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Festival of Lights 2026: Wo Berlin noch bis 18. Oktober am schönsten leuchtet

Seit Freitagabend ist Berlin wieder Leinwand: Bis zum 18. Oktober verwandelt das Festival of Lights Dom, Funkturm und Brandenburger Tor in Lichtkunst.

Alexandra Gretschichin
Alexandra Gretschichin
7 Min
Tausende Besucher schauen sich Lichtprojektionen am Schloss Charlottenburg an.

Tausende Besucher schauen sich Lichtprojektionen am Schloss Charlottenburg an.

© Bernhard Herrmann/Imago

Es ist jeden Abend derselbe Moment. Die Dämmerung sinkt über die Stadt, und dann, um 19 Uhr, beginnen die Fassaden zu glühen. Das Brandenburger Tor trägt Farben, die es tagsüber nie trägt. Über den Dom fließt Licht wie Wasser. Auf dem Pariser Platz wandern die Handys nach oben, eines nach dem anderen, bis es alle sind.

Seit Freitag gehört Berlin wieder dem Licht, noch bis zum 18. Oktober, jeden Abend von 19 bis 23 Uhr, an rund 40 Orten. Das Festival of Lights geht in seine 22. Ausgabe und hat sich dafür das größte aller Wörter vorgenommen: Liebe. „Colours of Love“ lautet das Motto.

Kitsch? Vielleicht. Vielleicht aber auch genau das Richtige für eine Stadt, die gerade erst gewählt hat und in der man sich sonst eher aus dem Weg geht. Die Veranstalter wollen ein Zeichen für Zusammenhalt setzen. „Wir wollen dazu beitragen, dass viele Menschen gemeinsam erleben, wie geteilte Freude verbinden kann“, heißt es. Und tatsächlich: Selten stehen in Berlin so viele Fremde so friedlich nebeneinander und schauen in dieselbe Richtung. Eintritt zahlt dafür niemand. Das privat finanzierte Festival ist seit seiner Gründung 2005 unter freiem Himmel kostenlos.

Engel im Nikolaiviertel, Babylon an der Hauswand

Wer das Motto wörtlich nehmen will, geht ins Nikolaiviertel. Hier, im ältesten Winkel der Stadt, wirkt das Festival am intimsten. Keine monumentalen Fassaden, sondern enge Gassen, Kopfsteinpflaster, Giebelhäuser. Das Licht muss sich hier nicht aufdrängen, es kann flüstern.

Neben der Nikolaikirche, auf der Grünfläche an der Propststraße, stehen die „Angels of Love“. Ein zweites Mal begegnet man ihnen ein paar Ecken weiter in der Poststraße, vor dem Restaurant Fischer & Lustig. Dazwischen leuchten die Bäume, Am Nußbaum und entlang der Propststraße, in Farben, die der Herbst sich allein nicht zutrauen würde. Der Wappenbrunnen und die Gerichtslaube sind ebenfalls illuminiert, und auf die Doppeltürme der Nikolaikirche fallen Projektionen. Wer langsam geht, merkt, wie das Viertel sich verändert. Es wirkt weniger wie eine Kulisse aus DDR-Rekonstruktion und Souvenirläden, sondern wie ein Ort, an dem die Stadt kurz innehält.

Dann, in der Rathausstraße 17, der Bruch. An einer Hauswand flimmert „Babylon Berlin“, eine Videoinszenierung zur Erfolgsserie, als hätten die Zwanzigerjahre kurz Ausgang bekommen. Die Stadt, die sich so gern selbst erzählt, schaut sich hier beim Erzählen zu. Nur wenige hundert Meter von der Stelle entfernt, an der sie einst gegründet wurde.

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Techno unter der Domkuppel

Ein paar Schritte weiter, über die Spree, steht der Berliner Dom und tut, was er beim Festival am besten kann. Er wird zur Bühne. Seine Fassade zum Lustgarten verwandelt sich in eine Projektionsfläche, und die Menschen auf dem Rasen davor werden für eine Weile zum Publikum, ob sie wollten oder nicht.

Die eigentliche Premiere aber findet drinnen statt, und zwar nur an diesem Wochenende. Mit „Beyond the Light“ wird erstmals der Innenraum des Berliner Doms zur Projektionsfläche: 3D-Videokunst im Altarraum, rund 30 Minuten pro Show, dazu sanfte Klänge der Band Good Vibes Tribe 11:11 aus Miami. Wo sonst Licht durch hohe Fenster fällt, wandert es nun über Säulen, Kuppel und Stuck. Die letzten Vorstellungen laufen am Sonnabend um 20, 21.15 und 22.30 Uhr sowie am Sonntag um 20 und 21.15 Uhr. Tickets kosten 28 Euro, es gibt auch Karten an der Abendkasse.

Ab Dienstag, dem 13. Oktober, wird es lauter. Bei Festival of Lights in Concert treffen Lichtkunst und elektronische Musik aufeinander, an fünf Abenden mit zehn einstündigen Konzerten. Auf dem Programm stehen unter anderem Alle Farben, Klangkarussell, Westbam, Anja Schneider, Chris Bekker und Ukai Ndame. Techno unter der Domkuppel, das klingt nach Berlin in Reinform. Tickets gibt es ab 48 Euro, die ersten Konzerte sind bereits ausverkauft.

