Kinder-Rente

Frühstartrente: Am Freitag entscheidet sich, welche Kinder 1440 Euro bekommen

Frühstartrente: Bundestag stimmt am Freitag ab. 10 Euro pro Monat, 1440 Euro je Kind ab Jahrgang 2020 – was Eltern jetzt zum Depot wissen müssen.

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Mit sechs Jahren startet die Frühstartrente: Für Kinder ab Jahrgang 2020 zahlt der Staat zwölf Jahre lang monatlich zehn Euro in ein Aktiendepot. (Symbolbild)

Mit sechs Jahren startet die Frühstartrente: Für Kinder ab Jahrgang 2020 zahlt der Staat zwölf Jahre lang monatlich zehn Euro in ein Aktiendepot. (Symbolbild)

© Imago/Silas Stein

Zehn Euro im Monat vom Staat, zwölf Jahre lang: Der Bundestag stimmt am Freitag über die Frühstartrente ab. Wer davon profitiert, entscheidet allein das Geburtsjahr des Kindes.

Der Finanzausschuss hat am Mittwoch die letzten Änderungen am Gesetz beschlossen. Am Freitag, 16. Oktober, entscheidet der Bundestag über die Frühstartrente. Danach muss noch der Bundesrat zustimmen.

Das Prinzip: Für jedes Kind ab sechs Jahren zahlt der Staat monatlich zehn Euro in ein Aktiendepot. Bis zum 18. Geburtstag sind das 1440 Euro. Ausgezahlt wird erst mit 65.

Frühstartrente: Welche Jahrgänge bekommen das Geld?

Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, also alle Kinder, die in diesem Jahr sechs werden. Laut Statistischem Bundesamt kamen 2020 rund 770.000 Babys in Deutschland zur Welt.

Die Förderung gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. Das erste Geld fließt aber erst 2027, wie die Deutsche Rentenversicherung nach dem Kabinettsbeschluss mitteilte.

Danach rückt jedes Jahr ein neuer Jahrgang nach. Kinder des Jahrgangs 2021 sind 2027 dabei, Kinder des Jahrgangs 2022 im Jahr 2028.

Leer gehen alle aus, die 2019 oder früher geboren sind

Für ältere Kinder zahlt der Staat nichts. Eltern dürfen zwar auch für sie ein solches Depot eröffnen und selbst einzahlen, einen Zuschuss gibt es aber nicht.

Der Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt nannte das in der ersten Lesung „schlicht ungerecht“. Auch die Versicherungswirtschaft forderte in der Anhörung, alle Jahrgänge zu fördern. Die Koalition bleibt beim Stufenplan, schon wegen der Kosten: 198 Millionen Euro im Jahr 2027, 411 Millionen Euro im Jahr 2030.

Frühstartrente: Müssen Eltern einen Antrag stellen?

Nein, einen Antrag auf die zehn Euro braucht es nicht. Eltern müssen aber entscheiden, wo das Geld landet.

Die erste Möglichkeit ist ein eigenes Altersvorsorgedepot auf den Namen des Kindes, bei einer Bank, Sparkasse oder einem Onlinebroker. Der Abschluss geht online, eine Beratung ist nicht vorgeschrieben. Abschluss- und Vertriebskosten dürfen Anbieter laut Gesetzentwurf nicht verlangen. Banken und Fondsbranche wollten dieses Verbot bis zuletzt kippen.

Wer kein Depot eröffnet, landet automatisch in der zweiten Möglichkeit: einem staatlichen Sammeltopf.

Was passiert mit dem Geld, wenn Eltern nichts tun?

Für diese Kinder legt die Bundesbank die Zahlungen ab dem 1. Januar 2028 in einem Sondervermögen an. Genau hier hat der Finanzausschuss nachgeschärft.

Das Geld darf nun ausschließlich in breit gestreute weltweite Aktien oder Aktienfonds fließen. So soll ausgeschlossen werden, dass die Politik das Kapital für eigene Ziele einsetzt, etwa als Finanzspritze für die heimische Wirtschaft.

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Achtung: Mit 35 verfällt das Guthaben

Wer das Geld aus dem Bundesbank-Topf nicht in ein eigenes Depot überträgt, verliert es. Laut Stellungnahme des Bundesrates verfallen die Mittel mit dem 35. Geburtstag. Im ersten Entwurf lag die Grenze sogar noch bei 25 Jahren.

Die Länder fordern deshalb, Betroffene kurz vor Ablauf der Frist noch einmal anzuschreiben. Die Bundesregierung hat zugesagt, das zu prüfen. Festgeschrieben ist es noch nicht.

Wie viel dürfen Eltern und Großeltern zuzahlen?

Bis zu 6840 Euro pro Jahr. Die Erträge bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei. Wer ein zweites Depot eröffnet, um den Betrag zu verdoppeln, soll dafür keinen Steuervorteil bekommen. Darauf haben sich Bundesrat und Bundesregierung verständigt.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält schon die 6840 Euro für viel zu hoch. Davon profitierten vor allem wohlhabende Familien, warnten die Verbraucherschützer in der Anhörung.

Rechnung: Was wird aus 1440 Euro bis zur Rente?

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) versprach im Bundestag, allein aus dem Staatsgeld könnten bis zur Rente 53.000 Euro werden. Wir haben nachgerechnet: Das klappt nur mit sieben Prozent Rendite pro Jahr, und das fast sechs Jahrzehnte lang ohne Kosten.

Bei sechs Prozent hat ein Kind mit 65 gut 32.000 Euro im Depot, bei fünf Prozent rund 19.000 Euro. Die Inflation frisst davon noch einen großen Teil. Klingbeils Zahl ist also das obere Ende der Skala.

Was Eltern von Kindern des Jahrgangs 2020 jetzt tun sollten

Abwarten. Solange Bundestag und Bundesrat nicht zugestimmt haben, gibt es keine zertifizierten Frühstartrenten-Depots. Wer jetzt einen Vertrag als „Kinder-Rente“ angeboten bekommt, sollte genau prüfen, ob es sich um das geförderte Produkt handelt.

Sobald die Depots verfügbar sind, lohnt der Vergleich: Kostenpunkt sind nicht Abschlussgebühren, sondern die laufenden Fondskosten. Mit 18 geht das Depot nahtlos in die geförderte private Altersvorsorge über, die bereits mit der Reform der privaten Rente beschlossen wurde.

Die Linke nennt das Modell „private Kundenakquise auf Staatskosten“, Union und SPD sprechen von einem Meilenstein. Für Eltern zählt eine nüchterne Rechnung: 1440 Euro geschenkt sind ein guter Start. Eine Altersvorsorge sind sie nicht.

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