Handel

EU reagiert auf US-Zölle: Von der Leyen will Freihandel für Industriegüter einführen

Wie könnte die EU Donald Trump in Sachen Zollpolitik zum Umdenken bewegen? Das diskutieren die Handelsminister heute in Luxemburg. Derweil macht die Kommissionspräsidentin einen Aufschlag.

3 Min
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, spricht während einer Medienkonferenz.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, spricht während einer Medienkonferenz.

© Virginia Mayo/AP

Die Europäische Union will den USA eine Abschaffung gegenseitiger Zölle auf Industriegüter anbieten. Das teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag in Brüssel mit. „Europa ist immer zu einem guten Geschäft bereit“, sagte von der Leyen in einer Pressekonferenz mit Blick auf das Angebot.

Angesichts der massiven Zollerhöhungen durch US-Präsident Donald Trump versucht die EU derzeit eine gemeinsame Antwort zu finden. Am Montag treffen sich dazu auch die Handelsminister der EU-Staaten in Luxemburg. Ziel des Treffens ist es, eine Strategie zu erstellen, mit der Trump zum Einlenken bei den Sonderzöllen bewegt werden könnte.

Auch Maßnahmen gegen Digitalkonzerne sind Thema

Als Antwort auf die von Trump verhängten Zölle liegen in der EU neben Zöllen auch Maßnahmen gegen amerikanische Digitalkonzerne auf dem Tisch. „Auch das muss vorbereitet werden“, sagte der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Montag beim Treffen der EU-Handelsminister in Luxemburg. Solche Schritte gelten im Handelsstreit als letztes Mittel, falls Verhandlungen scheitern. Länder wie Irland mahnten zur Vorsicht.

Über Gegenzölle hinaus könnte die EU theoretisch gegen Dienstleistungen und digitale Angebote der USA vorgehen, etwa in dem sie Patente aussetzt, den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen blockiert oder den Vertrieb bestimmter Produkte verbietet. Diese Möglichkeiten müsse sich die EU-Kommission „genau anschauen“, forderte Habeck.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht am Rande des EU-Handelsministertreffens mit Journalisten.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht am Rande des EU-Handelsministertreffens mit Journalisten.

© Jean-Christophe Verhaegen/AFP

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„Wir dürfen keine Option ausschließen, weder bei Waren noch bei Dienstleistungen“, sagte der französische Handelsminister Laurent Saint Martin in Luxemburg. In der EU seien im Handelsstreit mit Trump „extrem aggressive“ Gegenmaßnahmen möglich.

Nach einer ersten Einschätzung könnten Trumps weitreichende globale Zölle rund 70 Prozent der Exporte der EU in die Vereinigten Staaten betreffen, wie das Nachrichtenportal Politico berichtet. „Insgesamt werden etwa 70 Prozent der EU-Ausfuhren von den Zöllen betroffen sein, was einem Volumen von 380 Milliarden Euro entspricht“, sagte ein hochrangiger Beamter der Europäischen Kommission dem Bericht zufolge. In dieser Zahl seien die von Trump am Mittwoch angekündigten gegenseitigen Zölle in Höhe von 20 Prozent und die im letzten Monat bekannt gegebenen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Autos, Autoteile, Stahl und Aluminium enthalten.

Nach Trumps Zöllen: Internationale Börsen im Abwärtstrend

Für viele Privatanleger begann die Woche mit einem Schock: Die Börsen in Asien verbuchten am Montagmorgen massive Verluste. Nach den negativen Vorgaben der Wall Street stürzte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index an der Leitbörse in Tokio zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent ab. Auch die Börsen in China, Hongkong und Australien zeigten im frühen Handel deutliche Verluste. Der deutsche Aktienindex Dax begann kurz danach am Montagmorgen zu Börsenstart mit einem satten Minus von zehn Prozent.

Trumps Zollpaket hatte die Börsen bereits in der vergangenen Woche weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Dax verbuchte ein Wochenminus von mehr als acht Prozent und damit seinen größten Verlust in einer Handelswoche seit Beginn des Ukrainekrieges im Frühjahr 2022. In New York hatte der Dow mit einem Wochenminus von mehr als acht Prozent die verlustreichste Börsenwoche seit Jahren. (mit dpa/AFP)

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