Handball

Defensive als Schlüssel: Wie der SC Magdeburg den THW Kiel dominiert hat

Der SC Magdeburg hat seine Durststrecke gegen den THW Kiel eindrucksvoll beendet. Mit einer überragenden Abwehrleistung setzte sich der Meister mit 32:26 durch.

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Gisli Kristjansson (beim Wurf) erzielte beim Sieg des SC Magdeburg gegen den THW Kiel fünf Tore.

Gisli Kristjansson (beim Wurf) erzielte beim Sieg des SC Magdeburg gegen den THW Kiel fünf Tore.

© Christian Schroedter/Imago

Die vergangenen drei Jahre hätten für den SC Magdeburg kaum erfolgreicher laufen können: Deutscher Meister 2024 und 2026, Gewinner der Champions League 2025 und Deutscher Vizemeister 2025. Nur gegen den THW Kiel wollte es für die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert nicht so gut laufen. Auf den 33:26-Erfolg vom Februar 2024 folgten bis zum Mittwochabend sechs sieglose Spiele. Nur sieben Spieler aus dem aktuellen SCM-Kader wussten überhaupt noch, wie sich ein Sieg gegen Kiel anfühlte.

Gisli Kristjansson gehörte, obwohl damals bereits Teil der Magdeburger Mannschaft, allerdings nicht dazu. Der Isländer hatte den 33:26-Erfolg in Kiel verletzt verpasst. Nun durfte er den nächsten Sieg gegen den Rekordmeister auf dem Feld miterleben – und fand dafür deutliche Worte: „Das war ein richtig, richtig geiler Sieg von unserer Seite und eine richtig geile Leistung.“

Besonderer Sieg für Gisli Kristjansson

Es war für Kristjansson also nicht der erste Kiel-Sieg im Magdeburger Trikot, aber ein besonderer. Denn nach seiner Verletzung hatte er den jüngsten Erfolg gegen den THW nur von außen verfolgen können. Diesmal war er selbst einer der prägenden Spieler und steuerte fünf Tore zum 32:26 (15:9) bei.

Kiel hatte zunächst gut begonnen. Nach fünf Minuten stand es 2:2, beide Torhüter hatten bereits mehrere Abschlüsse entschärft. Dann aber bekam der SCM immer mehr Zugriff. Magnus Saugstrup und Oscar Bergendahl wechselten sich im Mittelblock ab, Antonio Serradilla unterstützte in der Defensive, dahinter erwischte Matej Mandic einen starken Abend.

Aus dem 2:2 wurde ein 5:2, später ein 11:5. Zur Pause führte Magdeburg mit 15:9. Der THW hatte zu diesem Zeitpunkt bereits große Mühe, überhaupt zu klaren Chancen zu kommen. „Wir verteidigen von Anfang an stabil, aggressiv, emotional“, sagte Wiegert. Seine Mannschaft setzte diese Vorgabe konsequent um. Sie gewann Zweikämpfe, schloss Räume und zwang Kiel immer wieder zu Abschlüssen aus ungünstigen Positionen.

Auch der THW-Trainer musste das anerkennen. „Dann bekommen wir nicht die Chancen, die wir sonst haben“, sagte Børge Lund. Kiel habe den Faden verloren, während Magdeburg immer besser geworden sei.

Die neun Kieler Tore bis zur Pause waren dabei nicht allein das Ergebnis einer starken SCM-Defensive. Wiegert räumte auch ein, dass seine Mannschaft etwas Spielglück gehabt habe. Einige freie Kieler Würfe gingen knapp am Tor vorbei oder landeten als Aufsetzer über dem Gehäuse.

Nach dem Seitenwechsel ließ Magdeburg trotzdem nicht nach. Dominik Kuzmanovic kam für Mandic ins Tor und nahm dem THW direkt zwei klare Chancen weg. Vorne blieb der SCM konzentriert und effizient. Omar Ingi Magnusson erzielte beim 19:12 sein 1250. Tor in der Handball-Bundesliga und stellte später auf 30:22.

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Kiel versuchte noch einmal, den Abstand zu verkürzen. Doch der SCM ließ sich nicht mehr aus dem Rhythmus bringen. Nach der Pause kam der deutsche Meister auf eine Wurfquote von 81 Prozent und verteidigte seinen Vorsprung souverän. „Den THW über Teile so dominieren zu können, ist nicht selbstverständlich“, sagte Wiegert.

Das war die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieses Abends. Denn Kiel war mit 11:1 Punkten in die Partie gegangen und hatte gerade gegen Magdeburg in den vergangenen Jahren immer wieder Lösungen gefunden. Diesmal fand der Rekordmeister keine ausreichende Antwort.

„Die Verteidigung war heute hervorragend“, sagte Felix Claar. Seine Mannschaft habe füreinander gekämpft, und wenn Kiel doch einmal durchgekommen sei, habe Mandic gehalten. „Die erste Halbzeit war fast perfekt“, sagte der Schwede.

Auch für Kristjansson war die Leistung ein Zeichen. „Man hat sofort gemerkt, dass wir da waren. Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute nicht nachgelassen“, sagte er. Für den Isländer war es zugleich ein persönlicher Haken hinter einer Serie, die er bislang nur aus der Zuschauerperspektive gekannt hatte.

Besonders war der Abend auch wegen der Atmosphäre in der Arena. Die 6600 Zuschauer sorgten von Beginn an für eine Kulisse, die selbst die Magdeburger Spieler noch einmal überraschte. „Das war nochmal lauter als sonst“, sagte Oscar Bergendahl.

Starke Symbiose zwischen Mannschaft und SCM-Fans

Wiegert sprach von einer „starken Symbiose“ zwischen Mannschaft und Arena. Die Energie von den Rängen habe seine Mannschaft zusätzlich getragen. Bergendahl sah darin einen wichtigen Bestandteil des Abends: „Die Abwehr hat gut funktioniert und wir haben alles reingehauen. Das hat sich ausgezahlt – vorne wie hinten.“

Sechs Spiele lang hatte Kiel den SCM teilweise vorgeführt, gefordert oder zumindest immer wieder vor Probleme gestellt. Diesmal war es umgekehrt. Magdeburg nahm dem Rekordmeister die Räume, die Lösungen und schließlich auch die Hoffnung auf eine Wende. Die Antwort des Meisters auf seinen Angstgegner? Eine Abwehr, die Kiel über weite Strecken ratlos machte.

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