Bundeswehr

Die Hälfte der Regierungsflüge hebt ohne Passagiere ab: Das ist der Grund

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hoben die Regierungsflieger über 300 Mal ohne Passagiere ab. Was dahintersteckt.

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Obwohl die Regierung in Berlin sitzt, stehen die Regierungsflieger in Köln.

Obwohl die Regierung in Berlin sitzt, stehen die Regierungsflieger in Köln.

© Sina Schuldt/dpa

Die Flugbereitschaft der Bundeswehr hat im ersten Halbjahr fast so viele Flüge ohne Passagiere absolviert wie mit Mitgliedern der Bundesregierung an Bord. Das teilte das Verteidigungsministerium auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch mit.

308 Teilstrecken entfielen demnach auf Dienstreisen, 305 dagegen allein auf die Bereitstellung der Maschinen. Diese Leerflüge der Regierungsflieger sorgen erneut für Kritik – vor allem, weil die Jets in Köln stationiert sind, während die Politik in Berlin arbeitet.

Wie das Verteidigungsministerium die Leerflüge begründet

Von rund 600 abgehobenen Strecken blieb also fast jede zweite ohne Passagiere aus der Regierung. Der Hauptgrund ist geografisch. Die Regierungsflieger stehen in Köln, ihre Passagiere treten Dienstreisen aber meist in Berlin an. Damit eine Maschine dort abholbereit ist, muss sie häufig leer in die Hauptstadt fliegen – oder von dort zurück.

Das Ministerium weist die Kritik zurück. Die Leerflüge würden gezielt für die Aus- und Weiterbildung der Besatzungen genutzt. Zur Verfügung steht die Flugbereitschaft unter anderem dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Kabinett.

Wer die Regierungsflieger am häufigsten nutzte

An der Spitze der Nutzer lag im ersten Halbjahr nach Angaben des Ministeriums das Bundeskanzleramt mit 73 Teilstrecken. Es folgten das Auswärtige Amt mit 63 und das Bundeswirtschaftsministerium mit 32 Teilstrecken.

Am seltensten griffen andere Ressorts zu: das Familienministerium zweimal, das Verkehrsministerium einmal, das Wohnungsministerium gar nicht.

Bartsch nennt die Bilanz eine „Bruchlandung“

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch, der regelmäßig nach solchen Leerflügen fragt, sprach von einer „Bruchlandung“ für die Bundesregierung.

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„Wenn die Flugbereitschaft der Bundeswehr in sechs Monaten rund 600 Mal abhebt, aber in der Hälfte der Fälle ohne Passagiere, dann bleibt das ein inakzeptables Missverhältnis und ein teures Ärgernis“, erklärte Bartsch.

Dass die Flieger in Köln stünden, während die Regierung „seit Jahrzehnten in Berlin sitzt, der BER arbeitet und Reisen vielfach von hier beginnen“, sei ein Widerspruch, der so nicht länger bestehen sollte.

Warum die Regierungsflieger in Köln stehen

Ein Umzug nach Berlin ist seit Langem geplant. Ursprünglich sollten die Regierungsmaschinen bereits 2012 vollständig umziehen. Daraus wurde nichts. Der Flughafen BER öffnete später als erwartet, und bis heute fehlt Infrastruktur für die Flugbereitschaft. Nach aktuellen Planungen soll der Gesamtumzug erst in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre erfolgen.

Gestrandet auf den Seychellen: Panne ohne Politiker

Zuletzt strandete eine Bombardier Global 5000 der Flugbereitschaft nach Angaben des Verteidigungsministeriums tagelang auf den Seychellen – auf einem Trainingsflug von Ägypten zur Insel Réunion, ohne Politiker an Bord.

Wegen eines technischen Problems musste die Maschine außerplanmäßig zwischenlanden. An Bord sei nur die Crew gewesen, „die Besatzung ist wohlauf“, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Die Pannenserie der Regierungsflieger

Die Liste älterer Zwischenfälle ist lang. Anfang November 2025 musste Außenminister Johann Wadephul (CDU) laut Auswärtigem Amt umplanen, weil ein Airbus A350 wegen eines technischen Defekts nicht einsatzbereit war; er flog per Linie nach Kolumbien.

Im August 2023 brach seine Vorgängerin Annalena Baerbock eine Reise ab, nachdem sich an einem A340 die Landeklappen nicht einfahren ließen. Im November 2018 musste der Flieger von Kanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zum G20-Gipfel umkehren.

Die beiden pannenanfälligen A340 wurden vorzeitig ausgemustert. Anfang 2023 bestellte die Bundeswehr für rund 1,2 Milliarden Euro drei neue A350 – einer davon ließ nun Wadephul im Stich.

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