Ich lese keine Tageszeitung mehr. Dieses Prinzip habe ich für mich aufgeweicht, als die Ostdeutsche Allgemeine erschien. Ich bin glücklicher Abonnent und auch sicher, dass ich, als ein solcher, einer Registrierung der Obrigkeit unterliege. Die Ostdeutsche Allgemeine gibt mir die Gelegenheit, schon früh am Morgen Zustimmung und Begeisterung zu finden, aber auch die halbleere Flasche Rotwein an die Wand zu werfen. Ein kleiner Artikel in der aktuellen Printausgabe, Seite 3, „Geschichte der DDR“, hat mich empört und mir die Frage gestellt: Wie doof kann man sein?
Jetzt wird in Leipzig im 37. Jahr nach der friedlichen Revolution ein Lehrstuhl „Geschichte der DDR“ eingerichtet. Wunderbar! Nicht wunderbar ist der Umstand, dass diese Aktion von Menschen, die nicht mit uns im Osten groß geworden sind – ich unterstelle, dass sie trotzdem klug sind –, die Aufgabe erhalten, diesen Lehrstuhl einzurichten. Wer soll diesen beiden Herrschaften und den künftigen Lehrstuhlinhabern sagen, was und wie die DDR war? Wer soll ihnen erklären, dass die DDR nicht am 7. Oktober 1949 entstanden ist, sondern dass die DDR eine Festlegung aus den Entscheidungen von Teheran, Jalta und Potsdam war?
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Wer soll den Herrschaften erklären, warum die Geschichte der DDR die Ossis so stark, so widerstandsfähig und so unberechenbar für den Westen gemacht hat? Diese Erkenntnisse sind aber wichtig für die Entwicklung der Deutschen Einheit, was immer mein Lebensziel war.
Damit mein Argwohn verstanden wird, möchte ich mit einem Bild reagieren: Stellen Sie sich vor, in München wird ein Lehrstuhl für bayrische Monokultur entwickelt und die Aufgabe hierzu wird dem schrägen Autor dieser Zeilen, seinem noch schrägerem Mandanten Uwe Steimle oder Herrn Prof. Oschmann übertragen. Auch ein vergleichbarer wissenschaftlicher Ruf für schwäbische Geschichte und Kultur müsste logisch und konsequenterweise an uns vorübergehen.
Uni Leipzig gründet Zentrum für DDR-Geschichte – vorerst mit zwei Westdeutschen an der Spitze
An der Universität Leipzig habe ich Denken gelernt und mich wissenschaftlich entwickelt - lachen Sie nicht darüber - und ich bin glücklich, dass meine Universität die Idee zu diesem Lehrstuhl hat. Ich bin zu aggressiv und zu faul, zu sehr Rechtsanwalt und sitze zu häufig im Busch und warte auf die Sauen. Aber es gibt viele kluge und verdienstvolle Menschen, die aus dieser Idee vernünftiges entwickeln können.
Eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR und mit den Menschen aus diesem Land wird die zunehmende deutsch-deutsche Spaltung überwinden helfen.
Als ehemaliger Student, erfolgreicher Promovend, mit dem Versuch einer Habilitation zum sozialistischen Bodenrecht bin ich stolz auf meine Universität.
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