Justiz

Tausende trotz Fußfessel nicht überwacht – Großbritannien baut System dennoch aus

Bis zu 5450 Menschen werden in England und Wales offenbar trotz entsprechender Auflage nicht elektronisch überwacht. Dennoch will die Regierung das Fußfessel-System ab September ausweiten.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Das Gefängnis Wandsworth in London. Die britische Regierung will die elektronische Überwachung ausweiten, um überfüllte Haftanstalten zu entlasten.

Das Gefängnis Wandsworth in London. Die britische Regierung will die elektronische Überwachung ausweiten, um überfüllte Haftanstalten zu entlasten.

© Alex Day/imago

Der britische Rechnungshof NAO hat vor einer Ausweitung der Anwendung der elektronischen Fußfessel in England und Wales gewarnt. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht heißt es, das System arbeite nicht zuverlässig und gefährde die öffentliche Sicherheit. Um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten, will die Regierung in London die sogenannte elektronische Überwachung noch ausbauen.

Lücken bei Überwachung und Personal

Nach Angaben des NAO tragen inzwischen rund 29.000 Menschen eine Fußfessel, mehr als doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Ab September 2026 soll die Zahl im Rahmen einer Strafrechtsreform weiter steigen. Die zuständige Gefängnis- und Bewährungsbehörde HMPPS prüfe derzeit rund 8900 Fälle, um zu klären, wie viele der mit einer solchen Auflage belegten Personen tatsächlich nicht überwacht würden, so der Bericht. Das Justizministerium beziffert die Zahl der unüberwachten Fälle auf etwa 5450.

Schottland und Nordirland werden im Bericht nicht berücksichtigt, weil Strafvollzug und elektronische Überwachung dort eigenständig organisiert sind.

Kritik übt der Rechnungshof auch am externen Dienstleister Serco. Zwischen August 2024 und Juli 2025 seien Fußfesseln zu spät angelegt und Verstöße nicht rechtzeitig gemeldet worden. Im Oktober 2024 habe der Rückstand bei Terminen zum Anlegen, Prüfen oder Entfernen der Geräte einen Höchststand von 7000 Fällen erreicht. Zudem fehlten der Bewährungshilfe rund 2200 Mitarbeiter.

Regierung verweist auf Investitionen

NAO-Chef Gareth Davies erklärte, das Justizministerium müsse die festgestellten Schwächen erst beheben, bevor das System weiter ausgebaut werde. Pia Sinha vom Prison Reform Trust, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, die sich für Reformen des Gefängnissystems einsetzt, warnte, die elektronische Überwachung dürfe nicht als Allheilmittel gegen die Überbelegung gesehen werden.

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Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte gegenüber dem Guardian, die Regierung habe ein marodes System übernommen. Die Zahl der angelegten Fußfesseln sei seit 2024 um fast 50 Prozent gestiegen. In die elektronische Überwachung würden 100 Millionen Pfund investiert, in die Bewährungshilfe weitere 700 Millionen Pfund.

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