Der als Referenz für die Großhandelspreise geltende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden hat Reuters zufolge am Mittwoch die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde überschritten. Laut Bloomberg erreichte er damit den höchsten Stand seit Dezember 2022.
Iran-Krieg belastet die Gasversorgung
Als Hintergrund für den Preisanstieg nennen Reuters und Bloomberg die Folgen des Kriegs im Nahen Osten, niedrige Lagerbestände und den Beginn der Heizperiode. Der Konflikt beeinträchtigt die Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG). Betroffen sind unter anderem Lieferungen aus Katar. Zugleich konkurriert Europa mit asiatischen Abnehmern um verfügbare LNG-Lieferungen.
Die europäischen Gasspeicher sind für die Jahreszeit vergleichsweise wenig gefüllt. Nach Angaben von Euronews waren sie am 21. Oktober zu rund 75 Prozent gefüllt. Das liege unter dem üblichen Zielwert von 90 Prozent zum 1. November. Auch Reuters berichtet von einem Füllstand von knapp 75 Prozent. In Deutschland liegt er demnach bei nur rund 60 Prozent.
EU warnt vor neuer Energiekrise
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen warnte am Mittwoch vor den Folgen der angespannten Lage. „Europa steht aufgrund geopolitischer Turbulenzen erneut vor einer Energiekrise“, sagte er laut Bloomberg nach einem Gespräch mit europäischen Raffineriebetreibern. „Das belastet unsere Unternehmen und unsere Haushalte.“
Der Preisanstieg trifft Unternehmen und Verbraucher. Besonders energieintensive Branchen wie die Chemie-, Düngemittel- und Stahlindustrie sind auf Erdgas angewiesen. Reuters zufolge haben einige Unternehmen ihre Produktion bereits reduziert. Hohe Gaspreise beeinflussen laut dem Bericht auch die Stromkosten für Verbraucher und Industrie.
Für private Haushalte dürfte sich ein großer Teil der Mehrkosten erst 2027 in den Gasrechnungen niederschlagen, da sich Änderungen der Großhandelspreise laut Reuters verzögert auf viele Endkundentarife auswirken. Die Gastarife für Neukunden in Deutschland sind bereits im laufenden Jahr um 55 Prozent gestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur.
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Bloomberg zufolge haben sich die Gaspreise seit Beginn des Iran-Kriegs mehr als verdreifacht. Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Gaspreise jedoch weiterhin deutlich unter den Höchstständen der vergangenen Energiekrise. Im August 2022 erreichte der europäische Referenzpreis rund 340 Euro pro Megawattstunde, wie Reuters und Euronews berichten.
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