Insektenevolution

Gute Paddler: Fossil zeigt frühes Insekt mit zusätzlichen Beinen am Hinterleib

Ein 324 Millionen Jahre alter Fund aus Texas schließt eine große Lücke in der Stammesgeschichte der Insekten. Die Tiere lebten offenbar teils im Wasser, teils an Land.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Eine versteinerte Heuschrecke aus Dänemark zeigt einen deutlich jüngeren Fossilfund aus der Entwicklungsgeschichte der Insekten.

Eine versteinerte Heuschrecke aus Dänemark zeigt einen deutlich jüngeren Fossilfund aus der Entwicklungsgeschichte der Insekten.

© blickwinkel/imago

Ein rund 324 Millionen Jahre altes Fossil aus dem US-Bundesstaat Texas belegt einen frühen Zwischenschritt der Insekten auf ihrem Weg an Land. Das Tier trug neben den sechs typischen Laufbeinen zusätzliche paddelartige Gliedmaßen am Hinterleib. Das berichtet ein Forscherteam in einer am Mittwoch im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie.

Beteiligt an der Untersuchung ist auch das Nanjing-Institut für Geologie und Paläontologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, das die Ergebnisse in einer Mitteilung zusammenfasste.

Die beteiligten Wissenschaftler beschreiben die Art unter dem wissenschaftlichen Artnamen Chosha praecursor und ordnen sie einem frühen Insektenzweig zu. Die Fossilien stammen demnach aus Gesteinsschichten der Tesnus-Formation im Westen von Texas. Anatomische Details seien außergewöhnlich gut erhalten, hieß es.

Bauplan zwischen Krebs und Insekt

Das Tier hatte demnach bereits den für Insekten typischen Grundbauplan: einen gegliederten Rumpf, sechs Laufbeine, einen Legeapparat für die Eiablage und einen langen Schwanzfaden.

Auffällig sei jedoch, dass auch der Hinterleib noch gegliederte Anhänge trug. Die hinteren dieser Gliedmaßen seien zu Paddeln umgebildet gewesen. Solche Hinterleibsbeine gebe es bei heutigen Insekten nicht mehr.

Nach Rekonstruktion der damaligen Umweltbedingungen lebte die Art in flachen, küstennahen Gewässern eines Flussdeltas. Das Institut geht von einer Lebensweise zwischen Wasser und Land aus.

Lücke von 80 Millionen Jahren

Bislang klaffte in der Stammesgeschichte der Insekten eine Lücke von rund 80 Millionen Jahren. Genetische Analysen sprechen dafür, dass sich die Vorfahren der Insekten bereits vor mehr als 400 Millionen Jahren von ihren im Meer lebenden Verwandten aus der Gruppe der Krebstiere trennten.

Eindeutige Fossilfunde von Insekten gibt es jedoch erst deutlich später, häufiger werden sie laut Mitteilung erst gegen Ende des Karbons, einer Erdzeitepoche vor rund 300 Millionen Jahren.

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Der neue Fund liefert nach Angaben der Autoren Hinweise darauf, wie sich der Körperbau der Insekten wandelte. Die schrittweise Rückbildung der Hinterleibsbeine sei eine zentrale Anpassung an das Leben an Land gewesen. Der bereits ausgebildete Legeapparat habe zudem die Grundlage geschaffen, um später viele unterschiedliche Lebensräume an Land zu besiedeln.

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