Estlands Bildungsministerin Kristina Kallas schaut fasziniert auf eine Wand voller Waschbecken und Toilettenspülbecken. Was in der allgemeinbildenden Schule die Tafel ist, ist für die Berufsschüler im Fach Anlagentechnik diese Wand im Berufsschulzentrum (BSZ) Technik in Dresden.
Theorie und Praxis bei der Berufsausbildung gehen Hand in Hand – für Estland ein Novum. Die estnische Bildungsministerin besucht Sachsen diese Woche auf Einladung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Kultus- und Bildungsminister Conrad Clemens (CDU).
Sachsen will im Gegenzug von der Vorreiterrolle des kleinen Staates im Baltikum (1,36 Millionen Einwohner) in Sachen Digitalisierung lernen.
Trotz Pisa Praxis nicht vergessen
Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte die Ministerin: „Mein Hauptinteresse liegt in der dualen Berufsausbildung. Deutschland ist für seine Stärke auf diesem Gebiet bekannt. Estland ist stark bei der allgemeinen Schulbildung. Aber bei der Berufsausbildung haben wir Nachholbedarf. Das wollte ich mir hier in Sachsen vor Ort anschauen.“
Kallas und Clemens besuchten unter anderem das BSZ für Technik in Dresden, an dem 1800 Lehrlinge in den Ausbildungsrichtungen Fahrzeug- beziehungsweise Fertigungstechnik sowie Anlagenmechanik ausgebildet werden.
Digitaltafeln gibt es noch nicht in jedem Klassenraum an sächsischen Schulen (Symbolfoto).
© Rainer Weisflog/imago
Estland hat die besten Pisa-Ergebnisse Europas. Es führt in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und computergestützte Problemlösung, wo Deutschland in der letzten Pisa-Studie historische Tiefstände verzeichnete. Doch Digitalisierung ist nicht alles.
Kallas zeigte sich „beeindruckt“ vom Zusammenspiel der Betriebe und Berufsschulen bei der Lehrlingsausbildung. „Das müssen wir ebenso aufbauen, auch wenn unsere Betriebe kleiner sind und es für sie eine größere Herausforderung wird. Es ist der Weg in die Zukunft.“
Erfolgsrezept: Hoher Anspruch
Sachsens Bildungsminister Conrad Clemens, nach dem Stand der Digitalisierung an hiesigen Schulen befragt, antwortet der Ostdeutschen Allgemeinen: „Wir haben in fast allen Schulen mittlerweile digitale Tafeln, Tablets, Laptops – aber nicht in allen Klassenzimmern. Und wir fangen im Januar mit dem Digitalpakt 2.0 an und können dann weiter in digitale Geräte investieren.“
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Clemens nehme aus dem Arbeitsbesuch der estnischen Ministerin mit, dass trotz digitaler Hilfsmittel das Lernniveau in den Schulen hoch bleiben müsse. „Wir sehen in vielen europäischen Ländern, dass es weniger Arbeiten, weniger Tests, weniger Klausuren gibt. Ein Erfolgsfaktor Estlands ist, dass man trotzdem sagt: Wir trauen den Kindern weiterhin ein hohes Level zu“, so Clemens. „Die entscheidende Erfolgsgeschichte Estlands ist die eines hohen Anspruchs.“
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