Am Wochenende gab es den ersten größeren öffentlichen Protest gegen das US-Unternehmen Covenant, das in Leipzig Marschflugkörper herstellen will. Dem Protestzug gegen die Rüstungsansiedlung schlossen sich nach Polizeiangaben mehrere Hundert Menschen an. Die Organisatoren forderten den Stopp der Covenant-Ansiedlung im Norden der Stadt.
Doch die sächsische Messestadt ist jetzt sogar noch bei einem weiteren Rüstungshersteller im Gespräch.
Nach „Anthem“ kommt „Siegfried“?
Covenant hatte Anfang Oktober seine geplante Produktionshalle in Leipzig offiziell eröffnet. Dort soll ab 2027 der weitreichende Marschflugkörper „Anthem“ hergestellt werden. Leipzig solle der weltgrößte Covenant-Standort werden, hieß es. Im ersten Jahr sollen 1000 Exemplare des Waffensystems in Sachsen produziert werden. 2028 werden bereits 5000 Stück angestrebt.
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MehrDoch nun plant offenbar ein weiteres auf Raketen spezialisiertes Unternehmen, in der Messestadt zu wachsen. Das im vergangenen Jahr gegründete Düsseldorfer Rüstungs-Start-up Falk Defence hat im Frühjahr ein Büro in Leipzig eröffnet und sucht derzeit Personal für die Forschung und Entwicklung neuer Raketensysteme.
Lenkflugkörper stehen in einer Produktionshalle des US-Rüstungsunternehmens Covenant in Leipzig. Das Unternehmen hat seine Produktionsstätte zur Herstellung weitreichender Lenkflugkörper jetzt eröffnet. Die Fertigung des Waffensystems „Anthem“ soll 2027 beginnen. Bis zu 250 Menschen sollen in der Produktion arbeiten. In Leipzig werden die Flugkörper montiert. Die Bestückung mit Sprengstoff erfolgt nach Unternehmensangaben erst vor Ort bei den Kunden. (zu dpa: „US-Rüstungsunternehmen öffnet Standort in Leipzig“)
© Hendrik Schmidt/dpa
Auf seiner Website stellt Falk Defence nun auch seine Ziele vor: Demnach wolle man die Entwicklung von Raketenartillerie-Systemen der nächsten Generation vorantreiben. Diese sollen zu 100 Prozent in Europa gefertigt werden, heißt es weiter. Bislang sei Deutschland von Anbietern aus Drittländern abhängig. „Diese Lücke möchte Falk Defence schließen“, erklärt das Unternehmen.
Im sozialen Netzwerk Linkedin erklärte das Unternehmen, ein bedeutender europäischer Player für moderne Präzisionswaffensysteme werden zu wollen. Das in Entwicklung befindliche Raketensystem hört demnach auf den Namen „Siegfried SF1–100“. Die gelenkte Artillerierakete soll eine Reichweite von rund 100 Kilometern haben und 70 Prozent günstiger zu produzieren sein als vergleichbare Systeme.
Ukraine könnte Abnehmer werden
In Leipzig werden den Angaben nach Prototypen der Rakete entwickelt und getestet. Dafür sucht das Unternehmen unter anderem einen Software-Entwickler und einen Flight Test Engineer. Auch mögliche Abnehmer hat das Start-up bereits identifiziert: Die Ukraine sei ein potenzieller Markt, heißt es in einem Beitrag auf Linkedin. In Kiew haben Vertreter des Unternehmens demnach vergangene Woche an einer Konferenz der Deutsch-Ukrainischen Außenhandelskammer teilgenommen, bei der es um Verteidigungs- und Sicherheitsfragen ging.
Tatsächlich gibt es bislang kein derartiges in Europa gefertigtes Waffensystem, erklärt Martin Kurczyk, Vorsitzender des Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie (MISI), das an der Ansiedlung des Unternehmens beteiligt gewesen ist. Vergleichbare Systeme kämen bislang vor allem aus den USA. Daraus entstünden Abhängigkeiten bei der Lieferung und bei der Resilienz der Lieferkette.
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Falk Defence beschreibt seine Vision eines Europas, „das seine Sicherheit mit innovativen Wirksystemen selbst gewährleistet, unabhängig von veralteten und überteuerten Systemen aus dem Ausland“.
Experte: Mitteldeutschland für Produktion gut geeignet
Wo Falk Defence ein derartiges Waffensystem produzieren möchte, ist noch offen. Für den früheren Bundeswehr-Generalmajor Kurczyk ist klar: Die Region sei ein attraktiver Standort. Sachsen biete Fachwissen in der Metallverarbeitung, Thüringen in Optik und Sensorik, hinzu kämen verfügbare Fachkräfte und der Logistikvorteil des Flughafens Leipzig/Halle.
Die Ansiedlung von Covenant, die jetzt schon Proteste hervorrief, könnte also erst der Anfang sein. (mit dpa)
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