Roboterhunde

Gassigehen mit dem Roboterhund: Mies bezahlt, und tragen muss man ihn auch noch

Ein Start-up in San Francisco zahlt 20 Dollar pro Stunde fürs Gassigehen mit seinen Roboterhunden. Überhitzt das Gerät, muss man 15 Kilo zurücktragen.

4 Min
Ein Roboterhund und sein lebendiges Vorbild: In San Francisco suchte ein Start-up Menschen, die solche Maschinen stundenlang Gassi führen. (Symbolbild)

Ein Roboterhund und sein lebendiges Vorbild: In San Francisco suchte ein Start-up Menschen, die solche Maschinen stundenlang Gassi führen. (Symbolbild)

© Imago/Davor Puklavec

Ein Start-up in San Francisco hat Gassigeher gesucht. Kotbeutel braucht dabei niemand. Wer den Job macht, sollte aber kräftige Arme haben.

Die Firma Dimensional bot 20 Dollar pro Stunde, umgerechnet knapp 18 Euro, fürs Ausführen ihrer Roboterhunde. Erfahrung war nicht nötig. Über die inzwischen gelöschte Anzeige hat zuerst die „New York Times“ berichtet.

Der Firmensitz passt wie bestellt: Dimensional residiert im Stadtteil Dogpatch.

Gassigehen mit Roboterhund: Schichten bis zu sechs Stunden

Eine kurze Runde reicht den Maschinen nicht. Laut Anzeige dauert eine Tour durch die Stadt vier bis sechs Stunden.

Echte Hunde legen sich unterwegs gern mal auf den Gehweg und rühren sich nicht mehr. Der Roboterhund kann das auch, wenn seine Technik überhitzt.

Dann müssen die Gassigeher ihn zurück ins Büro schleppen. Bewerber sollten Geräte von rund 15 Kilogramm sicher handhaben können, hieß es in der Ausschreibung.

Gemeint sind laut Fox Business Modelle des chinesischen Herstellers Unitree für jeweils rund 2000 Dollar. Gesteuert werden sie per Fernbedienung oder App.

Warum ein KI-Start-up Menschen zum Gassigehen braucht

Dimensional baut kein Spielzeug, sondern ein Betriebssystem für Roboter. Gründer Stash Pomichter, 26, will KI-Agenten in Maschinen stecken, damit diese etwa schwere Kisten tragen.

Dass Menschen solche Arbeit noch selbst erledigen, nannte er gegenüber der US-Zeitung „ehrlich gesagt barbarisch“. Für sein Projekt braucht er nun ausgerechnet Menschen, die seine Roboter stundenlang durch die Stadt lotsen.

Die Gassigeher steuern, Kameras und Sensoren zeichnen jeden Schritt auf. Aus diesen Referenzdaten, von Pomichter „Ground Truth“ genannt, soll die KI das Laufen auf echten Gehwegen lernen.

Mensch gegen KI: Der Test fiel eindeutig aus

Dimensional verglich, wie sich die Roboterhunde unter menschlicher Steuerung schlugen und wie unter Kontrolle eines KI-Agenten. Die KI verlor.

Agenten seien noch sehr schlecht darin, Hardware zu steuern, sagte Pomichter dem Blatt. Der Mensch werde weiterhin gebraucht.

Wie das anderswo schon aussieht, beschreibt die Zeitung ebenfalls: In Atlanta patrouilliert ein Roboterhund durch eine Wohnanlage. Im Blick behält ihn ein Mensch auf den Philippinen.

Lohn für Roboter-Gassigeher: knapp über Mindestlohn

Reich wird man mit dem Job nicht. Der Mindestlohn in San Francisco liegt seit Juli bei 19,61 Dollar, Dimensional zahlt also 39 Cent mehr.

Echte Hunde bringen mehr ein. Auf der Plattform Rover zahlen Kunden in San Francisco im Schnitt knapp 44 Dollar für eine Stunde Gassigehen.

Interesse gab es trotzdem. Unter der Anzeige in der Facebook-Gruppe „Bay Area Jobs“ schrieb eine Mutter, ihr Sohn könne sofort anfangen. Angetreten hat er den Job nach ihren Angaben dann doch nicht.

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Roboterhund als Wachhund im Büro

Ein Roboterhund hat bei Dimensional schon eine Festanstellung. Pomichter lässt ihn nachts durch das lagerhallenartige Büro patrouillieren, mit dem Prompt: „Du bist der beste Wachhund der Welt.“

Betritt nach Mitternacht jemand das Gebäude, folgt ihm der Roboter und schickt Pomichter eine SMS.

Nicht alle Nachbarn finden die Maschinen lustig. Ein Mann tauchte im Büro auf und schickte einem Mitarbeiter danach bedrohliche Nachrichten, berichtet die US-Zeitung. Dimensional schaltete die Polizei ein. Pomichters Reaktion: Dann brauche man womöglich mehr Patrouillenhunde.

Roboterhunde in Deutschland: Einsatz in Klinik und bei der Polizei

Auch hierzulande arbeiten Roboterhunde. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen schickt den Boston-Dynamics-Roboter Spot unter dem Namen „Herbie“ in Brandruinen.

Am Uniklinikum Würzburg lernt die rote Roboterhündin HELIA, Ärzte und Pflegekräfte in der Hautklinik zu unterstützen. Bislang läuft sie dort noch überwiegend per Fernsteuerung.

Bis Roboterhunde allein Gassi gehen, bleibt der Mensch also an der Leine. Nur eben am anderen Ende.

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