Die Grube Teutschenthal im Saalekreis ist endgültig insolvent. Das Amtsgericht Halle hat am Montag das Insolvenzverfahren über die Betreibergesellschaft eröffnet. Trotz mehrerer Gespräche mit Interessenten fand sich nach Angaben von Insolvenzverwalter Lucas Flöther kein Investor. Seit Ende Oktober steht in dem früheren Kali- und Salzbergwerk alles still.
Für die rund 90 Beschäftigten bedeutet das aller Voraussicht nach das Aus. Sie müssten gekündigt werden, sagte Flöther. Die Mitarbeiter wurden bereits bei einer Mitarbeiterversammlung informiert. Noch im November wolle die Insolvenzverwaltung mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandeln, in dem es unter anderem um Abfindungen geht. Die Löhne während der Kündigungsfristen seien aus der Insolvenzmasse gesichert.
Kosten für die Sicherung stark gestiegen
Die Betreibergesellschaft GTS Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG hatte bereits Ende Juli Insolvenz beantragt. Die Kosten, um die unterirdischen Hohlräume zu sichern, waren deutlich gestiegen. Frühere geologische Prognosen entsprachen nach Angaben des Unternehmens nicht mehr der tatsächlichen Lage. Auf eine Finanzierung konnte sich die GTS mit dem Land nicht einigen.
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MehrEnde August wandte sich die Belegschaft mit einem Brandbrief an Ministerpräsident Sven Schulze und Michael Richter (beide CDU), der neben dem Finanz- auch das Wirtschaftsministerium führt. Die Mitarbeiter fühlten sich nicht gehört, es ging auch um die Zukunft ihrer Familien. Bis zum 31. Oktober hielten sie den Betrieb während des vorläufigen Insolvenzverfahrens aufrecht. Seitdem nimmt die Grube auch keine Rückstände aus Müllverbrennungsanlagen und der Industrie mehr an.
Sachsen-Anhalt muss für die Sicherheit sorgen
Mit dem Ende des Geschäftsbetriebs endet die Arbeit unter Tage nicht. Die Hohlräume müssen weiter überwacht und gesichert werden, um Einstürze zu verhindern. Flöther hat die vier Schächte und die Hohlräume aus der Insolvenzmasse freigegeben, sie bleiben Eigentum der GTS. Das Land könne jedoch selbst eingreifen und die nötigen Arbeiten veranlassen, eine zentrale Rolle solle dabei das Landesamt für Geologie und Bergwesen übernehmen.
Das Land habe einen öffentlichen Sicherungsauftrag, so der Insolvenzverwalter: Die Arbeiten sollten die umliegenden Orte, darunter Teutschenthal und Angersdorf, vor einem erneuten Gebirgsschlag schützen. Eine frühere Hochrechnung des Wirtschaftsministeriums bezifferte die möglichen Kosten für Sicherung und Stilllegung auf rund 130 Millionen Euro.
Erschütterungen bis nach Halle
In Teutschenthal wurden von 1905 bis 1982 Kali und Steinsalz abgebaut. Stillgelegt wurde das Bergwerk also noch zu DDR-Zeiten. Zurück blieben große Hohlräume in 600 bis 900 Metern Tiefe, die die Stabilität des Untergrunds gefährden können. Seit rund 30 Jahren werden sie deshalb mit mineralischen Stoffen und zugelassenen Abfällen verfüllt, etwa mit Resten aus der Müllverbrennung.
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Nach Angaben des Landes gab es 1916, 1940 und 1996 schwere Gebirgsschläge. Das sind plötzliche Brüche im Gestein, die man an der Oberfläche wie ein Erdbeben spürt. Die Erschütterungen reichten bis nach Halle. Wie gefährlich die Arbeit unter Tage ist, zeigte sich auch im November 2019: Bei einer Verpuffung in rund 700 Metern Tiefe wurden damals zwei Bergleute verletzt.
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