Amerikas Verteidigungsminister Pete Hegseth ist offenbar in einen weiteren sicherheitsrelevanten Chat-Vorfall verwickelt. Wie die New York Times und der Sender CNN am Sonntag berichteten, teilte der Pentagon-Chef im März geheime Informationen in einer zweiten Chatgruppe. Zu der Gruppe im Onlinedienst Signal gehörten demnach „ein Dutzend Personen aus seinem persönlichen und beruflichen Umfeld“ sowie seine Ehefrau, sein Bruder und sein Anwalt.
Der frühere Kommentator von Fox News wies die Berichte zurück und beschuldigte seinerseits die Medien. Sie würden „Lügen“ und „anonyme Verleumdungen“ verbreiten, sagte Hegseth bei einer Veranstaltung im Weißen Haus. Er warf Medien im Allgemeinen vor, sie würden anonyme Quellen zitieren, um „Menschen zu zerstören und ihren Ruf ruinieren“. Das werde bei ihm nicht funktionieren, so der Pentagon-Chef. Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre dies das zweite Mal, dass Hegseth geheime militärische Informationen in einem Chat geteilt hat.
Trump verteidigt Hegseth: „Er macht einen großartigen Job“
Donald Trump sprach Hegseth sein Vertrauen aus. Der US-Präsident sagte, nachdem die Demokraten den Rücktritt von Hegseth gefordert hatten, er unterstütze seinen Verteidigungsminister weiterhin. „Er macht einen großartigen Job“, sagte Trump, als er das jährliche Ostereierrollen im Weißen Haus moderierte. „Fragen Sie die Huthi, wie es ihm geht“, fügte der US-Präsident hinzu und bezog sich dabei auf die vom Iran unterstützte Rebellengruppe im Jemen, die von den USA ins Visier genommen wurde. Zuvor hatte Pressesprecherin Karoline Leavitt Reportern erklärt, Trump stehe voll und ganz hinter Hegseth und habe absolutes Vertrauen in ihn.
Die erste Sicherheitspanne bei einem Chat von US-Regierungsvertretern über Angriffe auf die proiranische Huthi-Miliz im Jemen war im März bekannt geworden, nachdem ein Journalist darüber berichtet hatte. Der Chefredakteur des Magazins The Atlantic, Jeffrey Goldberg, war damals offenbar aus Versehen zu dem Chat auf Signal eingeladen worden. Initiiert hatte diesen der Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz.
In der Chatgruppe hatten sich Regierungsmitglieder ausgetauscht, darunter neben Hegseth und Waltz auch Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident J.D. Vance. Der Journalist Goldberg machte den Vorfall in einem Artikel öffentlich, später veröffentlichte sein Magazin Screenshots der Chats. Diese enthalten zahlreiche Details wie genaue Angriffszeiten am 15. März und die dabei eingesetzten Flugzeuge.
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Chat-Skandal in der US-Regierung: Pentagon geht gegen seinen Chef Pete Hegseth vor
New York Times: Hegseth hatte die Chatgruppe erstellt
Anders als der erste sei der zweite Gruppenchat von Hegseth erstellt worden, berichtete nun die New York Times. Die Zeitung beruft sich dabei auf „vier Personen“, die von diesem Gespräch gewusst hätten. Laut der Zeitung sind dies Hegseths Ehefrau, eine Journalistin und ehemalige Mitarbeiterin des Senders Fox News, die nicht im Pentagon angestellt ist. Mitglieder im Chat sind zudem der Bruder und der Anwalt des Ministers, die im Ministerium tätig sind.
Der Zeitung zufolge teilte Hegseth in dem zweiten Gruppenchat die genauen Flugpläne der amerikanischen Flugzeuge, die Ziele der proiranischen Huthi-Miliz im Jemen angreifen sollten. Es seien „im Wesentlichen die gleichen Angriffspläne“ gewesen, die der Pentagon-Chef „am selben Tag über eine andere Signal-Gruppe geteilt hatte“.
