Berlin ist die Stadt des lebendigen Buchhandels, nirgendwo anders in Deutschland gibt es so viele unabhängige Läden. Einer davon ist Knesebeck Elf in Charlottenburg. Wir fragen den Buchhändler Felix Palent: Welche Bücher empfehlen Sie in diesem Herbst am liebsten?
Felix Palent: Am Dienstag kommt Xaver Bayer zu uns in die Buchhandlung, mit „Hauch“. Das ist ein ganz intimer Roman, in dem sich zwei Freunde schreiben, das Wort „Briefroman“ gefällt mir dafür gar nicht. Die beiden – sie und er – haben eine tiefe Vertrauensbeziehung, das macht dieses Buch so schön. Sie sind sehr offen zueinander.
Dabei sind diese Texte nicht irgendwie schlüpfrig, sondern das ist eine diskrete Intimität. Die Stimmung ist einerseits von den Zumutungen des Alltags einer Großstadt gespeist, weil Dora in der Stadt lebt. Ihr Freund auf dem Land antwortet mit empfindsamen Beobachtungen aus der Natur, die in ihrer Schönheit fast schon tröstend sind.
Ich mochte bisher alle Bücher von Xaver Bayer, er findet immer einen neuen Ton. Das Österreichische Kulturforum ermöglicht uns, dass wir ihn aus Wien hierherholen können.
Mario Petuzzis Debüt: Eine Frau macht Winterschlaf
Dann möchte ich dringend Mario Petuzzis Roman „Winterschlaf“ empfehlen. Ich finde, dies ist nicht nur ein großartiges Debüt, sondern eines der besten Bücher überhaupt, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Die Geschichte ist ein bisschen surreal, der Autor bleibt auch nur bei dieser Geschichte – es gibt keine Deutung darüber hinaus, keine politischen Analogien, es hat auch nichts Autobiografisches.
Eine Frau erwacht nach einer langen Zeit des Winterschlafs in einem abgelegenen Tal, wird von der Familie wie selbstverständlich begrüßt, aber dann kommt die Welt von außen rein. Ich will es nicht nacherzählen, um nicht den Zauber, nicht die Magie zu zerstören.
Ein drittes Buch ist mir noch sehr wichtig: Rachel Cusk, „Das Leben der M“. Es ist ein Roman über eine Schauspielerin, die ihr Leben in Rollen führt. Die Autorin entwickelt daraus eine Art Variation auf die Frage, was denn eigentlich die Wirklichkeit ist.
Das ist gedanklich wie auch erzählerisch stark verdichtet, es hat unfassbar schöne Sätze, es hat Beobachtungen, die einen unruhig zurücklassen. Wir haben hier das Höchstmaß an poetischer Aufrüttelung, ein Wahnsinnsbuch.
Knesebeck Elf, Knesebeckstr. 11, 10623 Berlin. Xaver Bayer liest am 15.9. um 19 Uhr
Herr Mätzschker, welche Bücher empfehlen Sie bei Pankebuch?
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