Der Bundestag hat am Freitag die sogenannte Frühstartrente beschlossen. Vom kommenden Jahr an soll der Staat für Kinder und Jugendliche zehn Euro im Monat in ein eigenes Altersvorsorgedepot einzahlen – kapitalgedeckt und in der Ansparphase steuerfrei.
Gedacht ist das Instrument als früher Einstieg in die private Altersvorsorge. Profitieren sollen zunächst alle Kinder ab sechs Jahren, die 2020 oder später geboren wurden und ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben.
Wer bekommt die Frühstartrente – und ab wann?
Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020. Für diese Kinder greift die Zahlung rückwirkend zum 1. Januar 2026, sobald sie sechs Jahre alt sind.
Ab 2027 rückt jährlich ein weiterer Jahrgang nach – jeweils die dann Sechsjährigen. Voraussetzung ist laut Bundesfinanzministerium der erste Wohnsitz in Deutschland.
Ältere Minderjährige können ebenfalls ein Depot bekommen, allerdings ohne die zehn Euro vom Staat. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, die Förderung aber rückwirkend ab 2026 fließen.
So funktioniert das Vorsorgedepot
Das Prinzip ähnelt einem Sparplan. Eltern schließen bei einem Anbieter ihrer Wahl, etwa einer Fondsgesellschaft, einen zertifizierten Vertrag auf den Namen des Kindes ab.
Bis zum 18. Geburtstag überweist der Staat zehn Euro im Monat. Die Auszahlung erfolgt laut Bundesfinanzministerium vierteljährlich und rückwirkend direkt auf den Vertrag.
Ob ein Kind berechtigt ist, prüft die Verwaltung digital über einen Abgleich mit dem Bundeszentralamt für Steuern anhand der Steuer-Identifikationsnummer. Für die Verträge gilt eine Kostenobergrenze von einem Prozent. Abschluss- und Vertriebskosten dürfen bis zur Volljährigkeit nicht anfallen.
Was passiert, wenn Eltern kein Depot eröffnen?
Wird kein Vertrag abgeschlossen, verfällt die Förderung nicht. Der Bund sammelt die zehn Euro dann in einem Sondervermögen, das die Deutsche Bundesbank verwaltet.
Nach einer Änderung im Finanzausschuss darf dieses Geld ausschließlich breit gestreut in globale Aktien oder Aktienfonds fließen. Eine bestimmte Rendite ist nicht garantiert, Verluste gleicht der Bund nicht aus. Später lässt sich das Guthaben in einen eigenen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen – laut Gesetzentwurf bis spätestens zum 25. Lebensjahr.
Können Eltern und Großeltern aufstocken?
Ja. Eltern, Großeltern und andere Förderer dürfen das Depot mit eigenen Beiträgen von bis zu 6840 Euro im Jahr auffüllen, also 570 Euro im Monat.
Einen zusätzlichen Steuervorteil bringt das nicht. In der Ansparphase bleiben die staatlichen Einzahlungen und die Erträge steuerfrei, für die freiwilligen Zuschüsse gilt das nicht.
Das Kapital ist zweckgebunden und darf nicht beliehen, verkauft oder gepfändet werden. Ausgezahlt wird grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr, dann greift die nachgelagerte Besteuerung. Ab 18 können die jungen Erwachsenen selbst weitersparen oder den Vertrag wechseln.
Lohnt sich die Frühstartrente?
Allein vom Staat kommen bis zum 18. Geburtstag 1440 Euro zusammen. Was langfristig daraus wird, hängt von Kapitalmarkt, Kosten und zusätzlichen Einzahlungen ab – gerechnet wird mit Annahmen, nicht mit Garantien.
Der Ratgeber „Finanztip“ geht davon aus, dass die staatlichen Beiträge bis zur Volljährigkeit auf rund 2200 Euro anwachsen. Weiter verzinst stünden beim Renteneintritt schätzungsweise 25.000 Euro bereit – ohne eingerechnete Kaufkraftverluste.
Das Bundesfinanzministerium rechnet in einem eigenen Modell mit sieben Prozent Rendite im Jahr und kommt auf rund 53.000 Euro bis zum 65. Lebensjahr. Auch das sind nominale Werte ohne Inflation und spätere Steuern.
Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband hält bis 18 etwa 2000 Euro für realistisch. Entscheidend sei, was danach komme: „Nur dann kann man davon ausgehen, dass wirklich eine gute ergänzende Altersvorsorge dabei rauskommt“, sagte sie MDR Aktuell.
Kritik und Kosten für den Staat
Ob ein privates Depot besser ist als die Anlage bei der Bundesbank, ist laut Mohn offen. Wegen breiter Streuung und niedriger Kosten könne die staatliche Variante finanziell sogar Vorteile haben.
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Der Vorteil des eigenen Depots sei eher ein pädagogischer: Kinder könnten „ins Depot reingucken“. Dafür brauche es aber begleitende Bildungsangebote.
Die Linke und die IG Metall kritisieren, zehn Euro im Monat seien zu wenig und förderten vor allem die private Finanzwirtschaft. Die Union verweist auf die Chancen des Kapitalmarkts und den Zinseszinseffekt.
Billig ist das Programm nicht: Für 2027 rechnet der Bund mit 198 Millionen Euro, bis 2030 steigen die Förderausgaben auf 411 Millionen Euro jährlich. Der Haushaltsausschuss kalkuliert für die Jahre 2027 bis 2030 mit insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro.
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