Energie

EZB-Zinsentscheid: Öl und Gas treiben Deutschland in einen neuen Preisschock

Die EZB erhöht schon zum zweiten Mal die Zinsen – doch Öl und Gas werden weiter teurer. Steht Deutschland damit erst am Anfang des neuen Preisschocks?

4 Min
Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde nimmt am 10. September 2026 in Berlin an einer Pressekonferenz teil. Symbolbild.

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde nimmt am 10. September 2026 in Berlin an einer Pressekonferenz teil. Symbolbild.

© IMAGO/Zhang Haofu

Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die Zinsen erneut an. Am Donnerstag hat sie den Einlagensatz um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent erhöht – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Im Zentrum der Entscheidung stehen die stark gestiegenen Energiepreise: Der Iran-Krieg hat Öl und Gas massiv verteuert und die Teuerung zurückgebracht.

Für Deutschland ist der Preisschock längst messbar. Die Verbraucherpreise lagen im August 2,9 Prozent nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes über dem Vorjahresniveau. Energie verteuerte sich binnen eines Jahres um 10,5 Prozent. Kraftstoffe kosteten 27,7 Prozent mehr, leichtes Heizöl sogar fast 50 Prozent. Doch kommt der eigentliche Preisschock für Deutschland erst noch?

Öl über 100 Dollar – Gaspreis erreicht Drei-Jahres-Hoch

Die Preise auf den internationalen Energiemärkten ziehen weiter an. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am Donnerstag zeitweise auf mehr als 105 Dollar – mehr als 30 Prozent über dem Tief von Anfang August. Zugleich erreichten die europäischen Gaspreise laut Reuters den höchsten Stand seit drei Jahren. Hintergrund sind anhaltende Störungen wichtiger Energielieferungen aus der Golfregion.

„Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte über einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag. Die Notenbank sieht die Risiken für die Preisentwicklung weiter nach oben gerichtet.

Auch die neuen EZB-Prognosen rechnen mit länger anhaltendem Preisdruck. Für 2027 hob die Notenbank ihre Inflationserwartung von 2,3 auf 2,5 Prozent an; auch die Kerninflation setzt sie mit 2,6 Prozent höher an als bislang.

EZB hebt Prognose an: Weitere Zinserhöhung schon im Dezember?

Damit könnte auch die Zinserhöhung vom Donnerstag nicht die letzte bleiben. Die Deutsche Bank erwartet bereits im Dezember einen weiteren Schritt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent. Zuvor hatte sie angenommen, mit den jetzt erreichten 2,5 Prozent sei der Zinsgipfel erreicht.

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Entscheidend wird sein, ob sich der Energieschock auf weitere Preise überträgt. Bislang ist das in Deutschland nur begrenzt der Fall: Nahrungsmittel waren im August lediglich 0,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag bei 2,4 Prozent.

Bleiben Öl und Gas länger teuer, steigen jedoch auch Kosten für Transport, Kühlung und Produktion. Geben Unternehmen sie weiter, erreicht der Preisschub zunehmend andere Waren und Dienstleistungen. Die EZB hatte bereits im Frühjahr in mehreren Szenarien davor gewarnt, dass eine länger anhaltende Störung der Öl- und Gasversorgung die Teuerung zusätzlich erhöht und zugleich das Wachstum belastet.

Niedrige Gasspeicher erhöhen Deutschlands Winterrisiko

Für Deutschland kommt der Gaspreisanstieg zudem zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode sind die Speicher deutlich schwächer gefüllt als in den vergangenen Jahren. Zuletzt lag der Füllstand laut Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) bei rund 55 Prozent.

Das bedeutet nicht automatisch einen Gasmangel. Bei einem kalten Winter müsste Deutschland jedoch mehr Gas laufend am Markt beschaffen. Bleiben zugleich die internationalen Preise hoch, kann das den Kostendruck zusätzlich erhöhen.

Anders als Öl kann ein Gaspreisschock zudem verzögert über Heizkosten und energieintensive Produktion in anderen Preisen ankommen. Entscheidend wird deshalb, wie schnell sich die internationalen Energiemärkte wieder entspannen.

Ab 2027 verschwindet russisches Gas aus dem EU-Mix

Zusätzlich verändert sich Europas Gasversorgung 2027 grundlegend. Die EU beendet schrittweise die Einfuhr russischen Gases: Für langfristige LNG-Verträge greift das Verbot schon ab Januar, Pipelineimporte sollen im weiteren Jahresverlauf folgen.

Der Ausstieg verursacht den heutigen Preisschock nicht. Deutschland und andere EU-Staaten müssen russische Mengen künftig jedoch dauerhaft durch andere Lieferanten ersetzen – und konkurrieren bei LNG insbesondere mit Käufern in Asien. Damit bleibt Deutschland stärker davon abhängig, zu welchen Preisen Gas auf dem Weltmarkt verfügbar ist.

Die EZB kann Öl und Gas nicht verbilligen. Mit höheren Zinsen versucht sie zu verhindern, dass deren Preisschock dauerhaft auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreift. Ob die 2,5 Prozent dafür reichen, hängt damit vor allem davon ab, wie lange Öl und Gas teuer bleiben.

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