Die Wiedereröffnung der Dresdner Synagoge ist vollzogen: Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit kehrt die Jüdische Gemeinde zu Dresden in ihr Gotteshaus und das dazugehörige Gemeindezentrum zurück. Am Abend des 14. September 2026 beging sie diesen Schritt mit einem Synagogenfest. Für alle, die sich für das jüdische Leben in Sachsen interessieren, ist der Tag ein Wendepunkt – nicht nur symbolisch.
Im Zentrum der Arbeiten stand ein Ziel: die Sicherheit deutlich zu erhöhen. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens fasste die Bedeutung so zusammen: „Jüdisches Leben gehört zu Sachsen und muss bei uns frei, sichtbar und vor allem sicher gelebt werden können.“ Was der Umbau umfasst, wer ihn bezahlt und welches Ereignis den Ausschlag gab, zeigt dieser Überblick.
Warum der Umbau nötig wurde
Anstoß für die umfassende sicherheitstechnische Ertüchtigung war der rechtsextreme Anschlag auf die Synagoge im sachsen-anhaltischen Halle im Jahr 2019. Danach bewertete die sächsische Staatsregierung die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen erneut umfassend.
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Januar 2023. Grundlage waren Empfehlungen des Landeskriminalamtes Sachsen. Gleichzeitig mussten die Planer die besondere Architektur des mehrfach ausgezeichneten Baus wahren und erhöhte Vorgaben etwa beim Brand- und Arbeitsschutz erfüllen.
Erschwerend kamen mehrere Faktoren hinzu. Die Corona-Pandemie, stark gestiegene Bau- und Energiekosten sowie – nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 – nochmals verschärfte Schutzanforderungen belasteten das Vorhaben.
Am Montagabend wurde die Wiedereröffnung mit einem Synagogenfest im Bethaus gefeiert.
© Robert Michael/dpa
Was die Sicherung kostet
Der Freistaat Sachsen unterstützte die jüdischen Gemeinden finanziell und fachlich. Für baulich-technische Sicherungsmaßnahmen und personelle Sicherheitsdienstleistungen stellte das Kultusministerium 9,9 Millionen Euro bereit.
Die fachliche Begleitung übernahm das Landeskriminalamt. Es berät die Gemeinden zur Sicherheit und passt seine Empfehlungen an die jeweilige Gefährdungslage an. Hinzu kommen lageabhängige Maßnahmen des polizeilichen Objektschutzes.
Trotz aller Vorkehrungen will die Gemeinde offen bleiben. Wolfram Nagel aus der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Dresden sagte dem MDR, die Synagoge sei umfassend „sicherheitstechnisch ertüchtigt“ worden. Er hoffe, „dass man dort wieder unbeschwert beten und dem Gemeindeleben nachgehen könne“. Ein Saal soll weiterhin öffentlich für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden.
Antisemitismus als wachsendes Problem
Die Rückkehr fällt in eine Zeit steigender Bedrohung. Ekaterina Kulakova, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, betonte die Bedeutung der Unterstützung – „besonders in letzter Zeit, in der der Antisemitismus im alltäglichen Leben, aber auch auf politischer Ebene, so rasant zugenommen hat“.
Zahlen untermauern diesen Eindruck. Die zivilgesellschaftliche Meldestelle RIAS Sachsen dokumentierte für 2024 insgesamt 349 antisemitische Vorfälle – ein Plus von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter waren 40 Gewaltfälle.
Ein Fest mit doppeltem Anlass
Das Synagogenfest markiert mehr als den Wiedereinzug. Am selben Tag gedenkt der Landesverband seiner staatlichen Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts vor 100 Jahren.
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Das Programm am Abend war hochkarätig besetzt. Neben Grußworten von Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Mark Dainow, trat die Neue Jüdische Kammerphilharmonie auf. Zwei Ausstellungseröffnungen begleiteten den Festakt. In der Synagoge ist die Gemäldereihe Alef-Bet rund um die Buchstaben des hebräischen Alphabets von Liselotte Theil-Hurshell zu sehen, während im Gemeindezentrum die Dresdner KIW-Gesellschaft in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung eine Schau anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Landesverbands präsentiert.
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