Global denken, lokal regieren

Jörg Michel
2 Min

Wenn der neue Umweltsenator demnächst sein Büro in der Bremer Altstadt bezieht, dann wird sich in der Behörde einiges ändern. Statt mit dem spritfressenden Dienstwagen will Reinhard Loske, 48, möglichst oft mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn zur Arbeit kommen. Wo noch nicht vorhanden, sollen Energiesparlampen zur Pflicht werden. "Wir werden bei der Beschaffung zukünftig strikt auf ökologische Kriterien achten", sagt der Grünen-Politiker und man ahnt: Der Mann hat eine Mission. Eine, die er nach vielen Jahren des Debattierens und Reflektierens jetzt auch mal in der Praxis umsetzen will.Dazu wird er bald viel Gelegenheit haben. Gestern wurde der bisherige grüne Bundestagsabgeordnete zum neuen Bremer Super-Senator für Umwelt, Bau, Energie, Verkehr und Europa nominiert. Nach dem Ausscheiden Jürgen Trittins 2005 als Bundesumweltminister steigt Loske damit zum wichtigsten Umweltpolitiker der Öko-Partei auf. Was zunächst überrascht. Denn gerade einmal ein Jahr ist es her, als der gebürtige Westfale seinen damaligen Job als Vize-Fraktionschef im Bundestag wegen eines Streits mit seinem alten Rivalen Trittin hinwarf. Doch nun ist Loske zurück. Denn kaum ein anderer bei den Grünen bringt für den Job als Umweltsenator bessere Startvoraussetzungen mit: Vor zehn Jahren, als sich noch kaum jemand mit dem Klimawandel beschäftigte, promovierte der Volkswirt bereits über das Thema. Als Wissenschaftler arbeitete Loske zudem lange am renommierten Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie.Heute sagt er: "Ich will Bremen zum Kompetenzzentrum in Sachen Klimaschutz und erneuerbare Energien machen." Doch Loske hat schon vor Amtsantritt erfahren müssen, dass dies nicht so einfach wird. In den Koalitionsverhandlungen mit der SPD musste er bereits zurückstecken. So soll die Außenweser trotz ökologischer Bedenken der Grünen vertieft werden, damit große Containerschiffe Bremerhaven leichter anlaufen können. Im Raum steht auch der Bau eines neuen 900-Megawatt-Kohlekraftwerkes, das pro Jahr immerhin fünf Millionen Tonnen Klimagase in die Luft pusten würde. Zwar wollen die neuen Partner laut Koalitionsvertrag in einem "ergebnisoffenen Prüf- und Moderationsverfahren" noch einmal darüber beraten. Doch SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen gilt aus wirtschaftlichen Gründen als Befürworter des Neubaus. Loskes Mission könnte also fehl schlagen, noch bevor sie richtig begonnen hat.Politik Seite 5------------------------------Foto: Reinhard Loske, Grüne, Umweltsenator in Bremen

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner