Fifa-Machtkampf

„Zeit reif für eine Frau“: Blatter sieht Katar-Kritikerin Klaveness an der Fifa-Spitze

Gianni Infantino verliert nach seinem gescheiterten Investorendeal Rückhalt. Nun wirbt sein Vorgänger für eine Norwegerin, die den Weltverband seit Jahren offen kritisiert.

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FIifa-Präsident Gianni Infantino im Gespräch mit der norwegischen Verbandschefin Lise Klaveness während der Fußball-WM 2026.

FIifa-Präsident Gianni Infantino im Gespräch mit der norwegischen Verbandschefin Lise Klaveness während der Fußball-WM 2026.

© MB Media/imago

Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter hat die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness als mögliche Nachfolgerin von Gianni Infantino ins Spiel gebracht. Der 90-Jährige würdigte Klaveness als eine der wenigen Funktionärinnen, die sich dem Kurs der Fifa wiederholt offen widersetzt hätten.

„Lise Klaveness verdient höchsten Respekt“, schrieb Blatter am Dienstag bei X. „Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezog und sich nicht dem Mainstream anpasste.“ Dann folgte sein eigentlicher Vorstoß: „Bei der Fifa ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt.“

Eine Präsidentin gab es in der Geschichte des 1904 gegründeten Weltverbandes noch nie. Klaveness führt den norwegischen Fußballverband seit März 2022. Damals wurde die frühere Nationalspielerin als erste Frau an die Spitze des Verbandes gewählt.

Lise Klaveness kritisierte die FIFA wegen der WM in Katar

International bekannt wurde Klaveness nur wenige Wochen nach ihrer Wahl. Beim Fifa-Kongress im März 2022 in Doha griff sie die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar scharf an. „Weltmeisterschaften wurden von der Fifa auf inakzeptable Weise und mit inakzeptablen Folgen vergeben“, sagte sie damals.

Klaveness forderte den Weltverband zudem auf, verletzte Arbeiter sowie die Familien gestorbener Arbeitsmigranten in Katar zu unterstützen. In ihrer Rede verlangte sie mehr Transparenz, Gleichberechtigung und einen entschiedeneren Schutz der Menschenrechte.

Auch Infantinos Nähe zu US-Präsident Donald Trump kritisierte die Norwegerin. Nach der Vergabe des neu geschaffenen Fifa-Friedenspreises an Trump setzte sich ihr Verband dafür ein, die Auszeichnung wieder abzuschaffen. Der norwegische Verband beschloss diesen Schritt im Februar einstimmig.

Ob Klaveness tatsächlich für die Fifa-Spitze kandidieren will, ist bisher offen. Ihr Name wird jedoch inzwischen neben Uefa-Präsident Aleksander Čeferin, Concacaf-Chef Victor Montagliani und weiteren möglichen Herausforderern genannt. Montagliani erwägt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters eine Kandidatur.

Lise Klaveness führt seit 2022 den norwegischen Fußballverband. Sepp Blatter hält sie für eine geeignete Nachfolgerin von Gianni Infantino.

Lise Klaveness führt seit 2022 den norwegischen Fußballverband. Sepp Blatter hält sie für eine geeignete Nachfolgerin von Gianni Infantino.

© Amanda Pedersen Giske/imago

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Infantino verliert Rückhalt nach gescheitertem Investorendeal

Auslöser des Machtkampfs ist Infantinos gescheiterter Plan, private Investoren an einer neuen Fifa-Gesellschaft zu beteiligen. Über diese sollten unter anderem kommerzielle Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft und weiteren Turnieren verwaltet werden. Für einen Anteil von bis zu 20 Prozent sollten Investoren bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar zahlen.

Das Vorhaben war nach Berichten internationaler Medien ohne breite Abstimmung mit den maßgeblichen Fußballverbänden vorangetrieben worden. Nach heftigem Widerstand von UEFA, Concacaf und dem asiatischen Verband AFC zog die FIFA den Plan zurück.

Zahlreiche europäische Verbände haben Infantino daraufhin ihre Unterstützung entzogen oder sich gegen seine Wiederwahl gestellt. Der Schweizer kämpft damit um eine Mehrheit, die vor wenigen Wochen noch als sicher galt. Verbände aus Katar, Marokko und mehreren asiatischen Staaten halten bislang an ihm fest.

Fifa dementiert angebliche Hilferufe bei Donald Trump

Zusätzlichen Wirbel löste ein Bericht der New York Post aus. Demnach soll Infantino nach dem Scheitern des Investorendeals mehrfach versucht haben, Trump zu erreichen. Zudem habe er um ein Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio gebeten, um sich politische Unterstützung zu sichern.

Die Fifa wies die Darstellung zurück. Infantino habe in den vergangenen Tagen weder Trump noch Mitglieder seiner Regierung angerufen. Der Bericht sei „frei erfunden“. Auch das US-Außenministerium bestritt, dass ein Treffen mit Rubio vereinbart worden sei.

Infantino hat angekündigt, beim 77. Fifa-Kongress erneut anzutreten. Die Wahl findet am 18. März 2027 in der marokkanischen Hauptstadt Rabat statt. Die Frist für Gegenkandidaten läuft im November ab.

Blatter selbst führte die Fifa von 1998 bis 2015. Im Zuge der schweren Korruptionskrise im Weltverband kündigte er seinen Rücktritt an. Infantino wurde im Februar 2016 zu seinem Nachfolger gewählt.

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