Brasilien

Flávio Bolsonaro in Miami gelandet: Flucht offenbar seit Wochen vorbereitet

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat setzt sich über Argentinien und Ecuador in die USA ab. Seine Familie und Vertraute sollen die Flucht schon lange vor der Wahl geplant haben.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Flávio Bolsonaro (vorne) kommt am Miami-Opa Locka Executive Airport an.

Flávio Bolsonaro (vorne) kommt am Miami-Opa Locka Executive Airport an.

© Marta Lavandier/AP

Der bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl unterlegene Flávio Bolsonaro ist nach seiner Flucht aus Brasilien in Miami eingetroffen. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch unter Berufung auf einen Reporter vor Ort. Nach Recherchen brasilianischer Medien soll die Flucht bereits Wochen vor Bolsonaros Niederlage bei der Stichwahl vorbereitet worden sein.

Wie die Zeitung O Globo am Mittwoch unter Berufung auf Vertraute der Familie berichtete, organisierte vor allem sein Bruder Eduardo die Aufnahme in den USA. Die brasilianische Bundespolizei hatte nach Recherchen von CNN Brasil schon Mitte Oktober Hinweise auf den Plan. Bolsonaro selbst hatte öffentlich bestritten, das Land verlassen zu wollen.

Eduardo Bolsonaro, der seit dem vergangenen Jahr in den USA lebt, soll gemeinsam mit dem früheren Fernsehmoderator Paulo Figueiredo Gespräche mit Vertretern der Regierung von US-Präsident Donald Trump geführt haben. Dabei sei es darum gegangen, Flávio Bolsonaro im Fall einer Wahlniederlage die Einreise in die USA zu ermöglichen.

Nach Informationen von CNN Brasil sollen auch der frühere Präsident Jair Bolsonaro und der Anwalt und Unternehmer Willer Tomaz die Fluchtpläne unterstützt haben.

Flucht trotz richterlichen Ausreiseverbots

Nach dem Wahlsieg von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von der linken Arbeiterpartei am 25. Oktober ordnete Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof die Beschlagnahme von Flávio Bolsonaros Pässen an. Der unterlegene Kandidat verließ Brasilien dennoch. Nach Angaben von CNN Brasil nutzte er dafür einen italienischen Pass. Bolsonaro besitzt seit 2023 auch die italienische Staatsangehörigkeit.

Nach Angaben der argentinischen Einwanderungsbehörde reiste Bolsonaro am Dienstagabend mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nach Argentinien ein. Von Puerto Iguazú nahe der brasilianischen Grenze flog die Familie mit einem Privatflugzeug nach Guayaquil in Ecuador.

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Die Maschine startete dort nach weniger als einer Stunde erneut, wie AFP unter Berufung auf Flugverfolgungsdaten berichtete. Laut der Website FlightAware nahm sie Kurs auf Miami.

O Globo hatte zuvor berichtet, dass ursprünglich eine Ausreise über Venezuela geplant gewesen sei. Die Bundespolizei konnte die tatsächliche Route zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestätigen.

USA wollen Bolsonaro und seine Familie aufnehmen

Nach einem Bericht von O Globo bestätigte das US-Außenministerium, dass Flávio Bolsonaro und seine Angehörigen Visa für einen Aufenthalt in den USA erhalten sollen. Eduardo Bolsonaro soll mit seiner Familie nach Florida gereist sein, um seinen Bruder zu empfangen.

Die Familie Bolsonaro steht Trump politisch nahe. Der US-Präsident äußerte nach der Stichwahl ohne Belege Zweifel an Lulas Wahlsieg und sprach von einer möglicherweise manipulierten Wahl.

Flávio Bolsonaro ist der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, der seit November 2025 eine 27-jährige Haftstrafe verbüßt. Er wurde für schuldig befunden, nach seiner Wahlniederlage 2022 gemeinsam mit früheren Regierungsmitgliedern und Militärs einen Staatsstreich gegen Lula geplant zu haben.

Ermittlungen wegen möglicher Geldtransfers

Die brasilianische Bundespolizei ermittelt nach Angaben von CNN Brasil wegen möglicher unerlaubter Geldüberweisungen ins Ausland. Dabei geht es unter anderem um die Finanzierung des Films „Dark Horse“ über Bolsonaros inhaftierten Vater Jair Bolsonaro.

Bei der Filmfinanzierung untersuchen die Ermittler unter anderem Zahlungen des inhaftierten Bankiers Daniel Vorcaro, des früheren Eigentümers der Banco Master. Das Geldhaus wurde im November 2025 von der brasilianischen Zentralbank liquidiert. Die Behörden untersuchen unter anderem den Verdacht, dass die Bank ungedeckte Kreditportfolios geschaffen und an die staatliche Banco de Brasília verkauft haben soll.

Nach Recherchen von The Intercept Brasil verhandelte Flávio Bolsonaro mit Vocaro über insgesamt 24 Millionen US-Dollar. Tatsächlich überwiesen wurden laut Berichten der Folha de S.Paulo und der Zeitschrift piauí rund 12,3 Millionen Dollar.

Das Geld floss demnach an den US-Fonds Havengate Development Fund. Die Bundespolizei prüft den Verdacht, dass ein Teil der Mittel auch für Eduardo Bolsonaros Aufenthalt in den USA und politische Aktivitäten von Bolsonaro-Verbündeten verwendet wurde.

Das Oberste Gericht ordnete zudem Ermittlungen zu möglichen ausländischen Wahlkampfhilfen an. Die brasilianische Verfassung verbietet es Parteien, Geld von ausländischen Organisationen oder Regierungen anzunehmen. Dieses Verbot erstreckt sich gemäß dem Wahlgesetz ausdrücklich auch auf Kandidaten und untersagt ebenfalls indirekte finanzielle Unterstützung.

Anfang Februar 2027 endet Bolsonaros Amtszeit als Senator und damit seine parlamentarische Immunität.

Bolsonaro erkennt Lulas Wahlsieg nicht an

Bei der Stichwahl am 25. Oktober hatte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit 51,8 Prozent der Stimmen gegen Bolsonaro gewonnen, der 48,2 Prozent erhielt. Bolsonaros Liberale Partei räumte die Niederlage ein, der Kandidat selbst erkannte das Ergebnis jedoch nicht an. Er warf Lula Machtmissbrauch vor und kündigte zunächst rechtliche Schritte an.

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