Die Berliner SPD schlägt vor, den Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude in "Willy-Brandt-Platz" umzubenennen. Es sei an der Zeit, daß auch in der deutschen Hauptstadt über eine Würdigung Brandts durch eine Namensgebung in der Mitte Berlins entschieden werde, sagte der SPD-Vorsitzende, Detlef Dzembritzki.Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hat dem Vorschlag der SPD zugestimmt. "Es ist ein guter Vorschlag", sagte Senatssprecher Michael-Andreas Butz gestern. Damit würde ein großer deutscher Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin geehrt. Nach Abstimmung mit dem Bundestag könne die Umbenennung im Einvernehmen mit dem beteiligten Bezirk und dem Senat erfolgen. Mit Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth seien bisher keine Gespräche geführt worden, sagte Bundestagssprecher Hartwig Bierhoff. Sie wollte sich gestern zu dem Berliner Vorschlag auch nicht äußern.SPD-Fraktionschef Klaus Böger sieht "keinen Anlaß für ein unwürdiges Gezerre". Formal ist der Bezirk Tiergarten zuständig, der offiziell noch informiert werden muß. Bezirksbürgermeister Jörn Jensen (Bündnis 90/Grüne) reagierte gestern "gespalten" auf die SPD-Initiative. Der Platz der Republik sei ein wichtiges Dokument der demokratischen Entwicklung und der Bundestag gehöre nirgendwo besser hin als an einen solchen Platz. Andererseits ergebe es auch Sinn, ihm den Namen Willy Brandts zu geben.Der 1992 gestorbene Friedensnobelpreisträger Willy Brandt habe sich als Regierender Bürgermeister um Berlin und als Bundeskanzler um die deutsche und europäische Einigung verdient gemacht, begründen die Sozialdemokraten ihren Vorstoß. Er sei politische Identifikationsfigur und Hoffnungsträger für mehrere Generationen gewesen. Als Abgeordneter und Regierender Bürgermeister sei er in den 50er und 60er Jahren eng mit den Geschicken der Stadt verbunden gewesen. Die Berliner SPD erinnert auch an den 10. November 1989, als er nach dem Fall der Mauer vom Balkon des Schöneberger Rathauses den Satz ausrief: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört."Zur Würdigung Brandts komme nur ein Platz in Frage, der die deutsche Einheit symbolisiere, sagte Dzembritzki. Die bisher diskutierten Varianten einer Namensgebung könnten "die Vorzüge eines symbolischen Gehalts" wie der Platz der Republik sie darstelle, nicht annähernd bieten. So wollten die Sozialdemokraten den ehemaligen Hindenburgplatz westlich des Brandenburger Tores Brandt widmen oder eine neue Straße im künftigen Regierungsviertel nach ihm benennen.Der Platz der Republik, auf dem der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann 1918 die erste deutsche Republik ausrief, erhielt 1925 seinen heutigen Namen. Vorher hieß er Königsplatz. Diesen Namen gaben ihm 1933 auch die Nationalsozialisten wieder. 1948 wurde er dann erneut zurückbenannt in Platz der Republik.Nach der Berliner Gesetzeslage können Straßen oder Plätze erst nach dem fünften Todestag bedeutender Persönlichkeiten deren Namen bekommen. "Damit bleibt genug Zeit, zu einem Konsens zu kommen", sagte Dzembritzki. Einen Streit wolle die SPD nicht auslösen. +++
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