepsis lesen.
Bis dahin bleiben die Erlebnisdörfer. Erdbeeren gibt es also weiterhin, nur eben ohne Kreuzfahrtschiff im Hintergrund.
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