Es gibt Abende, die größer werden, als ihre Kulisse verspricht. Die HALLE:EINS der Leipziger Messe ist ein Zweckbau. Betongrau, nüchtern, funktional. Aber am Freitagabend des 4. September war sie für gut vier Stunden das emotionalste Stück Deutschland, das das Fernsehen zu bieten hatte.
In Leipzig, in der einwohnerreichsten Stadt Sachsens, erlebten 4.500 Gäste, wie elf Preise ihren Besitzer wechselten. Und sie erlebten einen 95-jährigen Schauspieler, der das Publikum mit einem einzigen Satz zum Schweigen brachte.
Wetten, dass ... helfen glücklich macht?: Samuel Koch über seinen Unfall und den Wert des Verzichts
Armin Mueller-Stahl für sein Lebenswerk ausgezeichnet
Armin Mueller-Stahl stand auf der Bühne, die Goldene Henne in der Hand, und sagte: „Nebenbei gesagt, bin ich ja schon mehrmals für mein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Immer zu früh.“ Dann folgte nach einer kurzen Pause: „Und noch bleibe ich hier.“
Wenige Wochen vor seinem 96. Geburtstag nahm Mueller-Stahl den Lebenswerk-Preis persönlich entgegen. Iris Berben hielt die Laudatio auf einen Mann, der zu den wenigen Künstlern gehört, die sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik Karriere machten – und später sogar in Hollywood. Er ist Schauspieler, Musiker, Maler und Schriftsteller. Bei Mueller-Stahl ist „Lebenswerk“ keine Floskel, sondern ein ziemlich präziser Befund.
Es war der stärkste Moment des Abends. Und das bei einer Gala, die an starken Momenten nicht gerade sparte.
Die Sängerin Helene Fischer trat bei der Verleihung des Medienpreises nicht nur auf, sie bekam auch eine Goldene Henne überreicht. Es ist nicht ihre erste.
© Hendrik Schmidt/dpa
Neun Hennen für Helene Fischer
Zum ersten Mal moderierten Esther Sedlaczek und Florian Silbereisen gemeinsam durch die Goldene Henne. Das Duo funktionierte weniger wegen großer Funken auf der Bühne als wegen einer anderen Qualität. Beide wussten, wann sie reden müssen, und wann besser nicht.
Sedlaczek hielt zudem die Laudatio auf die Sportpreisträger Minerva Hase und Nikita Volodin, das Eiskunstlaufpaar, das den Publikumspreis in seiner Kategorie gewann. Silbereisen wiederum überreichte Helene Fischer ihre Auszeichnung. Wer die Geschichte der Goldenen Henne kennt, weiß: Auch das war kein Zufall.
Dresdner Gemäldegalerie zeigt erste Correggio-Retrospektive außerhalb Italiens
Helene Fischer hat jetzt neun Goldene Hennen und ist damit die unangefochtene Rekordpreisträgerin dieser Auszeichnung, die seit 1995 in Erinnerung an die 1991 verstorbene Entertainerin Helga Hahnemann vergeben wird.
Hape Kerkeling würdigte sie, Silbereisen überreichte die Henne. Kurz davor hatte Helene Fischer auf der Bühne gestanden und ihren Nummer-eins-Hit „Heute Nacht" gesungen sowie ihre neue Single „An meiner Seite" erstmals im Fernsehen präsentiert. Was genau ist eigentlich das Geheimnis dieser Frau? Neun Goldene Hennen geben darauf zumindest eine ziemlich deutliche Antwort. Erklären können sie es trotzdem nicht.
Vor einem Jahr Comeback und nun der Publikumspreis
Vor einem Jahr kehrte Sänger „Unheilig“ nach neun Jahren Pause auf die große Bühne zurück. Bei der Goldenen Henne 2026 gewann die Band nun den Publikumspreis in der Kategorie Musik. Der Graf war sichtlich bewegt. „Ich bin wirklich überwältigt“, sagte er. Bei Preisverleihungen ist das ein Satz, den man nicht immer allzu ernst nehmen muss. Diesmal klang er echt.
Das Comeback von Unheilig – neues Album, Tour, Rückkehr ins Rampenlicht – hat offenbar eine Fangemeinde zurückgebracht, die nie wirklich verschwunden war. Der Publikumspreis ist ohnehin der demokratischste aller Preise. Er misst keine Juryentscheidung und kein Kritikerurteil, sondern Zuneigung. Und davon scheint der Graf noch reichlich zu haben.
Neue Carolabrücke ohne Autos? Dresdner Stadträte legen radikalen Vorschlag vor
„Vaterland“: Dieser Film ist ein Geschenk an die Deutschen
Überrachung aus England und Medley auf Lindenberg
Dass Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen an diesem Abend in Leipzig auftauchten, dürfte für viele im Saal eine Überraschung gewesen sein. Take That sangen zunächst „Relight My Fire“ mit dem MDR-Sinfonieorchester, danach „Feel My Love“ gemeinsam mit Michael Patrick Kelly. Anschließend wurden sie mit dem Ehrenpreis „Musik International“ überrascht. Kelly hielt die Laudatio. Genau dafür sind solche Galas gut, das ist ihr Verdient: Dass sie gelegentlich Momente produzieren, die sich vorher nicht unbedingt ankündigen lassen.
Die Bühne gehörte an diesem Freitagabend aber auch Musikern, die keine Trophäe mit nach Hause nahmen. Udo Lindenberg wird 80 und als Geschenk bekam er ein Medley seiner bekannter Titel, gesungen von Johannes Oerding, Elif, Michael Schulte und Peter Maffay.
Komiker Hape Kerkeling (l) freute sich neben Moderator Florian Silbereisen bei der Verleihung über den Publikumspreis in der Kategorie Film und Fernsehen.
© Hendrik Schmidt/dpa
Das waren die eigentlichen Helden der Gala
Und dann war da noch jener Teil des Abends, der keine große Show brauchte, um zu zählen. Majeed Yarim und Nerva Layka wurden gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland als „Helden des Alltags“ ausgezeichnet. Yarim sagte einen einfachen Satz, der trotzdem hängen blieb. Jeder Mensch könne in einer solchen Situation helfen.
Den Ehrenamtspreis erhielten die freiwilligen Helfer des Tierheims Berlin. Die Charity-Henne ging an den Förderverein Kinder- und Jugendhospiz Leuchtturm aus Greifswald – verbunden mit einer Spende von 25.000 Euro. Auch die Eliteschule des Sports in Potsdam erhielt 25.000 Euro für die Nachwuchsförderung.
Taiwan-Sonderbeauftragter soll Chip-Boom nach Sachsen holen
2,85 Millionen Menschen sahen am Freitag die rund dreieinhalbstündige Liveübertragung im Ersten. Der Marktanteil lag bei 18,0 Prozent und damit über dem Vorjahr. Das Publikum erlebte eine Mischung aus Auszeichnungen, großen Namen, Musik und ein bisschen Nostalgie. Und gelegentlich erinnerte sie daran, dass es neben dem Showbusiness noch eine Welt gibt, in der Menschen füreinander einspringen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]