Potsdamer Platz: Alles auf engstem Raum

Ganz anders der Potsdamer Platz. Wo das Nikolaiviertel flüstert, spricht er laut, gläsern, vertikal. Kein anderer Ort des Festivals hat so viele Stationen auf so engem Raum. Am Kollhoff-Tower läuft eine 3D-Videomapping-Show, auch der Forum-Tower und das Haus Huth sind bespielt, das einzige Gebäude hier, das den Krieg überstanden hat.

Auf dem Boden des Platzes liegt eine Projektion, über die man hinweggeht, als liefe man über Licht. In der Alten Potsdamer Straße heißt eine Installation „Papillons“, der Name verspricht Schmetterlinge. Am Center am Potsdamer Platz steht ein „House of Cards“. Ein Kartenhaus, ausgerechnet hier, wo nach der Wende in Rekordzeit ein ganzes Viertel aus dem Brachland gestampft wurde. Man muss nicht nach Symbolik suchen, sie findet einen von selbst. Wer sich hier treiben lässt, kann eine Stunde verlieren, ohne mehr als ein paar hundert Meter zu gehen.

Lichtprojektionen am Potsdamer Platz.

Lichtprojektionen am Potsdamer Platz.

© Bernhard Herrmann/Imago

Tempelhof, der Gendarmenmarkt und der Dom von innen

Einige Orte sind zum ersten Mal dabei. Der THF‑Tower auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof wird mit einer 3D-Videomapping-Show bespielt, das alte Flugfeld bekommt also eine neue Landebahn aus Licht. Am Gendarmenmarkt planen die Veranstalter auf der Fassade des Konzerthauses eine Mitmach-Aktion, bei der Besucher selbst Teil der Inszenierung werden.

Der Lange Lulatsch wird hundert

Im Westen der Stadt feiert ein alter Bekannter Geburtstag. Am 3. September 1926 wurde der Funkturm zur 3. Deutschen Funkausstellung eröffnet, 146 Meter Stahl, ursprünglich gebaut als Sendeturm für den Rundfunk. Die Berliner tauften ihn bald den „Langen Lulatsch“, und er wurde zum Wahrzeichen der City West. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Motto „What the Funk“. Bis zum 18. Oktober leuchtet der denkmalgeschützte Turm weithin sichtbar als Teil des Lichtparcours.

Nicht weit entfernt kehrt das Olympiastadion zurück, auf eigenen Wunsch, wie die Veranstalter betonen. Für die Lichtshows dort gibt es Tickets ab 6,50 Euro. Auch die Siegessäule, die Oberbaumbrücke und der Postbahnhof sind wieder dabei. Und der Park am Rathaus Lichtenberg gehört traditionell für einen Abend zum Festival, auch 2026.

Eine Route für einen Abend

Wer an einem Abend möglichst viel sehen will, beginnt am Alexanderplatz. Erst der Fernsehturm, dann hinein ins Nikolaiviertel, weiter zum Dom. Von dort geht es Unter den Linden entlang, vorbei an Humboldt-Universität, Staatsoper und Bebelplatz, über das Hotel de Rome bis zum Brandenburger Tor. Danach zum Potsdamer Platz, wo sich die Installationen bequem zu Fuß erkunden lassen. Wer dann noch Kraft hat, fährt mit Bus oder Bahn zur Siegessäule oder zur Oberbaumbrücke. THF Tower, Olympiastadion, Funkturm und Lichtenberg verdienen einen eigenen Abend.

Ein paar Ratschläge: warm anziehen, bequeme Schuhe, das Auto stehen lassen. An diesem und am nächsten Wochenende wird es voll. Wer in Ruhe fotografieren will, kommt besser unter der Woche. Wer sich nicht selbst durchschlagen will, kann geführte Touren buchen, ab 22 Euro.

Festival of Lights am Brandenburger Tor

Festival of Lights am Brandenburger Tor

© Revierfoto/Imago

Wenn um 23 Uhr das Licht ausgeht

Früher war um 23 Uhr Schluss. In diesem Jahr nicht mehr. Bei den neuen Festival of Lights Club Nights zieht das Festival bis zum 17. Oktober in ausgewählte Clubs weiter, bis in die frühen Morgenstunden. Licht, Visuals und elektronische Musik sollen dort ineinander aufgehen, von Techno und Trance über Psytrance bis Afro House und Amapiano. Gefeiert wird unter anderem im M-BIA, im Maaya und im PKH Warehouse. Den Auftakt machte am Freitag ein „Techno/Trance Classics“-Opening mit Musik der Neunziger und Nullerjahre. Den Schlusspunkt setzt am kommenden Sonnabend, dem 17. Oktober, Nina Queer mit dem „Irrenhouse“ im PKH Warehouse. Die Preise liegen laut Veranstalter zwischen etwa fünf und 25 Euro.

Und irgendwann, auf dem Heimweg, steht man dann wieder vor einer ganz normalen Fassade. Grau, unbeleuchtet, Berlin eben. Und schaut trotzdem ein bisschen länger hin.

Tickets und Daten

Das Festival of Lights läuft noch bis zum 18. Oktober 2026, täglich von 19 bis 23 Uhr, an rund 40 Orten in ganz Berlin. Die Open-Air-Installationen sind kostenlos. Die Shows von „Beyond the Light“ im Inneren des Doms gibt es nur noch am 10. und 11. Oktober, der Eintritt kostet 28 Euro. Vom 13. bis 17. Oktober folgt dort das Festival of Lights in Concert mit Tickets ab 48 Euro. Die Club Nights laufen bis zum 17. Oktober, der Eintritt liegt je nach Veranstaltung bei etwa fünf bis 25 Euro.
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