In der Koalitionsvereinbarung steht sie noch, die Kanzler-U-Bahn. Während ihrer Verhandlungen über die Fortsetzung der großen Koalition waren sich CDU und SPD noch vor wenigen Wochen einig, dass die U-Bahn-Linie durch die Stadtmitte gebaut und spätestens im Jahr 2006 eröffnet werden soll. Schließlich handelt es sich um ein Prestigeprojekt für den Senat und die Bundesregierung: Mit der neuen U-Bahn sollen die Menschen in wenigen Jahren zügig durch die Mitte der Stadt vom neuen Zentralbahnhof, dem Lehrter Bahnhof, zum Alexanderplatz gelangen können. Schneller und auch bequemer als mit Bus oder Straßenbahn.Doch der Bau dieser kurzen U-Bahn-Strecke kostet viel Geld: fast 1,3 Milliarden Mark verschlingen die aufwändigen Arbeiten. Geld, das die Bundesregierung und auch der Senat eigentlich nicht haben. Eine Milliarde Mark, die für andere Projekte wie die Sanierung von Sportstätten, Schulen und Straßen, aber auch für Jugend- und Sozialprojekte dringend benötigt wird. So ist es eigentlich nicht erstaunlich, dass die politisch Verantwortlichen bei CDU und SPD jetzt noch einmal ins Grübeln kommen. Schließlich fahren quer durch die Stadtmitte schon Busse und Straßenbahnen, und auch die S-Bahn vom Lehrter Bahnhof zum Alexanderplatz verläuft fast parallel nördlich zur Straße Unter den Linden. Sicherlich, in die Planungen hat der Bund in den vergangenen Jahren schon etliche Millionen Mark investiert. Deshalb muss die Bundesregierung jetzt auch drohen, dass der Senat mindestens 136 Millionen Mark zurückzahlen müsse, sollten die Berliner auf die U-Bahn verzichten wollen. Doch wenn sich im Senat die Ansicht durchsetzt, dass die U-Bahn wirklich überflüssig ist, dann sollte das Geld lieber zurückgezahlt werden, als noch weitere Millionen Mark auszugeben.Denkverbote darf es nicht geben. Das gilt für die Demonstrations-Möglichkeiten am Brandenburger Tor und am geplanten Holocaust-Mahnmal genauso wie für die Verkehrsführung in der neuen Stadtmitte.
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