Umfrage

Exklusiv: „Vertrauen der Thüringer verloren“ – Mehrheit will Rücktritt von Voigt

Eine exklusive INSA-Umfrage zeigt: Deutlich mehr Thüringer sprechen sich für einen Rücktritt von Mario Voigt aus als für seinen Verbleib im Amt. Sahra Wagenknecht fordert Konsequenzen.

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Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Thüringer Landtag nach dem Austritt von zehn bisherigen BSW-Abgeordneten aus ihrer Partei.

Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Thüringer Landtag nach dem Austritt von zehn bisherigen BSW-Abgeordneten aus ihrer Partei.

© Jacob Schröter/dpa

Eine neue Insa-Umfrage, die das BSW in Auftrag gab und dieser Zeitung exklusiv vorliegt, zeigt: 39 Prozent der Thüringer sprechen sich für einen Rücktritt von Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) aus. Nur 29 Prozent wollen, dass er im Amt bleibt. Damit liegt das Rücktrittslager zehn Prozentpunkte vorn.

Die Umfrage wurde noch vor dem offenen Bruch im Thüringer BSW durchgeführt. Parteigründerin Sahra Wagenknecht sagte dieser Zeitung, eine Koalition, „die in Thüringen nie gewählt wurde und deren Chef das Vertrauen der Thüringer verloren hat“, als „Verantwortung für Thüringen“ zu verkaufen, sei „eine besondere Verhöhnung der Wähler“. „Mario Voigt muss endlich zurücktreten.“ Die Koalition sei am Ende. „Thüringen braucht einen politischen Neuanfang.“

Wolf wirft Wagenknecht „Flirt“ mit AfD vor

Im Thüringer BSW hatte sich der Streit über den Regierungskurs und den Umgang mit der AfD über Wochen zugespitzt. Dabei standen sich vor allem Wagenknecht und Finanzministerin Katja Wolf gegenüber. Wolf verteidigte die Beteiligung an der Regierung und kritisierte zugleich den Umgang der Bundesspitze mit der AfD. Sie wolle Thüringen „jeden Tag ein bisschen besser“ machen und sei nicht für das „Ertragen von Flirts mit Rechtsradikalen“ gewählt worden.

Am Freitag erklärte Wolf gemeinsam mit weiteren Abgeordneten ihren Austritt aus dem BSW. Die bisherige Fraktion will die Regierung dennoch weitertragen. „Wir stehen weiter zur Koalition“, sagte Wolf bei einer Pressekonferenz. Für Mehrheiten war die Regierung bislang auf Enthaltungen der Linken angewiesen.

BSW sagt Sonderparteitag ab

Für Sonntag war ein Sonderparteitag geplant, auf dem die Mitglieder über den weiteren Kurs beraten sollten. Vier Kreisverbände hatten ihn verlangt. Nach dem Austritt von Wolf und weiteren führenden Politikern des BSW wurde der Parteitag abgesagt.

17 Prozent der Befragten sagen, die Frage nach Voigts Zukunft sei ihnen egal. Neun Prozent wissen es nicht, sechs Prozent machen keine Angabe. Für die Umfrage wurden vom 26. August bis zum 2. September 1000 Menschen in Thüringen ab 18 Jahren online befragt.

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