Unglück

Germanwings-Flug 4U9525: Wie es zu der Flugkatastrophe in den Alpen kam

Germanwings-Flug 4U9525: Der Co-Pilot steuerte den Airbus 2015 in die Alpen. 150 Menschen starben. Warum konnte er allein im Cockpit bleiben?

4 Min
Trümmer des Germanwings-Flugs 4U 9525 in den französischen Alpen. Beim Absturz 2015 starben 150 Menschen.

Trümmer des Germanwings-Flugs 4U 9525 in den französischen Alpen. Beim Absturz 2015 starben 150 Menschen.

© Sebastien Nogier/epa/dpa

Am 24. März 2015 stürzte ein Germanwings-Airbus in den französischen Alpen ab. Alle 150 Menschen an Bord starben. Der Abschlussbericht zeigt, wie der Co-Pilot den Sinkflug auslöste – und weshalb niemand ihn daran hinderte.

Um 10.01 Uhr startet Flug 4U9525 in Barcelona. Ziel des Airbus A320 ist Düsseldorf. An Bord sind 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Unter den Reisenden befinden sich 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen aus Haltern am See.

Was geschah in den letzten Minuten von Flug 4U9525?

Die Maschine erreicht ihre Reiseflughöhe von rund 11.600 Metern. Um 10.30 Uhr verlässt der Kapitän das Cockpit. Wenige Sekunden später stellt der Co-Pilot am Autopiloten eine Zielhöhe von 100 Fuß ein. Der Airbus beginnt zu sinken.

Der Kapitän versucht, ins Cockpit zurückzukehren. Er fordert Einlass und klopft an die Tür. Auch die Flugsicherung versucht, die Besatzung zu erreichen. Der Co-Pilot antwortet nicht und hält die Cockpittür verschlossen. Um 10.41 Uhr prallt die Maschine bei Prads-Haute-Bléone gegen einen Berg. Niemand überlebt.

Warum konnte niemand den Absturz verhindern?

Die französische Untersuchungsbehörde BEA kam zu dem Schluss, dass der Copilot den Sinkflug absichtlich eingeleitet hatte. Die gegen unbefugtes Eindringen gesicherte Cockpittür ließ sich während des Sinkflugs nicht öffnen. Ein technischer Defekt war nicht die Ursache des Absturzes.

Die Ermittlungen richteten sich deshalb auch auf die Frage, warum der Copilot an diesem Tag fliegen konnte. Nach Angaben der BEA war er 2008 und 2009 wegen einer schweren depressiven Episode behandelt worden. Sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis enthielt danach eine Auflage für den Fall eines Rückfalls. Ende 2014 traten erneut gesundheitliche Probleme auf; in den Monaten vor dem Absturz suchte er mehrere Ärzte auf und erhielt Krankschreibungen.

Nicht alle Krankschreibungen erreichten Germanwings. Der Co-Pilot informierte auch keinen Fliegerarzt über die Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Arbeitgeber und zuständige Behörden wussten nach den Feststellungen der BEA nicht genug, um ihn am Unglückstag vom Fliegen abzuhalten.

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Eine psychische Erkrankung erklärt oder rechtfertigt die Tat nicht. Aus dem BEA-Bericht lässt sich kein abschließendes persönliches Motiv für das Handeln des Co-Piloten ableiten.

Was änderte sich nach dem Germanwings-Absturz?

Der Fall rückte den Umgang mit psychischer Gesundheit von Piloten und den Konflikt zwischen ärztlicher Schweigepflicht und Flugsicherheit in den Mittelpunkt. Die BEA empfahl unter anderem, die Betreuung von Besatzungen und den Informationsaustausch bei erheblichen Sicherheitsrisiken zu verbessern.

Auch die Besetzung des Cockpits blieb ein Thema. Seit dem 18. Mai 2026 empfiehlt die europäische Luftfahrtbehörde EASA die ständige Anwesenheit von zwei berechtigten Personen im Cockpit wieder als bevorzugten Ansatz. Verpflichtend ist diese Empfehlung nicht.

An die Opfer erinnert an der Absturzstelle eine Gedenkstätte. Ihre Sonnenkugel besteht aus 149 Elementen – eines für jeden Menschen, den der Copilot mit in den Tod riss.

Gericht entscheidet über Schmerzensgeld für Opfer

Am Dienstag entscheidet das Landgericht Braunschweig über die Klage der Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes. 30 Hinterbliebene hatten mehr als elf Jahre nach der Katastrophe Ansprüche von jeweils bis zu 110.000 Euro gegen die Bundesrepublik Deutschland angemeldet. Nach Überzeugung der Kläger wurde die Flugtauglichkeit des Copiloten damals nicht ausreichend überwacht.

Hilfe-Nummern

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins „Nummer gegen Kummer“ richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis sonnabends von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Sonnabend nehmen die jungen Berater des Teams „Jugendliche beraten Jugendliche“ die Gespräche an. nummergegenkummer.de

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch. mutes.de

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de
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