Dienstagabend, 20 Uhr, dann ging nichts mehr. Das Transferfenster ist zu und Dynamo Dresden hat es bis zur letzten Minute genutzt. Drei Bewegungen gab es am Deadline Day: ein prominenter Abgang und zwei weitere Neuzugänge im Gegenzug. Das macht am Ende 14 externe Neuzugänge in diesem Sommer für die Schwarz-Gelben.
Fünfzehn Jahre, dann ist Schluss
Jonas Oehmichen verließ den Verein nach über 15 Jahren. Der 22-Jährige war als Sechsjähriger in die Nachwuchsakademie gekommen, hatte seit 2010 alle Jugendteams durchlaufen und kam für die Profis auf 69 Pflichtspiele mit drei Toren und sieben Vorlagen. Ein Abschied, der für Wehmut im Dynamoland sorgt. Selbst Trainer Thomas Stamm zeigte sich nachdenklich: „Grundsätzlich tut es immer weh, wenn du eine gewisse Zeit mit einem Spieler gearbeitet hast. Bei Oehmi ist der Weg zurück nicht ausgeschlossen.“
Nach seiner erfolgreichen Leihe in der Rückrunde bei Alemannia Aachen wollte Oehmichen mehr Spielzeit. In den ersten vier Pflichtspielen kam er lediglich 48 Minuten zum Einsatz. Zu wenig für Oehmichen. Robert Wagner und Niklas Hauptmann standen ihm auf seiner Position im Weg, an beiden kam er derzeit nicht vorbei. Also der Abschied nach Aachen. Über die Ablösesumme vereinbarten beide Vereine Stillschweigen, kolportiert werden rund 500.000 Euro.
Zwei Neue zum Transferfinale
Für die freigewordene Position kam am selben Abend Patrice Čović, leihweise von Werder Bremen. Der 19-Jährige ist Sohn von Hertha-Legende Ante Čović, wuchs in Berlin auf und durchlief dort die Hertha-Jugend, bevor er zu Werder wechselte. Bei den Bremern kam er auf 16 Bundesligaeinsätze und ein Tor. Werder-Trainer Daniel Thioune sagte: „Patrice hat seine Spielminuten nicht so gesehen oder hat mehr erwartet. Die Zugeständnisse konnten wir ihm einfach nicht machen. Ich glaube trotzdem, dass er seinen Weg gehen kann und wird.“ Čović selbst: „Ich blicke mit großer Vorfreude darauf, die Mannschaft und die Menschen in der Stadt kennenzulernen. Der Spielstil des Trainers passt sehr gut zu mir.“
Patrice Covic verstärkt das Dynamo-Mittelfeld für eine Saison.
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Auch die Baustelle auf Rechtsaußen hatte Sportgeschäftsführer Sören Gonther bis zum Schluss offengehalten. „Da würden wir noch was machen. Aber nur, wenn es uns besser macht und wenn es ins finanzielle Korsett und ins Mannschaftsgefüge passt“, sagte er noch kurz vor dem Deadline Day. Wenige Tage später stand die Lösung fest: Kennedy Okpala kommt per Leihe vom Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn, wohin er im Winter mit der Empfehlung von 16 Toren und sieben Vorlagen aus der 3. Liga gewechselt war und am Saisonende aufstieg. Dynamo war früh dran, sagt Okpala selbst: „Dresden war einer der ersten Vereine, wenn nicht sogar der erste Verein, der sein Interesse mitgeteilt hat.“
Kurios dabei: Am 10. Mai 2025 hatte Okpala im Trikot von Waldhof Mannheim das 1:0 gegen Dynamo erzielt, an jenem Tag, an dem die SGD trotzdem den Aufstieg perfekt machte. Den Ausschlag für den Transfer gab das Tor aber nicht, stellt Stamm klar: „Es ist nicht so, dass ich damals gesagt habe: Das ist aber super spannend, weil er dieses Tor schießt. Der Junge hat Qualität, ein spannendes Profil und gibt uns einfach etwas, das wir vielleicht noch nicht hatten.“ Mit Alexander Rossipal trifft Okpala nun auf einen alten Bekannten aus gemeinsamen Mannheimer Zeiten.
Kennedy Okpala jubelt nach seinem Tor zum 1:0 für SV Waldhof Mannheim gegen Dynamo Dresden.
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14 Neue, fünf schon gesetzt
Zwölf externe Neuzugänge hatte Gonther bereits vor dem Deadline Day präsentiert, mit Čović und Okpala sind es 14. Ben Bobzien, Thomas Keller, Robert Wagner und Jonas Sterner, allesamt zuvor ausgeliehen und jetzt fest verpflichtet, haben sich als Stammkräfte etabliert. Auch Nicolai Rapp, im Sommer vom Karlsruher SC gekommen, ist längst gesetzt. Kaan Inanoglu hat sich seine Pflichtspielminuten bereits erarbeitet. Gonther: „Ich bin extrem happy mit der Gruppe und mit dem Sommer.“
Vier Torhüter, ein Comeback
Vier Torhüter kämpfen aktuell um die Nummer eins bei Dynamo, eine im Sommer eigentlich nicht geplante Konstellation. Der Grund liegt in der Verletzungshistorie der Vorsaison: Erst riss sich Tim Schreiber die Hand, dann Lennart Grill die Patellasehne, später erwischte es auch Elias Bethke mit einer Bauchmuskelverletzung. Grill feierte nun nach fast neun Monaten Pause sein Comeback für die zweite Mannschaft beim 5:1 in der Oberliga gegen Rudolstadt. „Nach neun Monaten das erste Spiel, es hat unheimlich Spaß gemacht mit den Jungs. Und dann haben wir auch noch die Punkte eingefahren. Perfekt“, sagte er danach.
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Warum in dieser Lage kein Torhüter verkauft wurde, begründete Stamm so: „Es wäre maximal fahrlässig gewesen, wenn uns ein Torhüter vor vier oder sechs Wochen verlassen hätte und der Entwicklungsprozess von Elias oder Lennart dann nicht so wäre, wie er sein sollte.“ Grill soll sich nun über weitere Reservespiele Fitness und Spielpraxis erarbeiten, um in den Konkurrenzkampf um die Nummer eins zurückzukehren. Im Winter kommt die Torhüterposition auf Wiedervorlage.
Jetzt liegt es bei Stamm
Jetzt ist das Transferfenster geschlossen, und Stamm kann sich voll auf die Mannschaft konzentrieren. Hauptbaustelle in der vergangenen Woche waren die Standardsituationen. Nach der Niederlage in Heidenheim, bei der drei von fünf Gegentoren aus ruhenden Bällen fielen, fand Stamm deutliche Worte: „Bei Standardsituationen waren wir nicht zweitligatauglich. Da müssen wir Schritte gehen.“ Bei der 1:2-Niederlage gegen den VfL Bochum klappte das schon besser – diesmal fielen die Gegentore aber nach Fehlern im Aufbauspiel. Aber auch daran kann Stamm nun in Ruhe arbeiten. Frei nach Adi Preißler: „Entscheidend is‘ auf'm Platz.“
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