Der Kreml sieht derzeit keine Möglichkeit, russische Gaslieferungen durch die Ukraine nach Europa wieder aufzunehmen. Die Lage „vor Ort“ zeige „mehr als deutlich“, dass entsprechende Pläne momentan nicht umgesetzt werden könnten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Für die Zukunft schloss Peskow einen Neustart jedoch ausdrücklich nicht aus. Dieser werde vom Willen der Käufer und Verkäufer sowie von den Möglichkeiten der Lieferanten abhängen, erklärte er. Der europäische Gasmarkt sei weiterhin ein „Premium-Markt“. Die weltweiten Wachstumszentren lägen inzwischen jedoch vor allem im globalen Süden.
Peskow reagierte auf einen Bericht des Wall Street Journal. Demnach drängen die USA darauf, russisches Erdgas möglichst schnell wieder durch ukrainische Pipelines nach Europa zu transportieren. Washington betrachtet die Lieferungen als möglichen Bestandteil einer begrenzten Energiewaffenruhe zwischen Russland und der Ukraine.
US-Unternehmen soll russisches Gas vermitteln
Nach dem diskutierten Modell würde ein amerikanisches Unternehmen als Zwischenhändler auftreten. Die russischen Erlöse könnten auf ein Treuhandkonto in einem Drittstaat fließen, damit Moskau sie während des Krieges nicht frei verwenden kann. Die Ukraine soll im Gegenzug Transitgebühren erhalten.
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MehrDer Vorschlag wurde nach Angaben des Wall Street Journal von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und dessen Schwiegersohn Jared Kushner bei Gesprächen in Moskau und Kiew vorgebracht. Noch vor dem Winter sollen dadurch zusätzliche Mengen auf den europäischen Gasmarkt gelangen.
Die praktische Umsetzung hängt jedoch von mehreren Parteien ab. Russland müsste der Konstruktion zustimmen, die Ukraine ihre Leitungen wieder für russisches Gas öffnen und die EU den Import rechtlich zulassen.
Ukraine beendete den russischen Gastransit
Kiew hatte den Transit zum Jahreswechsel 2024/2025 eingestellt. Der fünfjährige Vertrag zwischen dem ukrainischen Netzbetreiber und Gazprom lief Ende Dezember 2024 aus; die Ukraine lehnte eine Verlängerung ab. Präsident Wolodymyr Selenskyj begründete den Schritt damit, Russland keine weiteren Einnahmen zur Finanzierung des Krieges verschaffen zu wollen.
Auch den nun diskutierten amerikanischen Energieplan betrachten ukrainische Verhandler kritisch. Nach einem Bericht von Le Monde wiesen sie bereits einen Vorschlag zurück, russisches Öl und Gas wieder durch die Ukraine nach Europa zu transportieren. Zwar würde Kiew daran Transitgebühren verdienen, ukrainische Vertreter befürchten jedoch eine neue wirtschaftliche Abhängigkeit von Moskau.
Eine aktuelle öffentliche Reaktion der ukrainischen Regierung auf Peskows Aussage liegt bislang nicht vor.
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EU-Kommission bleibt bei ihrem Gasverbot
Auch Brüssel stellt sich bislang gegen eine Rückkehr zu russischem Gas. Auf die Frage der Berliner Zeitung, ob ein amerikanischer Zwischenhändler und ein Treuhandkonto mit dem EU-Verbot vereinbar wären, ging die EU-Kommission nicht ein.
Zum konkreten Bericht des Wall Street Journal wolle sich die Kommission vorerst nicht äußern, teilte Energie-Sprecherin Anna-Kaisa Itkonen mit. Der politische Kurs sei eindeutig: Bis Ende 2027 solle sämtliches russisches Gas entsprechend der geltenden Rechtslage vom europäischen Markt verschwinden.
Ein amerikanischer Vermittler würde die russische Herkunft des Gases nicht automatisch ändern. Nach den EU-Regeln müssen Importeure Herkunft und Vertragsgrundlage der Lieferungen nachweisen. Washington kann den Gastransit daher weder ohne Kiew noch ohne eine rechtliche Einigung mit der Europäischen Union wieder in Gang setzen.
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