Harald Schmidt hat Late Night nach Deutschland gebracht und salonfähig gemacht. Noch heute vermissen viele den scharfen Humor und die treffsicheren Spitzen des heute 69-jährigen Entertainers.
Doch als Kreuzfahrtdirektor auf dem ZDF-„Traumschiff“ wird's leider selten bissig, daher muss man sich an die Interviews und Gesprächsformate halten, die Schmidt gelegentlich noch gibt.
So wie zuletzt das SRF-Format „Gredig direkt“, dessen Ausschnitte gerade auf Social Media viral gehen. In der Talkshow des Schweizer Senders wurde Schmidt unter anderem gefragt, warum so viele Deutsche in die Schweiz ziehen.
Harald Schmidts Humor als Thema von Diplomarbeiten
Der Entertainer erklärt das Phänomen ohne Umschweife mit dem Geld. Für die meisten sei das Steuerargument entscheidend. Ein Vermögensberater habe ihm einmal gesagt, der Steuerspartrieb sei bei den Deutschen stärker als der Sexualtrieb.
Den Schweizer Umgangston findet Schmidt angenehm, als Satiriker braucht er ihn aber nicht: Die täglichen Katastrophenmeldungen aus Deutschland seien für ihn wie ein gut gedüngter Acker für einen Bauern.
Die Rede von seiner „Carte blanche“ als Humorist nimmt Schmidt mit Humor. Über ihn würden sogar Diplomarbeiten geschrieben, weil er angeblich eine Metaebene einbaue. Den Begriff habe er erst googeln müssen. Entscheidend sei, dass über einen geschrieben werde, auch in Ressorts, in denen man eigentlich gar nicht unterwegs sei.
Bei Fragen nach der Vergangenheit bleibt Schmidt unbeirrt – so wie zuletzt auch in einem Talk mit dem Deutschlandfunk, als er mit der Sexismus-Doku „Was haben wir gelacht“ konfrontiert wurde und das Publikum zum Lachen brachte, als er sagte, wäre er nicht einer der Hauptbösewichte in diesem Film gewesen, hätte er sich erschossen.
Verona Pooth abgeleckt – und nichts zu entschuldigen
Dass er in seiner Sendung einst Verona Pooth das Gesicht abgeleckt hat, so Schmidt nun bei Urs Gredig, sei damals eben so gewesen. Es gebe nichts zu entschuldigen oder zu korrigieren, man müsse nur clever genug sein, sich im Lauf der Jahre anzupassen.
Verona Pooth und Harald Schmidt haben sich auch abseits des TV-Studios gut verstanden.
© Imago
Ob er sich als „alter weißer Mann“ gecancelt fühle, will der Schweizer Moderator wissen. Schmidt antwortet: „Nein. Man muss verhindern, dass man gecancelt werden kann. Gegen das Etikett ‚alter weißer Mann‘ kommt man nicht an. Also muss man das wie einen Orden vor sich hertragen.“
Wenn in Deutschland in kritischen Runden der Begriff vom typischen alten weißen Mann falle, sollte sein Name relativ schnell fallen, so Schmidt, sonst müsse er noch ein bisschen nachlegen.
Er sei schließlich „Dirty Harry“ gewesen. Seine eigene Vogelfreiheit erklärt er mit einem „unglaublich komplizierten Trick“: Er zahle einfach seine Steuern.
Fast 20 Jahre Late Night – 2014 war dann Schluss
Zeitung lese er nur noch, wenn er die Autorin oder den Autor kenne, ansonsten nur die Überschrift. Auftritte nehme er nur wahr, wenn er der einzige Gast sei.
Auch um Politik geht es im Talk: Bundeskanzler Friedrich Merz nehme er immer ein wenig in Schutz, hält ihm Interviewer Urs Gredig vor. Schmidts Rat an den Kanzler: „Gib Gas.“ Über Merz werde gesprochen, als sei er schon abgewählt. Eine ideale Ausgangslage, um alles durchzuziehen, was man vorhabe.
Harald Schmidt hatte seine Late-Night-Show mit Unterbrechungen fast 20 Jahre lang bei verschiedenen Sendern moderiert. Im März 2014 lief dann die letzte „Harald Schmidt Show“ auf Sky. Zuvor hatte Schmidt angekündigt, dass er sich, sollte seine Show bei Sky abgesetzt werden, komplett aus dem Fernsehgeschäft zurückziehen werde.
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Seitdem meldet er sich nur noch sporadisch zu Wort, bezeichnet sich selbst als Aktivrentner, lehnt ein klassisches Fernseh-Comeback ab. Umso mehr sind Wortmeldungen wie die jetzige gefragt.
In den Kommentaren zur SRF-Sendung auf Instagram heißt es: „Ich liebe den Humor von Harald Schmidt. So einer fehlt heute eindeutig im deutschen Fernsehen.“ Oder einfach nur: „Bester Mann.“
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