Die Thüringer Aromatique-Familie bekommt Zuwachs. Der Spirituosenexperte Matthias Wiegand hat am Mittwoch in Weimar seinen eigenen „Aromatique“ vorgestellt. Der traditionelle Thüringer Gewürzbitter entsteht auf der Basis von 14 Kräutern. Matthias Wiegand knüpft mit der neuen Kreation an eine lange regionale Geschichte an. Die Wiegand Manufactur Weimar (WMW) war bislang vor allem für ihre „Heimatliköre“ sowie für den im Jahr 2012 eingeführten „Lyonel Dry Gin“ bekannt – den ersten biozertifizierten Gin auf dem Markt.
Erste Versuche mit einem Kräuterbitter unternahm Wiegand vor rund fünf Jahren, vertrieb diesen jedoch zunächst nur in Kleinstmengen direkt ab Manufaktur oder auf Fachmessen. Die Idee zur jetzigen Markteinführung gab ein Treffen auf der Mitteldeutschen Warenbörse in Schkeuditz im Juni dieses Jahres.
Die Leipziger Agentur Rittermann wurde auf das Produkt aufmerksam und regte eine Listung im Einzelhandel an. Für die finale Rezeptur suchte Matthias Wiegand nach historischen Rezepten in seiner Thüringer Heimatregion rund um Gotha. Die Rezeptur des neuen Bitters basiert schließlich auf einer historischen Vorlage mit einer aromatischen Bitternote aus dem Jahr 1923, die für die Produktion weiter verfeinert wurde. Das Design des Flaschenetiketts, bei dem die Darstellung der verwendeten Kräuter im Vordergrund steht, entstand in Zusammenarbeit mit der Weimarer Grafikdesignerin Jessica Wallstein.
Zunächst nur in Thüringen erhältlich
Durch eine Kooperation mit der Agentur Rittermann kommt die Spirituose ab dieser Woche großflächig in den Handel. Zunächst allerdings nur in Thüringen. Der Aromatique wird in mehr als 100 ausgewählten Thüringer Filialen von EDEKA und Rewe erhältlich sein. Ein Ausbau des Vertriebs über die Globus-Verbrauchermärkte sowie den spezialisierten Fachhandel sei aber schon geplant, verrät der Unternehmer.
Die Geschichte des Originalen Aromatique in Thüringen reicht mehr als 200 Jahre zurück. 1828 erkrankten in der Region zwischen Arnstadt und Neudietendorf innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Menschen an einem hartnäckigen Magen-Darm-Infekt. Der Neudietendorfer Apotheker Daniel Thraen entwickelte daraufhin einen Magenbitter zur Linderung der Beschwerden. Die anhaltende Nachfrage inspirierte seinen Nachfolger, Theodor Lappe, das Rezept weiterzuentwickeln und als Magenbitter „Aromatique“ zu verkaufen. Der hat noch heute 40 % Vol. Alkohol und schmecke wie damals, versichert der Hersteller in Neudietendorf.
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Mit einem Streit um die Marke ist nicht zu rechnen. „Aromatique“ wird in der Praxis als Gattungsbezeichnung für eine bestimmte Art von Gewürzbitter verwendet. Da der Begriff vom lateinischen Wort für „aromatisch“ abgeleitet ist und so die Beschaffenheit beschreibt, konnte er nicht exklusiv für einen einzigen Hersteller geschützt werden. Aufgrund der hohen Nachfrage gab es zeitweise rund um Neudietendorf sieben Hersteller, die ihren Bitter aus ganz unterschiedlichen Rezepturen anboten.
Der Aromatique unterscheidet sich vom Jägermeister übrigens nicht nur im Alkoholgehalt. Der westdeutsche Kräuterlikör hat nur 35 % Vol. Alkohol, seine Rezeptur basiert dafür auf einem Mix aus wesentlich mehr Zutaten, nämlich 56 verschiedenen Kräutern, Blüten, Wurzeln und Früchten.
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