Deutschland und die Vereinigten Staaten wollen bei Rüstungsprojekten enger zusammenarbeiten. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein US-Amtskollege Pete Hegseth unterzeichneten dazu in Washington eine Absichtserklärung. Diese setze einen politischen Rahmen für künftige Vorhaben in den Bereichen Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Rüstungsgütern, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.
Pistorius auf SPD-Rettungsmission: Doch Steffen Krach steht mit dem Rücken zur Wand
Beide Länder verfügten über leistungsfähige Verteidigungsindustrien, die sich bei der Herstellung moderner Waffensysteme, Komponenten und komplexer Munition künftig stärker ergänzen sollten, hieß es aus dem Ministerium. Der hohe Bedarf an Rüstungsgütern erfordere höhere Produktionskapazitäten, kürzere Lieferzeiten und eine verlässliche Versorgung auf beiden Seiten des Atlantiks. Vorgesehen seien zudem eine Stärkung der Lieferketten, eine Überprüfung der Regelungen zum Technologietransfer sowie eine engere Kooperation bei Forschung und Entwicklung.
Pistorius verweist auf bestehende Projekte
Pistorius verwies vor dem Treffen auf die Zusammenarbeit beim Tarnkappenjet F-35 und die geplante Fertigung von Lenkflugkörpern für das Luftverteidigungssystem Patriot in Deutschland. „Doch unser gemeinsames Potenzial reicht weiter“, erklärte der SPD-Politiker. Deutschland verfüge über eine leistungsfähige industrielle Basis und technologische Spitzenkompetenz. Würden Stärken enger zusammengeführt, könnten Systeme für Abschreckung und Verteidigung schneller und in größerer Zahl bereitgestellt werden.
Die Bundesregierung will in den USA zudem Marschflugkörper des Typs Tomahawk kaufen. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara im Juli sei darüber bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt worden.
Veränderter Ton aus Washington
Nach langer Kritik von US-Präsident Donald Trump und seiner Regierung an den europäischen Verteidigungsausgaben hat sich die Tonlage gegenüber Berlin verändert. US-Staatssekretär Elbridge Colby lobte Deutschland im August im Nato-Hauptquartier als Modell für andere Verbündete. Die Entwicklung der vergangenen 18 Monate sei „eine außergewöhnliche tektonische Verschiebung“, sagte Colby laut Verteidigungsministerium.
Pistorius reist von Washington weiter nach New York zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär António Guterres, unter anderem über den Unifil-Einsatz im Libanon. Am Freitag nimmt er in Fort Worth die offizielle Übergabe des ersten von 35 bestellten F-35-Tarnkappenjets durch den Hersteller Lockheed Martin entgegen. Die Maschinen sollen die Tornado-Flotte ablösen und werden auch für die nukleare Teilhabe Deutschlands in der Nato beschafft. (mit dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]