Der Bundesvorstand der AfD geht auf Abstand zu dem parteinahen Streamer „Aktivist Mann“. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, beschloss das Gremium einstimmig, den Mann mit bürgerlichem Namen Matthäus Westfal künftig nur noch dann zu Parteiveranstaltungen zuzulassen, wenn er vorab zusichert, andere Streamer und Journalisten nicht zu belästigen. Werde Westfal ausfällig, müsse er die Veranstaltung sofort verlassen.
Ausgearbeitet hatte den Antrag laut t-online der Jurist Stefan Möller, an der Seite von Björn Höcke Co-Landeschef der AfD Thüringen und seit Anfang Juli auch im Bundesvorstand. Zur Begründung führt Möller in seinem Antrag aus, Westfal verfolge offensichtlich das Geschäftsmodell, im AfD-Umfeld kritisch gesehene Journalisten „durch belästigende Fragen und pöbelhaftes Verhalten zur Schau zu stellen und zum Gegenstand seiner Streams zu machen“.
Dieses Verhalten entspreche „nicht dem angestrebten Verhaltensstandard der AfD“, werde ihr aber mittlerweile zugerechnet. Der Beschluss solle „eine weitere Rufschädigung der AfD durch Herrn Westfal vermeiden“.
„Ich bin aus Ostdeutschland“: Eine Generation findet ihr Selbstbewusstsein
Am schärfsten ging der hessische Landesverband gegen Westfal vor. Die Landeschefs Robert Lambrou und Andreas Lichert nannten sein Auftreten in einem eigenen Antrag laut t-online eine „unterirdische ‚Die Psychiatrie hat heute Ausgang'-Nummer“, die „ein schnelles und dauerhaftes Ende finden“ müsse.
Der Debatte vorausgegangen waren wochenlange aggressive Auftritte des Streamers. Zuletzt hatte Westfal bei der AfD-Wahlfeier nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Spiegel-Journalistin Ann-Katrin Müller minutenlang im Pressebereich bedrängt und ihr Fragen gestellt wie: „Sind Sie Deutsche, fühlen Sie sich deutsch?“ Bereits im Wahlkampf war er wiederholt negativ aufgefallen: Er schubste einen Spiegel-Redakteur vor laufender Kamera, beschimpfte das Magazin als „linksextremes Drecksblatt“ und animierte jugendliche Besucher zu „Lügenpresse“-Sprechchören.
Auch in der Vergangenheit auf Demonstrationen aktiv
Westfal ist kein Unbekannter: Während der Corona-Zeit streamte er von Demonstrationen und war 2020 beim sogenannten Sturm auf die Reichstagstreppe in den ersten Reihen dabei. 2022 wurde er rechtskräftig wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er einen Link zu einem antisemitischen NS-Film gepostet hatte; zudem solidarisierte er sich mit der inzwischen verstorbenen Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Im Wahlkampf von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund tauchte er wenige Wochen vor der Wahl auf und wurde von Siegmund mehrfach ausdrücklich gelobt.
Zwar suchte die AfD Sachsen-Anhalt nach dem ersten Eklat in Merseburg das Gespräch. Landeschef Martin Reichardt nannte Westfal „ein bisschen drüber“. Eine öffentliche Distanzierung blieb aber bislang aus. Erst der Bundesvorstand zog nun eine Grenze.
Seine Verteidigung auf X
Auf den Vorstandsbeschluss reagierte Westfal, der sich selbst als „Gonzojournalist“ bezeichnet, mit einem langen Beitrag auf X, in dem er sich nun als „Satire-Kunstfigur“ beschreibt. Angebrüllt, gerempelt oder belästigt habe er niemanden, schreibt er.
Auf den Beschluss reagierte Westfal, der sich selbst als „Gonzojournalist“ bezeichnet, mit einem langen Post auf X und stellt sich nun als „Satire-Kunstfigur“ dar. Angebrüllt, gerempelt oder belästigt habe er niemanden schreibt er. Den Merseburger Vorfall deutet er um: Nicht er habe zugeschoben, der „Spiegel“-Redakteur sei ihm „mit Hand und Schulter“ hineingelaufen. Und dass seine Auftritte so laut wirkten, liege an seinem „lauten Organ“ und einem Mikrofon nah am Mund.
Auf Anfrage dieser Redaktion, ob sie gegen Westfal Anzeige erstatten wollten, verneinten Spiegel, MDR und Deutsche Welle oder äußerten sich nicht – obwohl der Streamer Mitarbeiter aller drei Häuser belästigt hatte.
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