Hightech-Park

Intel-Gelände: Sachsen-Anhalt steht vor hohen Rückkaufkosten

In Sachsen-Anhalt wird doch keine Halbleiterfabrik von Intel entstehen. Das Land will das Gelände für einen Hightech-Park zurückkaufen – das könnte teuer werden.

OAZ
4 Min
Sachsen-Anhalts Finanzminister Michael Richter sieht in der Entwicklung des Hightech-Parks weiterhin eine „einmalige Chance“.

Sachsen-Anhalts Finanzminister Michael Richter sieht in der Entwicklung des Hightech-Parks weiterhin eine „einmalige Chance“.

© Christian Schroedter/Imago

Nach der Absage des US-Chipherstellers Intel, in Magdeburg Halbleiterfabriken zu errichten, hat die Landesregierung Sachsen-Anhalts beschlossen, das 400 Hektar große Gelände des Unternehmens zurückzukaufen. Der Rückkauf soll über die landeseigene Hightech-Park GmbH (HTP) erfolgen und ist Teil des Plans, das Gebiet zu einem Zentrum für Hochtechnologie auszubauen. Die Fläche ist Teil eines insgesamt 1.100 Hektar großen Gewerbegebiets südlich von Magdeburg, das laut Finanzminister Michael Richter (CDU) „in Deutschland einzigartig“ ist.

Intel hatte das Gelände 2022 für rund 100 Millionen Euro erworben. Für den Rückkauf wird nun allerdings ein deutlich höherer Betrag erwartet. Einem regierungsinternen Papier zufolge hat Intel „eine konkrete Kaufpreisvorstellung“ benannt. „Diese berücksichtigt die bislang aufgewendeten Kosten sowie eine angemessene Inflationsanpassung“, heißt es in einem Bericht der Volksstimme. Dies lässt darauf schließen, dass Intel deutlich mehr als die 2022 bezahlten 100 Millionen Euro verlangt.

Zu den konkreten Vorstellungen Intels wollte sich Richter nicht äußern. Er erklärte jedoch, dass die Kaufpreisforderung des Unternehmens „fair“ sei und keine Verhandlungstaktik darstelle. Die Gespräche mit Intel, der Stadt Magdeburg und dem Land Sachsen-Anhalt sollen bis Juni abgeschlossen sein. Richter, der auch für das Wirtschaftsressort zuständig ist, betonte: „Wir sind in guten Verhandlungen mit Intel. Das Unternehmen pokert nicht.“ Die Landesregierung hat eine erweiterte strategische Ausrichtung des Gewerbegebiets beschlossen. Neben der Mikroelektronik sollen Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Energie- und Umwelttechnik angesiedelt werden. Staatssekretär Jürgen Ude erklärte: „Wir wollen hier keine Arbeitsplätze mit geringem Anspruch schaffen, sondern Hochtechnologie fördern.“

Herausforderung technische Infrastruktur

Potenzielle Ansiedlungen werden gezielt geprüft, um die Qualität und Nachhaltigkeit der Investitionen sicherzustellen. Die Stadt besitzt ein Vorkaufsrecht, hat jedoch bereits signalisiert, dieses an das Land abzutreten, um die Entwicklung des Hightech-Parks unter landesweiter Führung zu ermöglichen.

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Ein erstes Unternehmen, das Interesse an einer Ansiedlung gezeigt hat, ist der Speicherchiphersteller FMC aus Dresden. Das Unternehmen, das aus dem Umfeld der Technischen Universität Dresden hervorgegangen ist und unter anderem von Bosch, Air Liquide und Merck unterstützt wird, plant die Produktion von Chips für KI-Rechenzentren. Magdeburg wäre der erste Standort einer FMC-Chipfabrik in Deutschland. Die Finanzierung des Projekts, darunter eine mögliche Förderung von 1,3 Milliarden Euro durch den Bund, wird derzeit verhandelt. Laut Richter sind die Gespräche mit Berlin „weit fortgeschritten“.

Die Infrastruktur des Hightech-Parks stellt jedoch eine Herausforderung dar. Derzeit könnten nur zwei bis drei Investitionsprojekte zuverlässig mit Wasser und Strom versorgt werden. Um den Wasserbedarf kurzfristig zu decken, soll das Wasserwerk in Colbitz im Landkreis Börde ertüchtigt werden. Langfristig ist der Bau eines neuen Wasserwerks an der Elbe geplant, dessen Fertigstellung jedoch bis zu zehn Jahre dauern könnte und rund 180 Millionen Euro kosten wird. Auch die Stromversorgung muss ausgebaut werden. Der Netzbetreiber 50Hertz hatte nach der Absage von Intel Teile der Kapazitäten anderweitig vergeben, sodass neue Lösungen nötig sind. Richter kündigte Gespräche mit Netzbetreibern an, um den Ausbau voranzutreiben und Transformatoren zu erwerben.

Landesregierung sieht „einmalige Chance“

Neben der technischen Infrastruktur hat insbesondere die Fachkräftesicherung Priorität für die Landesregierung. Geplant sind die Stärkung der dualen Ausbildung in technischen Berufen sowie die Weiterentwicklung von Studienangeboten, um die Nachfrage nach hochqualifizierten Mitarbeitern zu decken.

Die Landesregierung sieht in der Entwicklung des Hightech-Parks trotz der hohen Kosten eine einmalige Chance für die Region. Richter betonte, dass eine derartige Fläche nicht nur in Deutschland einzigartig sei, sondern auch europaweit schwer zu finden. Ziel ist es, den Standort bis Ende 2026 erfolgreich zu vermarkten und langfristig hochwertige Arbeitsplätze sowie wirtschaftlichen Aufschwung zu schaffen. Die strategische Ausrichtung und die geplanten Investitionen sollen die Region nachhaltig stärken und Magdeburg als Zentrum für Hochtechnologie etablieren.

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