Die Fifa unter Präsident Gianni Infantino will offenbar Anteile der WM verkaufen. Der Fußball-Weltverband plant laut eigener Mitteilung die Gründung einer neuen Gesellschaft namens „FIFA Forward Enterprise (FFE)“ und will externen Investoren eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte anbieten. Die neue Gesellschaft wird dabei mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet.
Ziel sei es, die Entwicklung des Fußballs weltweit mit mehr als 10 Milliarden US-Dollar zu fördern. Für Fans, Verbände und Kritiker steht damit eine grundsätzliche Frage im Raum: Wem gehört die Weltmeisterschaft? Die Uefa, der europäische Dachverband, reagierte umgehend – und außergewöhnlich scharf.
Was die Fifa konkret plant
Die Fifa will demnach ihre kommerziellen Rechte und die Ausrichtung ihrer Turniere in einer neuen, Fifa-eigenen Tochtergesellschaft bündeln. FFE soll Übertragungsrechte, Sponsoring, Ticketing und Lizenzen zusammenführen.
Über diese Gesellschaft will der Verband später in diesem Jahr bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einsammeln. Grundlage ist eine angesetzte Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar. Externe Investoren sollen dabei ausschließlich Minderheitsanteile ohne Kontrollrechte erhalten.
Laut Fifa bleibt die volle Kontrolle beim Verband selbst. FFE stehe unter alleiniger Fifa-Führung, mit exklusiver Zuständigkeit für Governance, Wettbewerbe, den internationalen Spielkalender und alle sportlichen Entscheidungen. „Für die Fifa ändert sich nichts“, heißt es in der Mitteilung.
Mehr Geld für die Mitgliedsverbände
Kern des Plans ist eine deutlich höhere Entwicklungsförderung. Die Zahlungen aus dem Programm FIFA Forward sollen pro Mitgliedsverband von bislang 8 Millionen US-Dollar auf 20 Millionen US-Dollar für den Zyklus 2027 bis 2030 steigen und danach weiter wachsen. Frühere Beträge pro Mitgliedsverband lagen laut Financial Times bei rund zwei Millionen US-Dollar jährlich.
Zusätzlich soll ein neues Programm namens FIFA Fast Forward jedem der 211 Mitgliedsverbände einmalig bis zu 20 Millionen US-Dollar für Sonderprojekte ermöglichen. Damit seien etwa Stadien und nationale Trainingszentren finanzierbar.
Die Fifa betont, das Vorhaben sei genehmigungspflichtig. Es werde nur umgesetzt, wenn eine Mehrheit der Mitgliedsverbände zustimme und der Fifa-Council die nötigen Regeländerungen billige.
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Wer investieren soll
Als Anführer der geplanten Investorengruppe gilt laut Fifa-Mitteilung Thrive Eternal, eine sogenannte Dauerkapital-Holding. Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmungen solle Thrive Eternal die Investorengruppe für FFE anführen.
Thrive Eternal wurde nach Angaben der Financial Times, die wie das Times-Magazin vorab über die Pläne berichtete, von Joshua Kushner gegründet. Er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Kushner steht demnach in Gesprächen, den Deal über seinen Fonds anzuführen.
Als weiterer Berater wird laut Financial Times der frühere Disney-Chef Bob Iger genannt. Die Investmentbank J.P. Morgan begleitet den Prozess.
Der wütende Widerstand der Uefa
Die Uefa reagierte auf die Berichte über den Plan mit einer ungewöhnlich deutlichen Erklärung. „Das überschreitet eine Linie, die die Governance-Institutionen des Fußballs niemals überschreiten sollten“, hieß es. „Die Seele und die Governance des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen man handeln kann“, so die Uefa.
Besonders scharf ist der Schlusssatz der Erklärung: „Niemand von uns ist der Eigentümer des Fußballs. Es ist nicht an der Fifa, ihn zu verkaufen.“
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