Energie

EU verbietet Russlands LNG: Jetzt wirbt Moskau in Afrika um Kunden

Die EU kauft bislang 85 Prozent des LNG aus Russlands Yamal-Anlage, verbietet die Importe aber ab Januar. Novatek sucht nun neue Kunden in Afrika.

5 Min
LNG-Verladung an Russlands Yamal-Anlage: Vor dem EU-Importverbot wirbt Moskau um neue Gaskunden in Afrika.

LNG-Verladung an Russlands Yamal-Anlage: Vor dem EU-Importverbot wirbt Moskau um neue Gaskunden in Afrika.

© Novatek

Russland will Afrika als neuen Absatzmarkt für Flüssigerdgas erschließen – knapp zwei Monate vor dem vollständigen EU-Importverbot für russisches LNG. Das berichtet das Nachrichtenportal The Maritime Executive. Demnach prüfen die Energiekonzerne Novatek und Gazprom aktuell gemeinsame Gasprojekte mit afrikanischen Partnern und setzen auf einen steigenden Energiebedarf auf dem Kontinent.

Mit dem Vorstoß in Afrika weitet Russland seine Suche nach Alternativen zum europäischen Markt aus. In China findet Moskau bereits Käufer für LNG aus sanktionierten Anlagen. Diese Lieferungen ermöglichten nach Kpler-Daten ein Exportplus von 14 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres. Nun beziffert Novatek das Marktpotenzial in Afrika auf 20 bis 30 Millionen Tonnen – kurz bevor die EU Russland mit ihrem Importverbot eine wichtige Einnahmequelle nehmen will.

Novatek bietet Afrika Gas und eigene LNG-Technik an

Die Energiepartnerschaft gehörte dem Bericht zufolge zu den zentralen Themen des dritten Russland-Afrika-Gipfels in der vergangenen Woche in Moskau. An der von Präsident Wladimir Putin ausgerichteten Veranstaltung nahmen Vertreter aus 48 afrikanischen Ländern teil, darunter 22 Staatsoberhäupter.

Novateks stellvertretender Vorstandsvorsitzender Sergei Solowjow erklärte, das Unternehmen prüfe verschiedene Gasprojekte auf dem Kontinent und sei an langfristigen Partnerschaften interessiert. Neben Flüssigerdgas bietet der Konzern afrikanischen Partnern auch eigene LNG-Technologie für gemeinsame Vorhaben an.

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Die genannten 20 bis 30 Millionen Tonnen sind Solowjows Schätzung des möglichen Marktes einschließlich bislang ungedeckter Nachfrage. Es handelt sich nicht um bereits vereinbarte russische Lieferungen.

Auch Gazprom prüft gemeinsame Projekte in Afrika. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Witali Markelow nannte mögliche LNG-Lieferungen, den Transport von Kohlenwasserstoffen sowie die Gasspeicherung und die Verarbeitung von Öl und Gas.

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China treibt Russlands LNG-Exporte nach oben

In Asien hat Russland bereits neue Absatzwege aufgebaut. Wie die Berliner Zeitung im Oktober unter Berufung auf den Fachinformationsdienst Energy Intelligence und Kpler-Daten berichtete, exportierte das Land zwischen Januar und September 25,3 Millionen Tonnen LNG. Ohne die zusätzlichen Lieferungen aus den sanktionierten Projekten Arctic LNG 2 und Portovaya nach China wären die Ausfuhren leicht gesunken.

Für Arctic LNG 2 hatten zuvor bereits Daten des Londoner Börsenbetreibers LSEG, die der Berliner Zeitung exklusiv vorlagen, einen kräftigen Zuwachs belegt: Zwischen Januar und Juli 2026 wurden dort rund 1,71 Millionen Tonnen LNG verladen. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 0,21 Millionen Tonnen gewesen. Die Menge hat sich damit mehr als verachtfacht.

Russland erschließt sich diesen Markt allerdings auch über den Preis. Nach einem früheren Bericht der Berliner Zeitung unter Berufung auf S&P Global Energy bot Novatek Ladungen aus Arctic LNG 2 mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent auf asiatische LNG-Referenzpreise an. Mehr verkaufte Tonnen bedeuten deshalb nicht automatisch entsprechend höhere Einnahmen.

LNG-Terminal im chinesischen Tianjin: Chinas Käufe von Gas aus sanktionierten Anlagen ermöglichen Russland ein LNG-Exportplus von 14 Prozent.

LNG-Terminal im chinesischen Tianjin: Chinas Käufe von Gas aus sanktionierten Anlagen ermöglichen Russland ein LNG-Exportplus von 14 Prozent.

© VCG/imago

EU nimmt noch 85 Prozent der Yamal-Lieferungen ab

Das europäische Importverbot für russisches LNG greift vollständig am 1. Januar 2027. Für Pipelinegas gelten andere Übergangsfristen; dessen vollständiger Importstopp folgt im Herbst 2027. Mit dem Ausstieg will die EU ihre Abhängigkeit von Russland beenden und dessen Einnahmen aus Energieexporten verringern.

Bislang bleibt Europa für das russische LNG-Geschäft jedoch ein wichtiger Markt. Nach einer Kpler-Auswertung der Umweltorganisation Urgewald, über die die Berliner Zeitung im Oktober berichtete, gelangten von Januar bis September 12,18 Millionen Tonnen aus der arktischen Yamal-Anlage in EU-Häfen. Das waren 9,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

85 Prozent der erfassten Yamal-Liefermenge gingen damit an die EU. Während die europäischen Abnehmer mehr bezogen, sanken die weltweiten Lieferungen des Projekts um 1,3 Prozent. Den Wert der EU-Lieferungen schätzt Urgewald anhand von Mengen und europäischen Marktpreisen auf rund 7,9 Milliarden Euro. Die tatsächlichen Vertragspreise sind nicht öffentlich.

Kann Russland die bislang nach Europa gelieferten Mengen künftig andernorts verkaufen, würde das den wirtschaftlichen Druck des EU-Verbots mindern. Bei den US-sanktionierten Anlagen Arctic LNG 2 und Portovaya ermöglicht China bereits zusätzliche Exporte. Ob Russland auch für die Yamal-Mengen genügend andere Käufer findet, ist dagegen offen.

Für Afrika fehlen noch LNG-Terminals und Lieferwege

Für ein größeres Afrika-Geschäft muss Russland weitere Voraussetzungen schaffen. Solowjow räumt selbst ein, dass für den erwarteten Bedarf bislang kaum Verträge und Terminals vorhanden sind. Als größte Schwierigkeit nennt er die Versorgung von Binnenstaaten: Fast ein Drittel der afrikanischen Länder habe keinen eigenen Zugang zum Meer und sei auf Häfen und Infrastruktur der Nachbarn angewiesen.

Länder wie Südsudan, Tschad und Malawi gehörten zu den Staaten mit dem geringsten Zugang zu Elektrizität. Nach Einschätzung des Novatek-Managers mangelt es dort nicht an Nachfrage, sondern an geeigneten Transportwegen. Jeder zusätzliche Umschlag kostet Zeit und Geld und erhöht die Risiken.

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