Als Reaktion auf den Bericht beschuldigte Pentagon-Sprecher Sean Parnell die New York Times, ein „Trump hassendes Medium“ zu sein. Es habe „keine geheimen Informationen in irgendeinem Signal-Chat“ gegeben, „egal wie sehr sie versuchen, daraus eine Geschichte zu stricken“, sagte er, ohne weitere Einzelheiten anzugeben.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Im Hintergrund: seine Ehefrau
© Ben Curtis/dpa
Die durch den Journalisten Goldberg öffentlich gemachte Sicherheitspanne aus dem März hatte in Washington wie auch international hohe Wellen geschlagen. Die oppositionellen Demokraten forderten den Rücktritt Hegseths. Sie werfen der Regierung vor, dass die versehentliche Offenlegung der Pläne das Leben amerikanischer Soldaten hätte gefährden können. Der Nationale Sicherheitsberater Waltz übernahm Ende März die Verantwortung für den Vorfall.
Vertreter der Trump-Regierung bestreiten jedoch, dass in dem Chat geheime Informationen ausgetauscht worden seien. US-Präsident Donald Trump stellte sich demonstrativ hinter seinen Verteidigungsminister und warf Kritikern eine „Hexenjagd“ vor. Vizepräsident Vance schloss Entlassungen im Zusammenhang mit dem Chat-Skandal aus.
Hegseth erneut unter Druck
Kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls nahm das Pentagon Ressortchef Hegseth ins Visier. Pentagon-Generalinspekteur Steven Stebbins kündigte Anfang April eine interne Untersuchung zur Rolle Hegseths in der sogenannten Chatgruppenaffäre an. Die Untersuchung geht Stebbins zufolge auf einen entsprechenden Antrag der beiden führenden Mitglieder des Streitkräfte-Ausschusses des US-Senats zurück, einen Republikaner und einen Demokraten.
Das ranghöchste Mitglied des Senatsausschusses für Streitkräfte, Jack Reed, forderte Stebbins nach Bekanntwerden der jüngsten Anschuldigungen auf, diese in seine Untersuchung einzubeziehen. Sollte sich dieser Vorfall als zutreffend herausstellen, sei er „ein weiteres beunruhigendes Beispiel für die rücksichtslose Missachtung der Gesetze und Vorgaben durch Minister Hegseth, die jeder andere Militärangehörige zu befolgen hat“, erklärte der demokratische Senator.
Hegseths ehemaliger Pentagon-Sprecher John Ullyot beschrieb kurz nach Erscheinen der Medienberichte „einen Monat des totalen Chaos im Pentagon“. Präsident Trump sei „bekannt dafür, dass er seine Spitzenbeamten zur Verantwortung“ ziehe, schrieb er in einem Kommentar. In Anbetracht dessen sei es „schwer vorstellbar, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth noch lange in seinem Amt bleibt“.
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Wegen Leaks: Berater von Pete Hegseth aus dem Pentagon eskortiert
Vergangene Woche war einer der führenden Berater Hegseths wegen eines Leaks im Verteidigungsministerium beurlaubt und aus dem Pentagon eskortiert worden. Dabei handelt es sich um Dan Caldwell, wie Reuters und die New York Times unter Berufung auf US-Beamte berichteten. Caldwell wurde aufgrund einer „unbefugten Offenlegung“ beurlaubt, wie ein Regierungsbeamter gegenüber der Nachrichtenagentur erklärte.
Caldwell hatte Hegseth in dem Signal-Chat vertreten, in dem hochrangige Regierungsbeamte ihre Pläne für den Angriff auf die Huthi-Miliz im Jemen erörterten. Zunächst war nicht bekannt, ob seine Beurlaubung mit dem Vorfall zusammenhängt.
Laut CNN hat sich Hegseth noch immer nicht zu den Entlassungen in seinem Büro geäußert und ist in der letzten Woche Situationen aus dem Weg gegangen, in denen er der Presse hätte begegnen können. Am vergangenen Donnerstag waren Journalisten eingeladen, den Verteidigungsminister bei der Begrüßung seines französischen Amtskollegen im Pentagon zu begleiten, doch Hegseth erschien nicht und schickte stattdessen einen Assistenten.
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