Da wollten der CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel und Generalsekretär Bernd Krömer endlich wieder Ruhe in ihre Partei bringen, doch nun passiert das Gegenteil. Die Neuköllner CDU widersetzt sich einer Forderung ihrer Führungsspitze, wonach die Bezirksverordneten auf eine Abwahl ihrer Stadträtin Stefanie Vogelsang verzichten sollen. Gleichzeitig soll die CDU-Fraktion bis zum Sommer einen neuen Vorstand wählen. So steht es in einem internen Papier, das Henkel und Krömer mit sechs führenden CDU-Politikern aus Neukölln festgelegt haben. Das Zehn-Punkte-Programm liegt der Berliner Zeitung vor.Doch die Neuköllner CDU-Bezirksverordneten hat dazu niemand gefragt, nun sind sie verärgert über die "Order von oben". "Die Nerven liegen blank", sagt CDU-Fraktionschef Falko Liecke. Den Abwahlantrag gegen Vogelsang will er nicht zurückziehen, seinen Posten aber auch nicht aufgeben. Nach einer gestrigen Sondersitzung steht fest: Der Abwahlantrag bleibt bestehen.Mit sechs weiteren Verordneten seiner Fraktion hatte Liecke vergangene Woche den Abwahlantrag gegen Stefanie Vogelsang eingebracht. Am 9. Juni soll darüber abgestimmt werden, den Antrag tragen auch Verordnete von SPD, Grünen und Linke mit. Die CDU will mit der Abwahl ihrer Stadträtin "Schaden von der Fraktion und dem Bezirk nehmen", sagt Liecke.Der 42-jährigen Politikerin und früheren Kreisvorsitzenden wirft die Neuköllner CDU vor, für fehlende Buchungen und finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Kreiskasse verantwortlich zu sein. Dort fehlen etwa 40 000 Euro, Eintrittsgelder von CDU-Veranstaltungen wurden während Vogelsangs Amtszeit nicht gebucht, die Neuköllner CDU spricht von "schwarzen Kassen" und hat Vogelsang auf einem Sonderparteitag vor zwei Wochen aufgefordert, von ihrer Kandidatur für den Bundestag zurückzutreten. Vogelsang lehnt das ab. Sie steht auf Platz 3 der CDU-Landesliste und ist Direktkandidatin in Neukölln.Das Neuköllner Finanz-Chaos beschäftigt auch die CDU Berlin und die Bundespartei, der Deutsche Bundestag wurde informiert. Mittlerweile hat die CDU einen Wirtschaftsprüfer beauftragt. Bis zum 20. Juni 2009 soll geklärt werden, wie das Finanz-Chaos geklärt werden kann, heißt es in der Vereinbarung. Und weiter: Stefanie Vogelsang will "zur Konsolidierung der Finanzen" beitragen, der Kreisverband wird noch vor der Sommerpause "komplett zurücktreten" und neu gewählt. Stefanie Vogelsang verlässt den Kreisverband Neukölln, bleibt aber auf Platz 3 der Landesliste, zieht also relativ sicher in den Bundestag ein.Diese Regelung der Parteispitze ärgert die CDU-Mitglieder in Neukölln. "Wir klären hier eine problematische Finanzlage auf, und die Verantwortliche dafür wird mit einem Platz im Bundestag belohnt", sagt Fraktions-Chef Liecke. Aus dem Kreisverband Neukölln heißt es: "Diese Vereinbarung dient nicht der Aufdeckung, sondern der Vertuschung von Verdachtsmomenten." Dort wird niemand zurücktreten. CDU-Generalsekretär Bernd Krömer sagt zur Neuköllner Rebellion: "Das sollte ein einvernehmlicher Neuanfang sein."------------------------------"Wir klären hier eine problematische Finanzlage auf, und die Verantwortliche dafür wird mit einem Platz im Bundestag belohnt." Falko Liecke, CDU Neukölln
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