Der Energiehunger der Techindustrie verändert den amerikanischen Gasmarkt. Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX sucht derzeit einen Erdgashändler, der gleich ein ganzes Trading-Team aufbauen soll. Die Aufgabe geht weit über den gewöhnlichen Einkauf von Erdgas hinaus: SpaceX will physisches und finanzielles Erdgas handeln, Preisunterschiede zwischen Handelsplätzen, Pipelines und Speichern nutzen und eigene Handelspositionen verwalten. Das geht aus einer aktuellen Stellenausschreibung des Unternehmens hervor.
Dahinter steckt ein größerer Trend. Der rapide Ausbau von KI und Rechenzentren lässt den Strombedarf in den USA so schnell steigen, dass Techunternehmen und Rechenzentrumsentwickler nicht mehr allein auf klassische Energieversorger und das öffentliche Stromnetz setzen. Sie sichern sich eigene Kraftwerke, Gaslieferungen und teilweise sogar Förderrechte. Erdgas wird damit zu einem wichtigen Treibstoff des KI-Booms.
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Elon Musks xAI setzt bereits auf Dutzende Gasturbinen
Bei Musk lässt sich diese Entwicklung besonders deutlich beobachten. SpaceX plant neben dem Aufbau des Gashandels auch eigene Gasinfrastruktur. Für den texanischen Raketenstandort Starbase entsteht eine rund acht Meilen lange Pipeline, die Erdgas direkt zum Gelände bringen soll. Das Unternehmen hat zudem mehr als 100 Öl- und Gas-Leasingverträge in Texas abgeschlossen und prüft nach Reuters-Informationen auch eine eigene Gasförderung und -verarbeitung.
Noch unmittelbarer zeigt sich der neue Energiehunger bei Musks KI-Unternehmen xAI. Für das Rechenzentrum Colossus 2 in Memphis, Tennessee, hat das Unternehmen nach einer Reuters-Recherche 59 Gasturbinen installiert. Ein Großteil der Anlagen steht in Mississippi und erzeugt Strom unabhängig vom öffentlichen Netz.
Das KI-Rechenzentrum Colossus 2 von Elon Musks Firma xAI benötigt eine Leistung im Bereich von einem Gigawatt bzw. Spitzenwerten bis zu zwei Gigawatt in Ausbaustufen.
© PaulYacoubian
Musk ist damit keineswegs allein. Immer mehr Betreiber von Rechenzentren versuchen, ihre Stromversorgung zumindest teilweise selbst aufzubauen, anstatt jahrelang auf neue Netzanschlüsse zu warten.
Eine Analyse des Energiedatendienstes Cleanview identifizierte Anfang des Jahres 46 geplante US-Rechenzentren mit eigener Stromerzeugung. Zusammen kamen sie auf eine geplante Leistung von 56 Gigawatt, oder rund 30 Prozent der damals erfassten geplanten Rechenzentrumskapazität in den Vereinigten Staaten. Rund 90 Prozent dieser Projekte waren erst 2025 angekündigt worden.
Dabei spielt Gas eine zentrale Rolle. Nach der Cleanview-Auswertung entfielen fast drei Viertel der für diese Standorte geplanten Anlagen zur eigenen Stromerzeugung auf Erdgas. Noch gut ein Jahr zuvor hätten Rechenzentrumsentwickler fast vollständig darauf gesetzt, ihren Strom aus dem öffentlichen Netz zu beziehen.
KI-Firma kauft Grundstück gleich mit Gasrechten
Wie weit die Entwicklung inzwischen geht, zeigt ein aktueller Fall aus Pennsylvania. Das KI-Infrastrukturunternehmen Alpha Compute vereinbarte im August den Kauf eines Grundstücks samt Erdgasrechten für 55 Millionen Dollar.
Dort soll zunächst ein Rechenzentrum mit 200 Megawatt Leistung entstehen, das mit eigenem Gasstrom versorgt wird. Später könnte der Standort auf ein Gigawatt wachsen. Zum Geschäft gehören Gasrechte für rund 1800 Acres im Marcellus-Schiefergasgebiet. Reuters ordnet den Schritt in einen größeren Trend ein: Rechenzentrumsentwickler sichern ihre Energiequellen zunehmend selbst, statt auf Anschlüsse an das Stromnetz zu warten.
Auch die großen Techkonzerne treiben neue Gaskraftwerke indirekt voran. Der US-Versorger Entergy will im Zusammenhang mit Metas gigantischem Rechenzentrum in Louisiana sieben neue Gaskraftwerke mit zusammen mehr als 5,2 Gigawatt Leistung errichten. Meta baut den Standort auf eine Rechenleistung von fünf Gigawatt aus und will insgesamt mehr als 50 Milliarden Dollar investieren.
Meta wird damit zwar nicht selbst zum Gasproduzenten. Doch die Dimension zeigt, wie weit sich das Verhältnis zwischen Tech- und Energiewirtschaft verschiebt: Der Strombedarf einzelner KI-Projekte ist inzwischen groß genug, um den Bau mehrerer neuer Kraftwerke auszulösen.
Gasprojekte für Rechenzentren verdoppeln sich beinahe
Und das Tempo nimmt weiter zu. Nach einer erst in dieser Woche veröffentlichten Analyse von Global Energy Monitor hat sich die geplante US-Gaskraftwerkskapazität, die unmittelbar mit Rechenzentren verbunden ist, innerhalb eines halben Jahres nahezu verdoppelt. Inzwischen befinden sich demnach Projekte mit zusammen 189 Gigawatt in verschiedenen Planungs- und Bauphasen.
Insgesamt sind in den USA mittlerweile 378 Gigawatt neue Gaskraftwerkskapazität in Entwicklung. Allerdings dürfte längst nicht jedes angekündigte Projekt tatsächlich gebaut werden. Historisch erreicht nur ein Teil solcher Vorhaben die Umsetzung.
Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht dennoch einen klaren strukturellen Trend. Schon heute ist Erdgas mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent die wichtigste Stromquelle für Rechenzentren in den USA. Bis 2030 könnte die Gasstromerzeugung für amerikanische Rechenzentren um mehr als 130 Terawattstunden pro Jahr steigen.
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LNG: Auch Deutschland plant Gasstrom direkt für Rechenzentren
Auch in Deutschland gibt es erste Projekte, die in diese Richtung gehen. In Wilhelmshaven plant Jade Energy ein Gaskraftwerk mit bis zu 900 Megawatt Leistung, das unter anderem ein Rechenzentrum direkt mit Strom versorgen soll. Dafür sind private Leitungen auf dem Gelände vorgesehen: Der Strom müsste damit nicht erst durch das öffentliche Netz zum Rechenzentrum transportiert werden. Das Kraftwerk soll zugleich das dortige LNG- und CO₂-Terminal sowie künftige Wasserstoffanlagen versorgen und zusätzlich an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden.
Das Kraftwerk soll zunächst Erdgas nutzen, später aber auf synthetisches Methan oder Wasserstoff umgestellt werden. Zudem soll das entstehende CO₂ abgeschieden und über das geplante Terminal weitertransportiert werden. Anders als bei Musk tritt der Rechenzentrumsbetreiber dabei allerdings nicht selbst als Gasakteur auf. Trotzdem zeigt Wilhelmshaven: Auch in Deutschland wird die direkte Verbindung von Rechenzentren und eigener Stromerzeugung bereits geplant.
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