Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat vor einer wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe auf Deutschland gewarnt. „Cyberkriminalität ist eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit in Deutschland“, sagte der CSU-Politiker bei der Vorstellung des Bundeslagebildes Cybercrime des Bundeskriminalamts (BKA) am Dienstag. Nach den USA und Kanada stehe die Bundesrepublik bei den angegriffenen Staaten an dritter Stelle.
Als führendes Mitglied der Europäischen Union und der Nato stehe Deutschland „im Fokus von vor allem politisch motivierten Cyberangriffen“, sagte Dobrindt. Im Kampf gegen Cyber-Kriminelle sollen die deutschen Sicherheitsbehörden nach seinen Angaben durch ein neues Gesetz gestärkt werden.
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KI senkt die Schwelle für Angreifer
Eine zunehmend größere Rolle spielt nach Einschätzung des Ministers der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Durch KI würden Angriffstechniken ausgefeilter, die Schwelle der Nutzung sinke, sagte Dobrindt. „Das heißt, auch Menschen, die keine technische Vorerfahrung haben, (...) können sich mit künstlicher Intelligenz diese Fähigkeiten sehr schnell aneignen.“
Mit Hilfe von KI könnten Phishing-Webseiten oder -Mails „deutlich effektiver gestaltet werden“, erklärte der Innenminister. Die sprachlichen Fähigkeiten von KI machten es möglich, gleichzeitig in unterschiedlichen Regionen anzugreifen.
BKA: Schwere Delikte aus dem Ausland
„Deutschland gehört über alle Erscheinungsformen des Cybercrime hinweg regelmäßig zu den Top-Angriffszielen in der Welt“, sagte BKA-Vizepräsidentin Martina Link. Die Bedrohungslage sei „insbesondere geprägt durch schwere Cybercrime-Delikte und hier durch Delikte, die aus dem Ausland heraus begangen werden, aber eben Schäden in Deutschland verursachen“.
Im Jahr 2025 registrierten die deutschen Sicherheitsbehörden laut Lagebild rund 334.000 Fälle von Cyberangriffen. Zwei Drittel der Taten (207.888) wurden aus dem Ausland oder von unbekannten Tatorten aus begangen. Das geschätzte Schadensvolumen für die deutsche Wirtschaft beträgt nach BKA-Angaben 202,4 Milliarden Euro – rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Ransomware und DDoS-Angriffe nehmen zu
Eine besondere Bedrohung für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen stellen sogenannte Ransomware-Angriffe dar, bei denen Angreifer die Systeme ihrer Opfer blockieren und Lösegeld verlangen. Im vergangenen Jahr wurden den Behörden 1.041 derartige Attacken angezeigt – ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittlichen Lösegeldzahlungen stiegen auf rund 388.000 Euro. Gleichzeitig zahlen immer weniger Betroffene Lösegeld.
Deutlich zugenommen haben auch Überlastungsangriffe (DDoS-Attacken). Ihre Zahl stieg 2025 um 25 Prozent auf 36.706 Fälle. Eine zentrale Rolle spielte dabei nach BKA-Angaben die pro-russische Hackergruppe „NoName057(16)“, die insbesondere im Zusammenhang mit der Unterstützung Deutschlands für die Ukraine Angriffe auf deutsche Einrichtungen ausführte. (mit AFP)
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