Fußball-Weltverband

„Seine Zeit ist abgelaufen“: La-Liga-Chef fordert Rücktritt von Fifa-Boss Infantino

Der spanische Ligapräsident wirft dem Weltverband politische Einflussnahme und eine schädliche Ausweitung seiner Turniere vor. Auch Ex-Präsident Blatter meldet sich zu Wort.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
US-Präsident Donald Trump (links) und Fifa-Präsident Gianni Infantino beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

US-Präsident Donald Trump (links) und Fifa-Präsident Gianni Infantino beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

© Darren Fletcher/imago

La-Liga-Präsident Javier Tebas hat den Rücktritt von Fifa-Chef Gianni Infantino gefordert. In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der italienischen Sporttageszeitung La Gazzetta dello Sport sagte Tebas auf die Frage, ob Infantino zurücktreten solle, seiner Meinung nach sei dessen Zeit abgelaufen. Der Weltverband zerstöre die Fußballindustrie, indem er internationale Wettbewerbe zulasten der nationalen Ligen und Vereine ausweite.

Unterstützung erhielt der Chef der spanischen Fußballliga von Infantinos Vorgänger Sepp Blatter. Auf der Plattform X rief Blatter „Fans, Spieler und nationale Verbände“ dazu auf, den Fußball unter neuer Führung zurückzuerobern. Die Politik dürfe das Spiel nicht überschatten, schrieb Blatter mit Blick auf die gerade zu Ende gegangene Weltmeisterschaft.

Blatter stand von 1998 bis 2015 an der Spitze der Fifa und trat inmitten eines internationalen Korruptionsskandals um den Weltverband zurück. Die Fifa-Ethikkommission sperrte ihn mehrjährig, unter anderem wegen einer umstrittenen Zahlung an den früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini. Ein Schweizer Bundesstrafgericht sprach Blatter 2022 vom Vorwurf des Betrugs frei. Ein Berufungsverfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft endete 2025 erneut mit Freispruch. Blatter weist Fehlverhalten zurück und äußert sich seit seinem Ausscheiden wiederholt kritisch zu Infantino.

Kritik an Balogun-Entscheidung nach Trump-Anruf

Besonders scharf griff Tebas die Aussetzung einer Ein-Spiel-Sperre für den US-Stürmer Folarin Balogun an. Die Fifa-Disziplinarkommission hatte die nach einer Roten Karte verhängte Sperre ausgesetzt, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Balogun konnte deshalb im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen, das die USA mit 1:4 verloren und damit ausschieden. Die Fifa behauptete laut Guardian, die Kommission habe unabhängig „auf Grundlage der geltenden Regeln und der konkreten Fakten“ entschieden.

Tebas nannte den Vorgang „extrem ernst“. Wäre die US-Mannschaft weitergekommen, hätte der Fall Infantino das Amt kosten können, sagte er der Gazzetta. Da Belgien gewonnen habe, sei die Angelegenheit begraben worden. Es handele sich jedoch lediglich um „die Spitze des Eisbergs“.

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Streit um 64-Team-WM 2030

Tebas wandte sich zudem gegen Pläne, die WM 2030 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums auf 64 Mannschaften auszuweiten. Conmebol, der südamerikanische Fußballverband, hatte diese Forderung durch seinen Präsidenten Alejandro Dominguez erneuert, Infantino zeigte sich laut Reuters offen dafür. Eine weitere Vergrößerung gehe zulasten nationaler Wettbewerbe und der gesamten Branche, die Zehntausende Arbeitsplätze sichere, sagte Tebas. Der Fußball drehe sich nicht nur um ein Turnier von 40 Tagen, an dem nur eine Minderheit der Spieler teilnehme.

Auch die verlängerte Halbzeitpause von rund 27 Minuten im WM-Finale sowie Trinkpausen bei kühlen Temperaturen in klimatisierten Stadien wie in Dallas, Los Angeles oder Atlanta kritisierte der Liga-Präsident als reine Werbeunterbrechungen. Er habe auf der Tribüne einen Pullover anziehen müssen, sagte Tebas.

Trotz seiner Kritik hält Tebas einen Rücktritt Infantinos für unwahrscheinlich. Der Fifa-Chef genieße weiter starken Rückhalt bei den nationalen Verbänden. Es gebe keinen Gegenkandidaten, niemand wolle antreten, um zu verlieren, sagte Tebas. Infantino hatte im April angekündigt, im März 2027 in Marokko für eine vierte Amtszeit zu kandidieren.


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