Fußball

Fünf Mal geführt, einmal gewonnen: Was bei Dynamo Dresden schiefläuft

Nach sieben Spieltagen hat Dynamo Dresden zehn Punkte nach eigener Führung liegen lassen. Trainer Thomas Stamm sieht ein Problem in der Schlussphase.

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Wirkte nach dem Unentschieden in Osnabrück angefressen: Dynamo Dresdens Trainer Thomas Stamm

Wirkte nach dem Unentschieden in Osnabrück angefressen: Dynamo Dresdens Trainer Thomas Stamm

© Noah Wedel/Imago

Der zweite Saisonsieg in der 2. Bundesliga war bereits zum Greifen nah. Über weite Strecken der Partie hatte Dynamo Dresden den VfL Osnabrück im Griff, deutlich mehr Ballbesitz und nicht viel zugelassen. Das Problem daran: Die Mannschaft von Thomas Stamm führte lediglich mit 1:0, konnte sich selbst keine großen Chancen auf einen zweiten Treffer erspielen.

Und dennoch sah es bis in die 87. Minute so aus, als würde sie den Vorsprung über die Zeit bringen können. Dann aber fiel nach einer eigentlich schon geklärten Ecke der 1:1-Ausgleich für den Aufsteiger – der Endstand in einer Partie, in der mehr möglich war und nach der man sich mal wieder ärgern musste. Für Dynamo Dresden war es weit mehr als nur das, denn auf einmal rückte ein Problem zurück in den Fokus, das den Sachsen schon in der vergangenen Saison teuer zu stehen gekommen war.

Vier Spiele, viermal Punkte verschenkt

Zehn Punkte. So viele hat Dynamo nach sieben Spieltagen liegen lassen, obwohl die Mannschaft in fünf Partien in Führung ging. Gewonnen hat sie nur eine davon.

In Heidenheim führte Dynamo zur Halbzeit 1:0 und nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich erneut 2:1, ehe die Partie in der Schlussphase kippte und 3:5 endete. Gegen Hertha BSC wurde aus einer 1:0-Führung ein 1:2. In Braunschweig reichte es nach dem Führungstreffer immerhin zu einem 2:2.

In Osnabrück fiel nun der Ausgleich. Und so blieb es auch nach dem siebten Spieltag der 2. Bundesliga beim bislang einzigen Saisonerfolg, dem 1:0 gegen den SV Darmstadt am zweiten Spieltag.

Das Muster der Vorsaison

Es handelt sich mittlerweile um eine unübersehbare Parallele zur vergangenen Saison. In der Hinrunde ließ Dynamo damals insgesamt 14 Punkte nach eigenen Führungen liegen: Gegen die SV Elversberg, Hannover 96, den Karlsruher SC, Preußen Münster, den SC Paderborn, Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig gab Dresden Führungen aus der Hand. Zur Winterpause stand Dresden mit nur drei Siegen auf dem letzten Platz. Dass den Dynamos das nun erneut passiert, ist dabei mehr als eine Randnotiz.

Natürlich kann niemand erwarten, dass eine Mannschaft jede Führung in einen Sieg verwandelt. Und natürlich lässt sich der aktuelle Kader nicht mit dem von damals gleichsetzen, viele Spieler waren ja noch gar nicht dabei, sondern kamen erst zur Rückrunde und waren maßgeblich an der Trendwende beteiligt.

Nun aber sind sie Teil einer wiederkehrenden Statistik. Und: Wenn sich die Rückschläge derart häufen, wird aus Pech irgendwann ein Muster, und aus dem Muster kann ein Problem werden, das sich in den Köpfen festsetzt. Eine Führung sollte Sicherheit geben. Wer aber wiederholt erlebt, dass sie nicht zum Sieg reicht, könnte anfangen, am eigenen Vermögen zu zweifeln, ein Spiel über die Zeit zu bringen.

Auf die bereits liegengelassenen zehn Punkte in der Pressekonferenz angesprochen, verbarg Trainer Thomas Stamm seine Enttäuschung gar nicht, verwies aber auf die guten Phasen seiner Mannschaft. Dynamo habe aus seiner Sicht nach der langen Länderspielpause ein gutes Spiel gezeigt, mit viel Ballbesitz und Möglichkeiten, auf 2:0 zu erhöhen, vor allem die Zeit nach dem Seitenwechsel sei kontrolliert und mutig gewesen.

Genau diese Überzeugung aber fehlte in der Schlussphase. „Wenn du nicht den Mut hast mit Ball, kommst du auch nicht in die Gegenpressing-Momente“, erklärte Stamm nach dem Spiel.

Ein 2:0 hätte mehr Sicherheit gebracht, sagte er zudem, gleichzeitig müsse seine Mannschaft lernen, eine Führung über die gesamte Spielzeit zu verteidigen und die Überzeugung zu behalten, dass das eigene Spiel auch nach 70, 75 oder 80 Minuten funktioniert.

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Dynamo muss nicht nur taktische Korrekturen vornehmen

Damit dürfte die Aufgabe des Trainers über einzelne taktische Korrekturen hinausgehen. Er muss herausfinden, warum seine Mannschaft in den entscheidenden Minuten die spielerische Linie verliert und aus guten Leistungen so wenig Ertrag zieht.

Noch ist genug Zeit, gegenzusteuern, und die Vorsaison ist keine zwangsläufige Prognose. Als Warnsignal aber taugen zehn verspielte Punkte nach sieben Spielen allemal. Auf Kurs war Dynamo in Osnabrück lange. Nun muss die Mannschaft lernen, ihn bis zum Schlusspfiff zu halten.

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