Nachruf

Gute Reise, Walter Koenig: Sein Chekhov war der freundlichste Russe im Kosmos

Walter Koenig machte den Russen an Bord der Enterprise zum Sympathieträger – mitten im Kalten Krieg. Nun ist er gestorben.

3 Min
Walter Koenig (1936–2026)

Walter Koenig (1936–2026)

© Jens Krick

Nur zwei Schauspieler sprachen vor, und Walter Koenig wusste schon zwei Stunden später, dass er die Rolle des Pavel Chekhov hatte. Sie sollte das Leben des Kindes russisch-jüdischer Einwanderer prägen: Es begann 1936 in Chicago, währte neun Jahrzehnte und endete am Sonntag, den 25. Oktober, mit einem natürlichen Tod in Los Angeles. 

Die Rolle in „Star Trek“ (oder „Raumschiff Enterprise“, wie die Serie in Deutschland heißt) war aber nicht nur ein persönlicher Glücksfall in einer Schauspielervita, sie war auch ein Politikum mitten im Kalten Krieg, auch wenn die Geschichte mit der Prawda, die russische Verstärkung für die Besatzung der Enterprise gefordert haben soll, erfunden war.

Ein Glücksfall mitten im Kalten Krieg

Koenig spielte den russischen Navigator mit dem anspielungsreichen Namen Pavel Chekhov jahrzehntelang, erst in der Serie von 1966 bis 1969, dann auch in den Kinofilmen. Und auch wenn er noch viel mehr spielte, auch wenn er Drehbücher schrieb, Regie führte und Filmkurse gab – für diese Rolle bleibt er im Gedächtnis.

Die Original-Mannschaft der Enterprise: Pavel Chekhov (Walter Koenig, r.) gehörte zur Crew von Captain Kirk (William Shatner, 3. v. l.).

Die Original-Mannschaft der Enterprise: Pavel Chekhov (Walter Koenig, r.) gehörte zur Crew von Captain Kirk (William Shatner, 3. v. l.).

© Imago

Wer an den freundlich nüchternen Offizier mit dem künstlich verstärkten russischen Akzent denkt, den überkommt die Sehnsucht nach besseren Zeiten, in denen die Zukunft nicht nur durch den Sixties-Schick bestach, sondern auch durch die weitgehende Abwesenheit künstlicher Intelligenz.

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Die Welt war am besten mit den irdischen Tugenden der artenübergreifenden Humanität, der guten alten Vernunft und solchen Werten wie Verlässlichkeit, Höflichkeit, Stilsicherheit und auch ein bisschen Humor zu retten. So ein netter und manierlicher Russe! Und wie schön überhaupt: Es gab ja gar keine Nationen mehr in der Vereinten Föderation der Planeten, nur noch verschiedene Herkünfte. Ach, schönes Morgen von gestern!

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Würde man heute einem Russen die Navigation überlassen?

Und wo sind wir inzwischen gelandet? Würde man heute einem Russen die Navigation der international, multiplanetar und sogar interstellar besetzten Enterprise durch den Kosmos überlassen? Zwangsläufig schwenkt der Blick zu Captain James T. Kirk, gebürtig in Iowa – ein Amerikaner! Ist das eine gute Besetzung für unsere gegenwärtige Sternenflotte? Ist man überhaupt noch gefeit gegen nationalistische Vorurteile, die da mitten im Kalten Krieg unter anderem durch das Wirken Walter Koenigs bedient und zugleich weichgeklopft werden sollten?

Dass wir in dieser Hinsicht offenbar regredieren, zeigt sich an der reflexhaften Erleichterung, die uns ereilt, wenn wir daran denken, dass der Kirk-Darsteller der Originalserie William Shatner Kanadier ist. Und schon unterliegen wir unserer Vorurteilsfreude und verteilen Sympathiepunkte. Trauern wir um Pavel, der uns gezeigt hat, dass es anders geht. Und wünschen wir Walter Koenig eine gute Reise in unendliche Weiten.

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