JOACHIMSTHAL. Wie ein Lauffeuer machte am Wochenende in Joachimsthal (Barnim) die Nachricht die Runde: Werner K. ist wieder da. Werner K., der Triebtäter, der mehrere Frauen und Kinder vergewaltigte, der 22 seiner 49 Jahre im Gefängnis verbrachte und Mitte April nur freikam, weil der Bundesgerichtshof (BGH) die nachträglich verhängte Sicherungsverwahrung mit sofortiger Wirkung aufhob. Danach lebte er zwei Wochen bei seiner Schwester in Joachimsthal, begleitet von Protesten aufgebrachter Anwohner. Als Werner K. schließlich Ende April Joachimsthal verlies, um sich - wie seinerzeit mitgeteilt wurde - einer freiwilligen Therapie zu unterziehen, schien sich die Aufregung schnell zu legen.Einen Monat später ist der bullige Mann, den Gutachter als hochgefährlich und stark rückfallgefährdet beschreiben, zurück in Joachimsthal. Und mit ihm die Angst. Gerechterweise muss man allerdings sagen: Werner K. ist nicht freiwillig gekommen. Er hat die Therapie, die er all die Jahre im Gefängnis und zunächst auch danach strikt ablehnte, nicht abgebrochen. Er musste sie abbrechen - nach einer Panne irgendwo in der Verwaltung."Vor einigen Tagen wurde Werner K. nahegelegt, die Therapieeinrichtung zu verlassen", sagte der Sprecher des Justizministeriums in Potsdam, Thomas Melzer, gestern der Berliner Zeitung. So musste sich der Patient mit dem langen Strafregister kurzfristig eine Unterkunft suchen, die er bei seinem Neffen in Joachimsthal fand.Nach Darstellung Melzers behandelt die "sehr anerkannte Einrichtung" außerhalb Brandenburgs mehrere problematische Fälle. "Es war absolute Vertraulichkeit vereinbart, um vor Ort keine Unruhe in der Bevölkerung aufkommen zu lassen", erklärte Melzer. Diese Ruhe gilt bei Experten als Voraussetzung für einen Therapieerfolg. Doch dann habe es "sichere Anzeichen" dafür gegeben, dass die Vertraulichkeit im Fall Werner K. gebrochen wird, sagte Melzer ohne nähere Angaben. Die Leitung der Einrichtung habe in dieser Situation um den Erfolg ihres gesamten Projekts gefürchtet - und K. musste gehen."Er war gewillt, länger in der Therapieeinrichtung zu bleiben", sagte der Justizsprecher ein wenig ratlos. Vor zwei Wochen erst hatte Werner K. seine Sachen bei der Schwester abgeholt. "Das war geplant und das haben wir begrüßt", so Melzer. Vielleicht wäre Werner K. nie wieder nach Joachimsthal gekommen.Wenn er jetzt durch Joachimsthal spaziert, weiß es bald darauf die halbe Stadt. "Am Freitagnachmittag wurde er zum ersten Mal gesehen", sagte Peter Brobowski, Sprecher einer Bürgerinitiative "Werner K. muss weg". Die Bürgerinitiative hatte sich gleich nach dessen Haftentlassung gegründet. Vor dem Haus des Neffen parkt ein Zivilfahrzeug der Polizei, die den Sexualstraftäter rund um die Uhr beobachtet. Dies werde "so lange wie nötig" geschehen, sagte Peter Salender vom Polizeipräsidium Frankfurt (Oder).Nur weiß niemand, wie lange es nötig sein wird. Kurzfristig ist keine Lösung in Sicht, heißt es im Justizministerium. Eine geeignete Therapieeinrichtung zu finden falle schwer. "Die freien Träger haben Befürchtungen, stigmatisiert zu werden", sagte Sprecher Melzer. Und in eine geschlossene staatliche Einrichtung werde K. nicht gehen.Peter Brobowski von der Bürgerinitiative will Werner K. einfach "weggesperrt" sehen. 1 800 Unterschriften stehen nach seinen Angaben auf Listen mit dieser Forderung. "Wenn es nicht anders geht, müssen die Gesetze nachgearbeitet werden." In einer Woche wollen einige Dutzend Joachimsthaler vor dem BGH in Leipzig demonstrieren.------------------------------"Werner K. war gewillt, länger in der Therapie- einrichtung zu bleiben." Thomas Melzer, Justizsprecher
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