Heute geht nach fast vier Monaten das Anhörungsverfahren zum Ausbau des Flughafens Schönefeld zu Ende. "Das Projekt hat keine Chance", sagt Ferdi Breidbach. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB), der rund 5 000 Gegner des Flughafen-Standorts vertritt. Der 63-Jährige ist Mitglied der CDU und saß von 1969 bis 1980 im Bundestag.Herr Breidbach, wie viele Betroffene kamen bei der Anhörung in Berlin-Schöneweide zu Wort?Ich habe nicht mitgezählt. Viele, die ihre Betroffenheit vortragen wollten, kamen nicht dran. Da gab es viele Enttäuschte.Es gab 62 Anhörungstage. Am Anfang wurde aber nicht diskutiert, weil es nur lautstarke Proteste gab.Stellen Sie sich vor, in Berlin-Gatow oder gar im Rheinischen sollte ein Flughafen gebaut werden. Dann wäre es in der Halle noch ganz anders zugegangen. Es hat Zoff in der Sache gegeben. Ansonsten verlief die Anhörung überaus zivil.Das klingt zufrieden.Ich bin überzeugt, uns ist es gelungen, mit Hilfe von Betroffenen, Sachverständigen und Juristen die vielen Ungereimtheiten beim geplanten Großflughafen aufzudecken. Uns fehlt allerdings die Überzeugung, dass die Anhörungsbehörde als verlängerter Arm der Gesellschafter die Argumente gegen den Standort objektiv bewertet. Immerhin hat Anhörungsleiter Joachim Leyerle eingeräumt, dass ihn unser Sachverstand frappiert hat.Mit welchem Wissen haben Sie ihn überrascht?Zuletzt mit unseren Berechnungen über den Wertverlust bei den Grundstücken und Häusern, wenn der Großflughafen kommt. Wir haben ausgerechnet, dass die Grundstücke in der Einflugschneise seit dem Beschluss, dass der Flughafen kommt, schon 8,5 Milliarden Mark weniger wert sind. Wir rechnen aber mit 13 Milliarden Mark. Das ist kalte Enteignung von Haus- und Grundbesitzern.Dafür sind deutlich weniger Menschen vom Fluglärm betroffen als die 300 000 Menschen in Tegel.In eine Stadt gehört grundsätzlich kein Flughafen. Aber auch nicht nach Schönefeld. Dort gibt es immerhin noch 120 000 Betroffene, wie wir nachgewiesen haben. Und die sollen später einmal das Drei- oder Vierfache an Flugbewegungen ertragen und das - anders als in Tegel - auch noch nachts. Bei einem Großflughafen wird es darum zu einer Umschichtung der Bevölkerung kommen. Anwohner werden wegziehen, es wird viel Leid geben und auch Tragödien, weil die Menschen durch die Wertverluste ruiniert sind. Zudem geht den Berlinern durch den Flughafenbau ihr klassisches Ausflugsgebiet mit viel Wald und Wasser verloren, das im Sommer von Zehntausenden genutzt wird. Die Zerstörung von 280 Millionen Quadratmeter Erholungsgebiet ist eine Schande.Politiker sprechen von einer so genannten Jobmaschine in Schönefeld mit zunächst 50 000 Arbeitsplätzen.Das Gerede von der Jobmaschine ist eine Lüge. Natürlich kann ein Flughafen Arbeitsplätze schaffen. Doch wenn der Großflughafen tatsächlich 2007 öffnen würde, würden durch die Schließung von Tegel und Tempelhof erst einmal bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.Glauben Sie, dass der Flughafen 2007 eröffnet wird?Nein. Allein für die Erkundung und die Beseitigung der Altlasten sind sieben Jahre nötig, wie sich bei der Anhörung gezeigt hat. Und damit kann erst 2003, wenn der Planfeststellungsbeschluss getroffen ist, begonnen werden. Die Planer wollten zwar die Altlasten parallel zum Flughafenbau entsorgen, aber das ist gesetzlich nicht möglich. Die Politik will das nicht zur Kenntnis nehmen. Übrigens will Brandenburg gerade 180 Millionen Mark für diese Entsorgung bereitstellen.Warum lassen sich die Politiker von Ihren Bedenken nicht beirren?Es gibt eine Mentalität wie zu DDR-Zeiten bei den Bonzen in Wandlitz. Die erste Säule der Planung hat das Oberverwaltungsgericht schon eingerissen, weitere Säulen werden fallen. Spätestens wenn das Bundesverwaltungsgericht über das Gesamtvorhaben entscheiden muss, wird auch dem Letzten klar werden: Schönefeld kann nicht gebaut werden. Und wenn doch, nur mit Auflagen, die einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machen würden.Das Gespräch führte Jürgen Schwenkenbecher.
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